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Interview – Typ 8

Mit der Basiserfahrungen, dass die Welt ungerecht, gefährlich und hart ist, geht Typ 8 anders um als Typ 6 , der im Kopfzentrum angesiedelt ist. Typ 8 gehört zu den Bauchtypen,  vergrößert sich, seine Energie und sein Wut, bis er glauben kann: ich bin größer als die Gefahren und kann mich nun für eine gerechte Welt einsetzen. Er übersieht dabei, dass sie sich oftmals nur für ein vergangenes Unrecht rächt.

Die mündliche Tradition

Eingeleitet wird ein Interview nach der mündlichen Tradition typischerweise mit einer kurzen Geschichte (aus dem Leben) dieses Typs. Die Geschichten stammen aus der Feder eines Vertreters/Vetreterin dieses Typs,  sind also „typisch“. Deshalb kann es durchaus sein, dass manche Themen / Situationen Sie als Leser (überhaupt) nicht ansprechen  vielleicht sogar Verwunderung auslösen. Beim Lesen des Interviews „klärt“ sich das für Sie als Leser vielleicht auf.

Die Geschichte

Erinnere Dich an eine Zeit, wo Du klein warst, ein kleines, verletzliches Kind. Bemerke, wie klein sich Dein Körper anfühlt, Deine Hände, Deine Füße, wie klein Du bist.

Stelle Dir eine Situation vor, über die Du keine Kontrolle hast – wo Du ohne Einfluß, ohne Möglichkeiten bist – hilflos. Die Menschen um Dich herum erscheinen überwältigend machtvoll, verurteilend, unfair. Spüre ihre Anwesenheit, die Geräusche, die Töne, die von Ihnen ausgehen, auch ihren Geruch, ihre Energie.

Die Situation ruft Gefühle von Schmerz, Hilflosigkeit, Verletzlichkeit und Ärger hervor. Du bist total alleine, völlig auf Dich selbst gestellt. Du musst Dich um Dich selber kümmern. Es gibt keinen, der Dich gegen Verletzung und Übergrifflichkeiten schützen würde.

Höre, wie Du zu Dir selbst sagst: “Ich werde nie wieder zulassen, dass das passiert. Nie wieder werde ich mich in diese Lage bringen lassen. Ich muss die Kontrolle haben.” Und Du dehnst Dich aus, wirst größer als das Leben. Niemand darf bemerken, dass Du verletzlich bist oder Angst hast, und Deine Einstellung wird: “Ich brauche niemanden.”

Das Interview

Was an dieser Geschichte erscheint Dir vertraut oder typisch?
Vertraut ist erstens eine traurige Grundstimmung und das vom Vater nicht gesehen werden. Ich meine damit das echte Sehen, natürlich bin ich wahrgenommen worden und er hat mir Aufgaben gegeben oder ich hatte zu funktionieren oder musste tun, was er sagt. Und ich kann mich erinnern, dass ich mich relativ früh widersetzt habe. Ich wollte nicht nur ausführen, sondern ich wollte einen echten Kontakt haben.

Wo eine Nr. 9 mit einer ähnlichen Geschichte des Übersehenwerdens sich fortan unwichtig gefühlt hätte, hast Du Dich widersetzt, auch mit der Absicht “Ich möchte einen echten Kontakt haben”. Welche Form des Widersetzens hast Du gefunden?
In der Pubertät zum Beispiel war ich aufsässig, verbal unverschämt, vor allem auch vor Publikum.

