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Interview – Typ 2

Einen aktuellen Beitrag in Zeiten von Corona kann man hier lesen.

Das Basisdilemma der Imagetypen, dass einfach Dazusein nicht ausreicht, um geliebt zu werden, l├Âst Typ 2, indem er seine Bed├╝rfnisse ignoriert und sich auf die Befriedigung der Bed├╝fnisse der anderen konzentriert. Hochintuitiv auf die Bed├╝rfnislage anderer Menschen verwandelt auch sie sich in etwas anderes als das, was sie ist : in die Erf├╝llung der Bed├╝rfnisse des anderen. Vorsicht: dieser Tyus kann leicht mit Typ Nr.9 verwechselt werden. In einer Gruppe von Menschen verschmelzen Neunen im Grunde mit allen Bed├╝rfnissen und Positionen aller Anwesenden, wohingegen Zweien sich meist auf eine wichtige Person konzentrieren, deren Liebe sie haben wollen.

Die m├╝ndliche Tradition

Eingeleitet wird ein Interview nach der m├╝ndlichen Tradition typischerweise mit einer kurzen Geschichte (aus dem Leben) dieses Typs. Die Geschichten stammen aus der Feder eines Vertreters/Vetreterin dieses Typs,┬á sind also ÔÇ×typischÔÇť. Deshalb kann es durchaus sein, dass manche Themen / Situationen Sie als Leser (├╝berhaupt) nicht ansprechen┬á vielleicht sogar Verwunderung ausl├Âsen. Beim Lesen des Interviews ÔÇ×kl├ĄrtÔÇť sich das f├╝r Sie als Leser vielleicht auf.

Die Geschichte

Richte Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Atem im Bauchraum.
Stell Dir nun vor, du sitzt in Deiner Wohnung, f├╝hlst Dich bedr├╝ckt. Du hast den Wunsch, mit jemandem ├╝ber Dein Problem zu sprechen.
Du rufst eine Freundin an und fragst, ob sie Lust hat, sich mit Dir zu treffen. Die Freundin sagt zu, du bist erleichtert, es tut gut. In Deinem Herzen sp├╝rst Du die wohltuende Vorfreude.
Nun kommt Deine Freundin. Du siehst sie, Deine Aufmerksamkeit geht automatisch von Dir weg auf sie hin. Du bist immer noch auf der Ebene des Herzens, nun aber nach au├čen gewandt. Und Du fragst:“ Wie geht es Dir ? “ und Deine Aufmerksamkeit richtet sich auf die Bed├╝rfnisse der Freundin. Sie beginnt zu erz├Ąhlen, und Deine eigenen Probleme beginnen kleiner zu werden. Du sp├╝rst sehr gut, was sie braucht, und f├╝hlst Dich gut dar├╝ber, da├č sie sich ├Âffnet und sich Dir anvertraut. F├╝r Deine eigenen Probleme ist kein Raum mehr. Sie verlieren an Bedeutung. Aber es hat gut getan, ihr zu helfen.

Das Interview

Irgendetwas, das Dir vertraut erscheint in dieser Geschichte?
Mir erscheint sehr vertraut, dass ich meine eigenen Anliegen, das, was mir selbst wichtig ist, vergesse, wenn andere Personen anwesend sind. Was mich selbst besch├Ąftigt, tritt total in den Hintergrund, wird ├╝berschwemmt von dem, was ein anderer mitbringt. Meine Aufmerksamkeit geht dann automatisch auf das, was den anderen interessiert, und es ganz schwer, meine eigenen Themen einzubringen. Ich merke das erst dann, wenn der Kontakt vorbei ist oder wenn der Tag vorbei ist mit den vielen Leuten, die man trifft, und abends f├Ąllt es mir pl├Âtzlich ein: das wollte ich eigentlich. Und den ganzen Tag habe ich das vergessen, ich denke da ├╝berhaupt nicht mehr dran.

Es f├Ąllt Dir leichter, Kontakt zu Dir zu bekommen, wenn Du alleine bist?
Ich kann es fast nur, wenn ich alleine bin, au├čer die andere Person hat wirklich Interesse f├╝r mich. Und auch da ist es eigentlich wieder so, dass ich dann auf das Bed├╝rfnis der anderen Person reagiere, etwas ├╝ber mich zu erfahren. Dann kann ich das.

Du erf├╝llst dann sozusagen das Bed├╝rfnis der anderen Person, etwas ├╝ber Dich zu erfahren und nur so kommst Du mit Dir selbst in Kontakt?
Auch dann ist es manchmal noch schwer, etwas ├╝ber mich mitzuteilen, weil es dann frisiert ist, ausgew├Ąhlt nach Themen, die dann der anderen Person gefallen. Es w├╝rde mir schwerfallen, die andere Person zu langweilen.

Du erz├Ąhlst dann nicht unbedingt wirklich, was Dich bedr├╝ckt, was in Dir vorgeht, oder was Dir wichtig ist, sondern etwas, das den anderen interessieren k├Ânnte?
Bei dem Wort „wirklich “ wird es schon schwierig. Wenn ich etwas erz├Ąhlt habe, frage ich mich oft hinterher, ob das wahr war oder wieder nur die H├Ąlfte. Was wirklich in mir ist, ist ganz schwer. Es ist immer ein St├╝ck mit dabei, was den anderen gef├Ąllt und was sie h├Âren m├Âchten. Auch was mir selbst gef├Ąllt, das ist vermischt sich mit dem, was ich glaube, was gef├Ąllig ist.

Wenn wir Dich fragen “ Was geht wirklich in Dir vor „, was geht dann wirklich in Dir vor?
Manchmal habe ich den Eindruck, in mir geht nicht so viel vor. Das ist oft so weit weg, dass ich es dann selbst nicht mehr wei├č.

Du vergisst Dich selbst, Deine eigenen Bed├╝rfnisse, Deine eigene Wirklichkeit und w├╝rdest etwas pr├Ąsentieren, was vor Dir selbst gut dasteht, oder was f├╝r den anderen gef├Ąllig ist?
Aber relativ spontan, ich ├╝berlege mir das nicht vorher, es ist nicht ausgedacht, sondern das entsteht einfach in mir.

Woher wei├čt Du, was einem anderen gef├Ąllt?
Ich checke das ab durch die Reaktion des Gegen├╝bers. Ich sp├╝re irgendwie, ob jemand auf etwas anspringt oder nicht. Ich wei├č nicht genau, woran ich das messe. Ich glaube, es ist eine Art von Energie, die ich sp├╝re, ob irgendwas l├Ąuft oder nicht l├Ąuft. Ich merke es oft daran, dass ich ein und dasselbe Thema unterschiedlich darstelle, je nachdem, mit wem ich das bespreche, leicht ver├Ąndert. Mit anderen Worten, anderer Betonung, einer anderen Wichtigkeit, einer anderen Zielsetzung. Jedes Thema ist so vielschichtig, da├č man sich daraus das herauspicken kann, was auf den anderen pa├čt.

Du akzentuierst ein Thema, je nachdem, was dem anderen wichtig ist?
Es ist nie wirklich gelogen, aber es immer so wie ein bisschen frisiert, wie geschminkt.

Wir sagen ja von den Zweien, dass Ihr unterschiedlichen Leuten unterschiedliche Bilder von Euch vermittelt. Ist es das?
Ja, genau.

Warum machst Du das?
Die Absicht ist, mit dem anderen zusammenzusein, sich nicht als eigene Person abzugrenzen und im und durch den anderen Lebendigkeit zu sp├╝ren. Beziehung ist wichtig, Kontakt, N├Ąhe mit dem anderen, und nicht weit auf Distanz zu gehen. Ich werde dann lebendig und es f├╝hlt sich irgendwie auch sicher an.

Und wenn Du Distanz h├Ąttest oder f├╝r Dich w├Ąrst ….?
Dann…ich wei├č nicht genau…. dann ist das alles pl├Âtzlich nicht mehr wichtig. Es ist f├╝r mich fast gar nicht m├Âglich, ein Thema wichtiger zu finden als diese Person. Die Person hat immer Top-Priorit├Ąt und dann ist mir das Thema irgendwie unwichtig. Es ist mir gef├╝hlsm├Ą├čig unverst├Ąndlich, wie ein Thema oder eine ├ťberzeugung so wichtig sein kann. Inhalte, Worte, Diskussionen haben f├╝r mich eine andere Funktion wie f├╝r andere Menschen.

Diese Funktion der Bindung, des Kontakt Habens, des Nahekommens?
Im Grunde ist es egal, was gesprochen wird, Hauptsache es bietet Beziehung. Ob man sich ├╝ber das Wetter unterh├Ąlt oder ├╝ber Psychologie oder das Enneagramm, oder wei├č der Kuckuck, ist egal, die Beziehung hat Vorrang.