Heißt das, dass Du ihn bloßgestellt hast?
Ja. Er ist selbst eine Nr. 8 gewesen, war also sehr autoritär, das hat mich natürlich noch mehr herausgefordert. Meine Rolle in der Familie ist die des schwarzen Schafes. Meine Schwester ist zwar auch in ihrer Form ausgeflippt, aber ich habe so die Grundwerte in Frage gestellt, auch die gesellschaftlichen Grundwerte, und war da aufmüpfig. Als ich mich zum Beispiel anfing, selbst zu kleiden, da war das gar nicht so bieder, das war recht bunt und für eine Kleinstadt sowieso schwierig. Bei mir hat man einfach das Widersetzen relativ stark gemerkt. In meiner Lehre hatte ich da zum Beispiel die Strategie, meinen Körper einfach abzustellen, wenn ich etwas anderes wollte als mein Vorgesetzter. Ich habe das sehr genial hingekriegt. Ich bin sozusagen aus meinem Körper ausgezogen und habe den einfach nur hingestellt. Mein Chef hat dann irgendwie bemerkt, dass er mich nicht mehr erreicht, hat dann nachfragen müssen, was los ist , und ich sagte ihm dann, was ich wollte (lacht). Er hat dann meistens nachgeben müssen, weil er wußte, ich stelle meinen Körper einfach ab, und er kann mit mir nichts anfangen.

Wie ist das aus Deiner Sicht repräsentativ für Typ Nr. 8?
Das mit dem Aussteigen aus meinem Körper, das kann ich gar nicht sagen. Ich weiß, dass ich das zwei Jahre lang einfach praktiziert habe. Wenn für mich ein wünschenswertes Ziel da war, dann habe ich das verbal oder nonverbal, aber sehr überzeugend zum Ausdruck gebracht.

Mit anderen Worten: es war leicht für Dich, Deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu spüren, und sie in einer drastischen, wirkungsvollen Form auszudrücken. Würdest Du das von allen Achten sagen: leichter Kontakt zu Bedürfnissen und wirkungsvolle Form, sie auszudrücken?
Ich denke schon. Ich glaube, eine Acht kann sich da nicht zurückhalten. Ob sie das jetzt in einer eher passiven Form, die aber doch sehr ausdrucksstark ist, wie eben geschildert, oder dass sie es verbal macht und den anderen schlichtweg niederbügelt, um das heißersehnte Ziel zu errreichen, da gibt es sicher unterschiedliche Formen.

… und allen gemeinsam ist, dass sie sehr durchsetzungsfähig sind?
Ja. Der Punkt ist, dass ein Impuls kommt und Du folgst dem Impuls, ohne dass Du überprüfst, ob es wirklich notwendig ist. Und dabei benutzt Du dein ganzes Umfeld. Es kann zum Beispiel sein, dass Du in der Gegend herumtelefonierst und versuchst, alle niederzureden, dass das jetzt sein muss, also das ist so wie ein unabwendbares Schicksal von solcher Wichtigkeit, dass Du oft von den anderen die Unterstützung auch kriegst. Das halte ich für eine große Stärke der Nr. 8, dass sie die anderen begeistern kann für ihre Ziele.

Woran noch würde jemand erkennen können, dass er oder sie eine Nr. 8 ist?
Wenn eine Nr.8 in einen Raum kommt, dann hat sie sicher eine sehr hohe Präsenz und Energie. Man kann Achten und sich selbst als Nr. 8 an der Energie, am Körperausdruck erkennen. Sie ist sehr präsent und gespannt, je nachdem, wie die Situation ist. So wie die Katze auf dem Sprung, selbst wenn sie nur herumzustehen scheint und schaut, was in dem Laden so läuft.

Daran würden andere erkennen können, dass jemand eine Nr. 8 ist, aber wie merkt man das selber?
Ich kann dieses Gefühl, Energie nach außen hin zu versprühen, auch innerlich selbst wahrnehmen und herstellen. Außerdem können wir unsere Energie größer und kleiner machen, je nachdem, was unser Anliegen im Raum ist. Wenn die Nr.8 ein direktes, wichtiges Anliegen hat, dann checkt sie die Energie der Leute, mit denen sie in Kontakt kommt, ungefähr ab.Wenn sie dabei bemerkt, dass da Menschen darunter sind, die nicht so viel Energie haben, dann kann sie die Energie etwas erhöhen, sie kann sich dann quasi ausdehnen.