Wie machst Du dich unersetzlich?
Ich baue mich so sehr in das Leben der anderen mit ein, dass die meine Hilfe und Sorge einfordern. Zum Beispiel mit den Kindern ist es so: da gibt es das Ritual des zu Bett Bringens und das fordern sie dann auch ein.

Dein Tag besteht wohl dann aus W├╝nschen und Forderungen an Dich?
Ja, aus Forderungen, die ich aber zum Teil selbst baue, indem ich Dinge f├╝r andere tue, an die die sich dann gew├Âhnen und die sie dann auch einfordern, weil ich alles auch so gestalte, dass es ihnen gef├Ąllt. Ich f├╝hle mich dadurch nat├╝rlich zwischendurch auch belastet, dann kriege ich meinen Drang nach Freiheit und will nichts mehr wissen von dem allem, aber erstmal baue ich das auf, um wichtig zu sein, um eingebunden zu sein in das Leben. Und um f├╝r das Leben Energie zu haben. F├╝r mich selbst, da habe ich nicht so viel Energie.

Die W├╝nsche und Forderungen der Menschen geben Dir eher Energie, als dass sie Energie kosten?
Ja, das bringt mich zum Laufen. Ich kann v├Âllig schlapp und m├╝de irgendwo rumh├Ąngen und dann kommt irgendjemand und will was, dann bin ich hellwach. Wie wenn da Energie ├╝berspringt.

Wie wichtig ist Dir Anerkennung?
Da w├╝rde ich immer zuerst sagen: “ Es ist mir nicht so wichtig „. Das stimmt aber nicht. Ich merke das daran, wenn ich kritisiert werde. Wenn ich merke, dass jemand etwas an mir schlecht findet, dann setze ich alles m├Âgliche in Bewegung, um diese Meinung wieder umzudrehen. Anerkennung und Akzeptiertwerden ist irgendwie f├╝r mich der Normalfall, weil ich ja so viel tue f├╝r andere. Wenn das kommt, nehme ich das eher f├╝r selbstverst├Ąndlich. Wenn es nicht kommt, werde ich ├Ąrgerlich. Ich finde das dann ungerecht und bl├Âd und kann dann auch mal auf jemanden schimpfen. Oder aber ich versuche, es wieder gut zu machen, um diese Anerkennung zur├╝ckzuerhalten, um mich anerkannt zu f├╝hlen.

Wie wichtig ist Dir die Dankbarkeit der anderen?
Nicht so sehr Dankbarkeit. Wichtig ist mir eher zu wissen, dass ich gefragt bin, dass ich nicht ├╝bersehen werde, da├č ich irgendwie eine Rolle im Leben des anderen spiele. Ein Dank f├╝hlt sich au├čerdem eher so an wie ein Abschlu├č, wie wenn man sich f├╝r irgendeine T├Ątigkeit bedanken w├╝rde, Danke und Tsch├╝├č, obwohl ich doch hoffte, in Deinem Leben eine fortgesetzte Rolle zu spielen. Au├čerdem ist mit inzwischen auch sehr wohl bewu├čt, da├č ich das auch f├╝r mich selbst tue. Also gedankt zu bekommen, das sch├╝ttelt mich ein bi├čchen.

Wie ist es f├╝r Dich, von anderen Menschen etwas zu bekommen?
Das war fr├╝her sicherlich schwieriger, heute ist es nicht mehr so schwierig. Aber es war ein Proze├č dahin. Jemand anderen f├╝r mich etwas tun zu lassen und darauf zu vertrauen, da├č er mir etwas Gutes tut, nicht immer alles selbst in die Hand nehmen zu wollen, das war ein Proze├č. Ich mache lieber alles selbst.

Warum? Was ist der Hintergrund davon?
Fr├╝her h├Ątte ich gesagt, da├č ich nicht darauf vertraut habe, dass sich irgendjemand um mich auch k├╝mmern will. Inzwischen denke ich auch, um die anderen so ein St├╝ck in der Unselbstst├Ąndigkeit zu lassen, um selbst wichtig zu sein und zu bleiben. Wir nennen die Nr. 2 auch den/die HelferIn.