Erhöht die Nr. 8 dann ihre eigene Energie oder die Energie der Leute, die so reduziert sind, oder beides?
Nein, sie erhöht ihre Energie, sie kann sich quasi ausbreiten, ohne dass Du das merkst. Die Anderen stehen dann mit dem Rücken schon zur Wand, aber Du kannst es nicht nachweisen, das geht alles unsichtbar. Die Achten selbst könnten wissen, dass sie das tun, andere durch das Ausdehnen ihrer Präsenz und Energie zu steuern, aber sie sind sich nicht direkt bewußt, wenn sie es nicht reflektiert haben, dass es auch mit Manipulation zu tun hat, mit der Frage: ” Wie manipuliere ich eine Situation?”

Wie würde also eine naive Nr. 8 das beschreiben, die nicht weiß, dass sie mit energetischer Expansion manipuliert?
Sie sieht schlichtweg nur sich und ihr Anliegen und ist von ihrem Anliegen überzeugt und kann sich gar nicht vorstellen, dass es außer ihrem Weltbild noch viele andere Weltbilder gibt. Sie verwechselt ihre Welt mit dem Rest der Welt.

Meine Wahrheit ist die Wahrheit schlechthin?
Ja, die des gesamten Planeten (lacht).

Woran noch könnte jemand merken, dass sie eine Nr. 8 ist?
Daran, dass sie in einer Auseinandersetzung auf ihrer Sicht beharrt und dann relativ eng wird. Außerdem an der Beharrlichkeit, dass sie oft nicht locker läßt und auch nicht soviele andere Eindrücke oder neue Perspektiven in sich rein läßt. Eigentlich ist sie ein bißchen vernagelt, weil nur ihre Welt gelten darf.

Ist die Energierichtung der Nr. 8 dann mehr eine Bewegung von innen nach außen als von außen nach innen?
Mehr von innen nach außen, das Außen wird nur beobachtet zum Abchecken und Abschotten, damit ich es im Griff habe, unter Kontrolle.

Wie ist Kontrolle und Macht wichtig?
Es geht darum, die Oberhand zu behalten, deswegen kann von außen auch nichts herein. Du kontrollierst die Situation und guckst, was Dein Gegner nun wieder einwirft, dann versuchst Du natürlich schneller zu sein als er. Du versuchst natürlich auch, seine Weichstellen herauszukriegen und zwischendurch draufzuklopfen, wie ein Tier, das auf Jagd ist und sein Revier verteidigt.

Und warum ist es aus der Perspektive der Nr. 8 wichtig, die Oberhand zu behalten?
Ich kann mir heute vorstellen, dass das mit der Machtlosigkeit als Kind zu tun hat. Mit dem Ausgeliefertsein, und der totalen Schwäche. Wir haben die Schwäche umgedreht und Stärke vorgegeben. Wie Du gesehen hast, rege ich mich gerne auf über meinen Vater, was er mit mir gemacht hat. Es gab aber eine Situation, in der es bei mir Klick gemacht hat darüber, was ich eigentlich mit Menschen mache. Zu meiner hitzigen Zeit hatte ich einmal eine Auseinandersetzung mit Kollegen gehabt. Die habe ich mir immer gerne vorgeknöpft, und ich merke, wie ich gerade einen fertigmache. Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich das, was ich als Kind so gehaßt habe, nun selber mache mit einem anderen.

Ihn in eine hilflose Position zu bringen?
Für mich war es ganz schockierend, dass ich wie ein Wiederholungstäter bin, dass ich also nicht besser bin.

Das scheint mir eine ganz wichtige Wahrnehmung in Deiner Entwicklung zu sein. Wie hast Du das so lange vor Dir geheimhalten können? Mit welcher Idealisierung Deiner selbst hast Du das vor Dir verborgen?
Im Beruf zum Beispiel war ich natürlich immer unterwegs mit der Fahne “sich einsetzen für die Schwachen “, die sich nicht zu Wort gemeldet haben, oder die ich unterstützen wollte. Ich hatte auch eine Phase, in der ich die seelische Notstelle für andere war. Es konnte sein, dass ich abends mit den Männern saufen ging, und irgendwann nachts, wenn das Telefon ging, war irgendein menschliches Chaos, was Unterstützung brauchte, und ich war die Anlaufstelle dafür. Auch für wildfremde Leute, mit denen ich gar nichts zu tun hatte. Zum Beispiel kam auf einmal eine Kollegin mitten in der Nacht, die Ärger hatte daheim und verprügelt wurde. Es war völlig klar, dass ich das zweite Bett mache, und sie hat dann auf meinen 28 Quadratmetern mit Hund vier Wochen mitgelebt, das ging dann auch.

In Bezug auf das Thema Gerechtigkeit habe ich später festgestellt, dass ich mich damit, dass ich vorgebe, mich für Schwache einzusetzen, eigentlich nur an meinem Vater rächen will. Unter der Gerechtigkeit liegt eigentlich etwas ganz anderes, nämlich die Rache (mentale Fixierung).

Aber es ist irgendwie immer die Rache an den ursprünglichen Tätern. Du maskierst Dich selbst als eine gerechte Person, aber die eigentliche Motivation ist Rache.
Ja, dabei gibst Du etwas ganz Soziales vor.

Kannst Du etwas über die Konfrontationsbereitschaft der Nr. 8 sagen?
Ja. Ich habe nie gedacht, dass Streiten unanständig ist. Auch Lautwerden, auf Konfrontation gehen, das war für mich immer in Ordnung. Dazu kam, dass ich in jüngeren Jahren bei den Männern sehr angekommen bin, und ich habe auch mein Äußeres als Waffe benutzt, das war so eine erotische Aggressivität. Die Männer, zum Beispiel Vorgesetzte, fühlten sich davon sehr angezogen, einerseits, das war dann auch widersprüchlich. Ich habe jedenfalls mein Aussehen bewußt genutzt, musste mich aber auch mit meiner Aggressivität nicht einschränken, weil das dem Gegenüber irgendwie Angst und Lust verschafft hat.

Wir haben nun einige der zentralen Themen angesprochen. Wie wirken sich diese, zum Beispiel die Leidenschaften Rache und Exzess, in der Partnerschaft aus?
Das ist schwierig zu beantworten, weil ich nie mit jemandem zusammengelebt habe. Ich war lange mit jemandem befreundet, einem verheiratetem Mann. Am Anfang hatte ich es darauf angelegt, dass er sich trennen sollte, dann habe ich gemerkt, dass ich das eigentlich gar nicht will. Wenn er sich trennen würde, dann würde er beginnen, mich zu kontrollieren. Er hätte dann nichts besseres gewußt als mich sofort zu beschneiden, was ich alles nicht mehr tun darf und was sich nicht gehört.

Und das Treibende scheint mir wiederum, dass Du Dir Deine Impulse nicht beschränken lassen wolltest. Und in Freundschaften oder in Arbeitsbeziehungen, wie würden sich die Achterthemen da auswirken?
Am Anfang meines Arbeitslebens hatte ich ein paar Kollegen, die haben mit mir gerne gearbeitet, aber es war ein unbewußter Handel : ” Ich laß´ mich von Dir dominieren, dafür machst Du mir einen gutes Projekt. Ein anderer hat mal geäußert : ” Mit Ihnen würde ich nicht vier Wochen arbeiten, weil ich mich nicht vier Wochen unterdrücken lassen will “. Er war, glaube ich, eine Nr. 5. In Arbeitsbeziehungen war ich früher sicher immer sehr dominant. Interessanterweise ist an meinem Arbeitsplatz der Chef hierachisch über mir, ist aber komplett von meinem Wohlwollen und meinem Einsatz abhängig.

Wenn die anderen sich dann beschweren, unterdrückt und dominiert zu werden, dann heißt das ja auch, dass sich die Hierarchie umgekehrt hat?
Ja, die habe ich immer umgedreht, das habe ich schon recht früh gemacht.

Kann man das vielleicht generell als Anzeichen von Nr. 8 sehen, dass ihr Hierarchien umdreht, nicht umsonst nennen wir Euch den “Boß”?
Ja, ich hatte viele Auseinandersetzungen mit meinem Chef, weil ich ihn immer zu meinem Angestellten machen wollte, das konnte natürlich nicht gut gehen. Ich habe mich auch nie geniert, Vorgesetzte zu belehren. Ich habe oft von unten nach oben regiert, mich gleichwertig gefühlt, eher ein bißchen größenwahnsinnig. Wenn ich mich sehr geärgert habe, habe ich das sogar schriftlich gemacht, und sie so gezwungen zu handeln, wo sie sich doch lieber aufregen wollten als handeln.