Kannst du etwas zum Stichwort “ Helfen „sagen?
Helfen bedeutet f├╝r mich einzuspringen, wenn irgendwo Not am Mann ist. Wenn zum Beispiel an meiner Arbeitsstelle jemand ausf├Ąllt, springe ich dann schon mal ein, das ist recht leicht, es f├╝hlt sich f├╝r mich an wie ein Sog: da kommt jemand mit einem Anliegen, einem Bed├╝rfnis oder einem Problem. Anstatt es dann so zu regeln, dass die anderen es unter sich ausmachen, springe ich lieber selbst hinein und tue Dinge, die eigentlich gar nicht unbedingt mein Job sind. Ich mache das aber, um den anderen zu helfen und beizustehen. Es ist dann auch f├╝r mich schwierig, Nein zu sagen. Nein zu sagen, wenn jemand etwas von mir will, das ist furchtbar. Obwohl ich oft lange vorher wei├č, dass ich das eigentlich nicht will, mu├č ich mir immer wieder vorher “ Nein “ vorsagen, damit ich dann wirklich auch Nein sagen kann.

Was ist die Bef├╝rchtung?
An der Oberfl├Ąche ist die Bef├╝rchtung, es anderen nicht recht zu machen. Ich denke immer, ich m├╝├čte es anderen recht machen und es f├╝hlt sich wie Schuld an, es jemandem nicht recht zu machen. Die darunterliegende Bef├╝rchtung ist sicherlich auch, da├č, wenn ich gefragt bin, etwas zu tun, und es dann ablehne, da├č ich nicht mehr gefragt werden w├╝rde, da├č ich ein f├╝r alle Mal out bin.

Das klingt wie eine Kette: “ Ich sage Nein — ich werde nicht mehr gefragt — ich bin nicht mehr gefragt— und damit ist auch irgendwie der zentrale Grund f├╝r mein Dasein in Frage gestellt?
Wenn ich mich nicht bem├╝he, dann vergi├čt mich die Welt. Ich verliere irgendwie den Boden unter den F├╝├čen . Es f├╝hlt sich dann gleich an wie ewige Einsamkeit, schon bei ganz kleinen Dingen. Es f├╝hlt sich auch an, als d├╝rfte ich das nicht, als h├Ątte ich da kein Recht dazu einfach zu sagen“ ich will das nicht, das interessiert mich gar nicht “ .

Du hast vorhin das Wort “ Freiheit „. Welche Rolle spielt Freiheitsdrang in Deinem Leben?
Das kommt, wenn ich mich v├Âllig ├╝berlastet f├╝hle, wenn ich mir soviel aufgeladen habe, da├č nichts mehr funktioniert, weil der Tag so viele Stunden nicht hat. Dann kommt so ein Gef├╝hl wie “ Ich will von Euch allen nichts mehr wissen, ich will Euch nicht mehr sehen, will nichts mehr h├Âren, ich will nur noch machen was ich will.“

Das kann dann eine gewisse Sch├Ąrfe bekommen und von au├čen paradoxerweise so aussehen, wie wenn au├čer Deinen Bed├╝rfnissen gar nichts mehr z├Ąhlt ( Stressrichtung Nr. 8).
Es ist dann irgendwie gegen die anderen gerichtet. Manchmal tue ich dann abstruse Dinge, wie urpl├Âtzlich im Winter reiten zu gehen und mir eine Lungenentz├╝ndung zu holen. Ich meine dann, dass ich unbedingt meinen Willen durchdr├╝cken m├╝├čte, auch wenn eigentlich klar ist, da├č es Unsinn ist oder jeder dagegen ist. Das mu├č dann einfach sein. Und dabei ├╝bergehe ich auch meine eigenen subtileren Bed├╝rfnisse. Es ist dann so :“ Und das will ich nicht, und das will ich nicht, und ich wollte das ├╝berhaupt noch nie und jetzt mache ich nur noch, was ich will.“ Und das kriegt dann jeder ab, der ├╝berhaupt nur in meine N├Ąhe kommt.

Es bekommt so eine Sch├Ąrfe, weil ich nicht in Kontakt mit meinen Bed├╝rfnissen und gleichzeitig in Verbindung mit den anderen Menschen bleiben kann. Ich mu├č mich dann v├Âllig abschneiden von der Beziehung und das Gef├╝hl von Bindung v├Âllig ausblenden, und das wirkt dann recht krass und im Widerspruch zu meinem sonstigen Verhalten. Es h├Ąlt auch nicht lange an, weil dann die Panik kommt: “ Oh je, jetzt habe ich Dich verletzt, mich unm├Âglich benommen, jetzt wollen die mich nicht mehr“ .

Welche Bedeutung haben Gef├╝hle f├╝r Dich?
Sie entscheiden ├╝ber mein Leben.

Wie ist das zu verstehen?
Gef├╝hle, da meine ich nicht nur zwischenmenschliche Gef├╝hle, sondern einfach auch, was ich f├╝r ein Gef├╝hl zu einer T├Ątigkeit habe. Heute hatte ich zum Beispiel einen freien Tag, da hatten wir ein Picknick geplant, und ich hatte so ein Gef├╝hl :“ Ich mach┬┤ das „. Es war v├Âllig unvern├╝nftig, weil ein Gewitter am Himmel war, aber es war klar, nach meinem Gef├╝hl wird das jetzt gemacht. Da n├╝tzt es nichts, irgendwelche vern├╝nftigen Argumente zu haben, sondern das Gef├╝hl entscheidet. Ich will auch keine Planung, sondern alles m├Âglichst chaotisch haben, damit ich nach meinem Gef├╝hl gehen kann. Meine Entscheidungen laufen nach Gef├╝hl, wie ich grad drauf bin. Einen Plan zu verwirklichen, wenn mir meine Stimmung dazwischenkommt, das l├Ąuft nicht. Und ich habe die Vorstellung, da├č mein Gef├╝hl nie fehl geht.

Steuern wir mal die “ dunkle Seite “ an und sprechen ├╝ber Schmeichelei und Stolz, die Fixierungen der Nr.2. K├Ânntest Du dazu etwas sagen?
Schmeichelei hat damit zu tun, es dem anderen Recht zu machen und gef├Ąllig zu sein. Das hat nicht so sehr damit zu tun, da├č man den anderen lobt, wie toll man den findet. Ich stelle mich vielmehr mit meinen Themen auf den anderen ein und schmeichle somit seiner Welt.

Du stellst Dich auf die Welt des Gegen├╝bers ein und dadurch f├╝hlt er/sie sich gut?
Genau, dadurch f├╝hlen sich die Leute best├Ątigt und geschmeichelt. Und ich sehe oft die negative Seite von Menschen nicht. Ich bin da auf eine Art sehr naiv. Ich sehe die Seite, die mich fasziniert. Es gibt immer irgendetwas. Mi├čtrauen dagegen ist mir ziemlich fremd. Ich schmeichle eher den Leuten mit meiner gesamten Einstellung und blende da einen Teil aus.

Und w├╝rdest Du das mit jeder Person machen, die du triffst?
Wenn ich eng mit jemandem im Kontakt bin, zu zweit, da mache ich das, glaube ich, fast mit jedem. In einer Gruppe ist das anders. Da suche ich mir die aus, die nach meinem Gef├╝hl zu mir passen oder mir gefallen.Und dann kann ich auch, um mich dieser Gruppe, die mir gef├Ąllt, angeschlossen zu f├╝hlen, von anderen eher abgrenzen.

Es k├Ąme Dir also nicht darauf an, dass die ganze Gruppe sich wohlf├╝hlt, im Gegensatz zur Nr. 9?
Nein. Es sind immer Einzelne, zu denen mir der Kontakt wichtig ist. Bei anderen kann es sein, dass ich sie gar nicht bemerke. Die fallen dann so ein bi├čchen neben herunter. Die sehen mich dann als arrogant und unnahbar, das bin ich dann auch, glaube ich. Meine Aufmerksamkeit geht nicht ├╝berall hin.

Wie bist Du stolz?
Viele sagen mir, ich wirke arrogant und hochn├Ąsig. Ich glaube, das geh├Ârt mit zu diesem Stolz, so durch die Welt zu laufen: “ Mir kann niemand was, ich krieg das alles hin, ich kann es besser und schneller als die anderen.“

Liegt Stolz auch in der F├Ąhigkeit, anderer Leute Bed├╝rfnisse zu erf├╝llen?
Stolz hat damit zu tun, gebraucht zu werden, gefragt zu sein, mich selbst geschmeichelt zu f├╝hlen, wenn andere etwas von mir wollen. Fr├╝her hatte es au├čerdem den Aspekt mit M├Ąnnern, da├č ich mir sicher war, es hinzukriegen, da├č die eine Beziehung zu mir wollten. Oder auf andere so eingehen zu k├Ânnen, da├č die unweigerlich gut von mir denken, mich f├╝r kompetent halten, f├╝r vertrauensw├╝rdig und all solche Sachen. Da├č ich in einem guten Licht dastehen kann. Das macht stolz.

Ein anderer Aspekt von Stolz k├Ânnte aufkommen, wenn Du fragen mu├čt, wenn Du etwas brauchst f├╝r Dich. Wie bist du dann?
Das w├╝rde ich nicht tun. Dann m├╝├čte ich zugeben, dass ich irgendetwas selber nicht hinkriege. Ein h├Ąufiger Spruch von mir fr├╝her war: „Ich brauch┬┤ Dich nicht, bleib da, aber ich brauch┬┤ Dich nicht“. Ich bin zu stolz, auch was zu kriegen. Ich habe auch manchmal ein bi├čchen ein “ Prinzessin auf der Erbse“ – Gehabe. Einerseits tu ich in einer engen Beziehung sehr viel f├╝r Dich, aber dann geh auch achtungsvoll mit mir um. Es geht mir nicht um ein Gef├╝hl von Dankbarkeit, aber ich will so ein bi├čchen wie eine Prinzessin behandelt werden. Ich die gr├Â├čere und der andere der kleinere.

Wie spielen einige dieser Themen in Partnerschaften hinein?
Das Thema, dass Bed├╝rfnisse von anderen einen hohen Wert bekommen, kann f├╝r die Partnerschaft ziemlich schwierig werden , weil jeder, der kommt, diesen Wert bekommt, nur der eigene Partner bekommt oft diesen Wert nicht, weil er ja schon da ist. Sobald ich zu jemandem einen vertrauensvollen Kontakt habe, mache ich weniger f├╝r ihn, und es sieht dann so aus, als w├Ąre er f├╝r mich nicht wichtig. Mein Partner sagt mir dann: “ Du l├Ą├čt mich fallen, du l├Ą├čt mich einfach pl├Âtzlich fallen „.

Diejenigen, zu denen der Kontakt gef├Ąhrdet ist oder noch nicht sicher ist, bekommen Deine Aufmerksamkeit , w├Ąhrend der Partner sich um Dich k├╝mmern soll und dieses Umworbenwerden und Umschmeicheltwerden verliert ?
….. der soll einfach selbstverst├Ąndlich da sein. Der kriegt pl├Âtzlich alle Anspr├╝che ab, die ich habe und er soll sie Anspr├╝che auch mehr erraten, ich verrate sie h├Ąufig nicht. Nat├╝rlich bekomme ich dann das Gef├╝hl :“ Ich komm┬┤ total zu kurz „. Das liegt nat├╝rlich daran, da├č ich selbst nichts sage und dann denke: “ Du h├Ârst mir ja gar nicht zu, Du interessierst Dich ja gar nicht f├╝r mich.“ Und der Hintergrund ist, ich interessiere mich ja f├╝r mich selbst nicht und werfe es dann dem anderen vor. Oder ich sage: Du nimmst mich nicht ernst und mein Partner sagt: “ Wie soll ich Dich ernst nehmen, wenn Du mir nichts sagst „. Dann kommt es auch, da├č ich von der Beziehung nichts mehr wissen will und mich davon abschneide. Sobald aber die Beziehung so halb den Bach runter ist, dann f├Ąngt die Aktivit├Ąt daf├╝r wieder an. Der andere k├Ânnte ja gehen. Dann wird es wieder spannend. Das kann Jahre so gehen.

Wie geht man in der Partnerschaft gut mit Euch um?
In der Partnerschaft ist es mir ganz wichtig, das Gef├╝hl zu bekommen, dass ich gemocht werde, ohne etwas daf├╝r tun zu m├╝ssen. Es ber├╝hrt mich richtig, wenn das einmal passiert, ohne dass ich ├╝berhaupt daran gedacht habe. Zum Beispiel, wenn ich am Duschen bin, wenn dann irgendeine Art von Zuneigung kommt, wenn es sich ├╝berhaupt nicht auf mein Tun, oder auf mein Zuh├Âren oder was beziehen kann, sondern einfach nur auf mein Dasein.

Wenn Du es nicht hervorgerufen haben kannst ? Man muss Dich sozusagen auf Schleichwegen erwischen, es darf sich nicht auf eine Handlung oder Hilfeleistung oder Schmeichelei von Dir beziehen?
Ja, am besten ist es, wenn ich die Aufmerksamkeit nicht auf dem Anderen hab, und dann kommt pl├Âtzlich Zuwendung. Dann bin ich aber meistens erstmal erstaunt, und sage: “ Was soll das jetzt ?“. Ich kann es zuerst nicht annehmen. Aber dann zu bemerken, das passiert jetzt nur, weil es mich gibt, das ist gut, das finde ich sch├Ân.

Wichtig ist auch, dass der Partner die Instabilit├Ąt, dieses Handeln nach Gef├╝hl, heute so und morgen so, nicht ├╝berbewertet. Ich mag es, wenn der Partner dann seine Linie weiterf├Ąhrt, seine Meinung beibeh├Ąlt und sich nicht von meinem Hin-und Her-Schwanken irritieren l├Ą├čt.

Es ist au├čerdem wichtig, der Nr. 2 zwischendurch mal die Aktivit├Ąt abzunehmen und das Bed├╝rfnis ├Ąu├čern, einfach ein paar sch├Âne Stunden mit ihr zu verbringen, wo sich die Zwei ausruhen kann.

Au├čerdem mu├č der Partner wissen, da├č die Nr. 2 Panik bekommt, wenn man ihr zu nahe kommt. Hinter alle diesem Getue und Gemache f├╝r andere steckt n├Ąmlich, nicht entdeckt werden zu wollen und es f├╝hlt sich dann ganz furchtbar an, wenn mir jemand zu nahe kommt. Wenn sich jemand aufrichtig f├╝r mich interessiert, dann kommt so eine Trotzmauer hoch, da lass ich ihn nicht durch, weil ich entdeckt werden k├Ânnte. Weil entdeckt werden k├Ânnte, dass ich nichts tauge, da├č da nichts dahinter ist, da├č es nur ein gro├čes Spiel ist, da├č da jemand Kleines und Trauriges dahintersteckt. Manchmal, glaube ich, rutsche ich in Typ Nr.4, in ruhigen und entspannten Situationen. Ich sch├Ąme mich dann manchmal so und denke, der andere mag mich ganz sicher nicht. Das Sch├Ąmen kommt ganz stark. Es k├Ânnte entdeckt werden, da├č das alles gar nicht so toll ist mit mir.

Derjenige, der Dir wirklich nahe kommt, w├╝rde sozusagen Deinen Stolz verletzen, weil er sieht, dass du menschlich bist, nicht alles im Griff hast, dass du nicht nur so toll bist, wie Du dastehen m├Âchtest?
Ja, dass ich schwach bin. Dass ich mich eigentlich nicht stark f├╝hle, sondern dass diese St├Ąrke der Schutz ist. Das ist schwer.

Hat dieses Gef├╝hl etwas mit Demut ( h├Âherer emotionaler Aspekt ) zu tun oder wie w├╝rdest Du dieses Wort f├╝llen?
Demut hat f├╝r mich etwas damit zu tun, nicht aufgeblasen durch die Gegend zu laufen. Auch damit, die beiden Seiten, was an mir in Ordnung und was nicht in Ordnung ist, zu integrieren. Auch damit, zugeben zu k├Ânnen, da├č ich etwas nicht kann. Und haupts├Ąchlich damit, auch solche Lebensereignisse, Gedanken und Gef├╝hle zu sagen, die niemandem imponieren sollen. Sie einfach zu sagen, weil sie da sind.

Wenn Du Gedanken oder Gef├╝hle sagst, weil sie da sind und nicht, weil Du damit Eindruck machen m├Âchtest?
Wenn ich ├╝ber irgendetwas erz├Ąhle, weil es mich gerade besch├Ąftigt, obwohl es niemanden interessiert, niemand danach gefragt hat, einfach so, auch ohne eine besondere Reaktion zu erwarten oder sie mitzusteuern, einfach wegen des Bed├╝rfnisses etwas mitzuteilen. Einfach, weil es aus mir kommt. Es braucht auch keine riesige Wichtigkeit zu haben. In letzter Zeit merke ich, dass ich h├Ąufiger als fr├╝her einfach mal was erz├Ąhle, ohne vorher abgecheckt zu haben, ob es jemanden interessiert, und das f├╝hlt sich ganz neu an. Es f├╝hlt sich so an, als w├Ąre ich da, als w├╝rde es mich geben.

Was hat Dir geholfen, an diesen Punkt zu gelangen?
Wichtig ist immer noch, zwischendurch einfach Zeit zu haben, allein zu sein, sodass Dinge, mit denen ich mich besch├Ąftige, die mir was ausmachen, die mich irgendwie bewegen, ├╝berhaupt erstmal aufsteigen k├Ânnen. Um dieses Alleinsein k├Ąmpfe ich. In diesem Alleinsein kommt dann erst einmal eine Leere, da bin ich orientierungslos, habe keine Ahnung, wo es eigentlich hingeht. Da ist absolut nichts, es ist dumpf, ich sinke dann immer mehr und mehr ab. Dann kommt so langsam eine Traurigkeit, ich wei├č ├╝berhaupt nicht, wo es langgeht, und ich will vielleicht gar nicht leben. Aber dann irgendwann, wenn es mehr und mehr auf den Grund geht, kommen andere Worte dazu, und dann formulieren sich eigene Gedanken.

Und die willst Du dann mitteilen?
Nein. Es ist vielmehr so, da├č sie sich mitteilen und ich mich Ihnen ├╝berlasse. Und es ist dann sehr sch├Ân, da├č ich mich irgendwie ├╝berlassen kann.Das ist nicht dramatisch, es ist ganz gew├Âhnlich. Nichts besonderes. Einfach ohne Absicht. Einfach nur, weil es mich besch├Ąftigt.

Ich w├╝rde das f├╝r ein Beispiel von “ h├Âherem Willen “ ( h├Âherer mentaler Aspekt ) halten. Nicht ich mache es, sondern es passiert. Und ich folge dem, was passiert. W├╝rdest Du das auch so sehen?
Das Thema “ h├Âherer Wille “ ist schwierig, weil das bei mir ganz schnell in dieses Stolz-Thema hineinschnappt.

Wie k├Ânnte man Stolz mit h├Âherem Willen verwechseln?
Das geht wahnsinnig schnell. Ich ertappe mich immer noch dabei. Fr├╝her war das ganz schlimm. Da habe ich grandioserweise immer gedacht: “ Ich bin eigentlich kein Mensch, sondern ein Engel „. Irgendwie geh├Âre ich nicht hierher, ich gehorche einem h├Âheren Willen. Es war eine Form von Stolz.

Ich bin eine Abgesandte Gottes, nicht ganz menschlich?
Nicht ganz gew├Âhnlich. Und dann hat sich das mit der Zeit gewandelt in : “ Ich folge meinem inneren Kern oder einem inneren Gef├╝hl „, aber das sind verschiedene Verkleidungen derselben Sache, einfach nur anerkanntere W├Ârter. Ich habe das eine ganze Zeitlang gemacht „, bis ich gemerkt habe, dass ich das wieder nur getan habe, um meinem Stolz zu fr├Ânen, dass das nur ein sehr subtiler Trick war. Und deshalb hab ich meine Probleme mit dem “ H├Âheren Willen „. Ich denke manchmal “ Sei doch einfach nur ein normaler Mensch, dann wird es schon irgendwie klappen“ . Eine Ameise in diesem Haufen zu sein, die Zickzack l├Ąuft, verwirrt, ohne genau zu wissen wof├╝r. In diesem “ Ich wei├č nicht “ liegt f├╝r mich viel.

Was sind gute Entwicklungsrichtungen f├╝r Zweien und was k├Ânnte ihnen helfen?
Man sollte bemerken, wann man von jemandem gemocht wird. Ich bereue im Nachhinein sehr, das in meinem Leben nicht ├Âfter zugelassen zu haben, zu bemerken, dass ich jemandem wichtig war. Ich habe das oft verpasst, niemandem geglaubt, es nicht richtig angenommen. Ich habe es durch dieses selbst aktiv Sein, alles selbst in die Hand Nehmen oft total verpasst, dass ich eigentlich Zuwendung gekriegt habe.

Es ist auch wichtig zu verstehen, da├č man f├╝r Zuwendung nicht immer so viel tun muss. Dass man manchmal ganz still sein kann und warten. Und dass es von alleine kommt. Nicht immer nat├╝rlich. Es ist so wichtig zu sehen, dass man Zuwendung bekommt, ohne so viel daf├╝r zu tun und das dann nicht in Frage zu stellen oder abzutun. Das geht ja fast so weit, dass man jemanden, der einen mag, dann abwertet, weil er einem in die Falle gegangen ist. Anzunehmen, dass man f├╝r jemanden wirklich eine Bedeutung hat, das ist ganz schwer.

Ebenfalls hilfreich ist der Gedanke, dass man nicht so schnell alleine bleibt. Die Welt verl├Ąsst einen nicht von heute auf morgen. Man kann darauf vertrauen, dass sie noch da ist, auch wenn man sich einmal f├╝r ein paar Tage zur├╝ckzieht. Ich mu├č nicht unentwegt in Kontakt sein, selbst wenn ich mal f├╝r mich bin, bleibt die Welt und bleiben die Menschen noch da.