Was wäre ein guter Rat für Kollegen oder Chefs einer Nr. 8?
Zunächst einmal ist wichtig, die Nr.8 ein bisschen ausagieren zu lassen, damit sie ihre Energie, die sie nicht zurückhalten kann, ein bisschen losbekommt. Erst dann ansetzen, wenn sie ihre Energie ein bisschen versprüht hat.

Und dann wie ansetzen?
Auf jeden Fall nicht belehrend, weil sie das selbst schon macht. Für die Nr. 8 ist Ehrlichkeit wichtig. Unter der Voraussetzung der Ehrlichkeit kann die Art, wie Du mit ihr umgehst, ganz unterschiedlich sein. Die Nr. 8 klopft den anderen ab, ob er es ehrlich meint, das kann dann auch unzulänglich sein. Aber wenn die Nr. 8 merkt, dass der andere sich Hintertürchen freilässt, dann schlägt die sie rein.

Und warum ist es so wichtig, dass wir ehrlich sind?
Wenn der andere ehrlich ist, kann ich einen Teil meiner Kontrolle ein bisschen abgeben. Sonst bin ich ja immer mit Kontrolle beschäftigt und muss ausklügeln, dass ich einen Schritt vor dem anderen bin. Ich kann meine Abwehrmechanismen dann ein bisschen entspannen. Und dann kann auch eine wirklich ehrliche Begegnung stattfinden, wo eine Nr. 8 auch den anderen anhört.

Ein guter Hinweis für Arbeitsbeziehungen, aber ich glaube auch für Freundschaftsbeziehungen?
Die Nr. 8 macht da, glaube ich, eh keinen Unterschied privat/ Arbeit, weder bei der Arbeit, noch wenn sie Spaß hat. Wenn ich als Acht im Beruf nicht auf meine Kosten komme mit meinem Lustgefühl, dann war das früher für mich eine Katastrophe. Wenn ich nicht auf meinen Lustgewinn, auf meine Befriedigung, auf die Reize komme, das war eine totale Katastrophe für mich. Ich fühle mich dann wie tot, ein Alptraum, jeden Tag stumpfsinnig ins Geschäft zu gehen.

Und was hast Du dann gemacht, wenn es stumpfsinnig geworden ist?
Ich habe dann immer wieder Streit angefangen. Das bietet sich ja immer an, wenn man das Umfeld kontrolliert, kann man immer mit irgendeinem Streit anfangen, oder im Vorbeigehen kann man ein bisschen verbal auf jemanden einhauen.

Wäre das auch ein Hinweis für die anderen, dass, wenn Du zu streiten anfängst, Du nicht genug Stimulation hast und mehr Reize, Aufregung, Befriedigung brauchst?
Ja, Streiten passiert immer an einem Punkt, wo die Nr. 8 nicht so recht befriedigt ist.

Was hat Dir geholfen, in einen Entwicklungsprozess einzutreten?
Einschneidend für mich war das Alter und eine Krankheit, zweimal dieselbe Krankheit. Zweimal dieselbe Krankheit, das bedeutet für mich, ich habe das erste Mal nicht alles gelernt. Das war ein harter Schlag, dieselbe Scheiße nochmal zu durchlaufen. Du kannst Dir dann ausrechnen, dass das mindestens 6 Monate braucht, in denen Du kleine Brötchen bäckst. Und dann war es auch in einem Alter (ich war 40), da kam soviel zusammen, dass ich zu der Überlegung kam, so nicht mehr leben zu wollen.

Schwäche durch Krankheit scheint für viele Achten ein Auslöser für Entwicklung zu sein?
Ja. Außerdem war da noch die Sterbebegleitung bei einem Kind von Freunden, das Krebs hatte. Dann ist noch eine Freundin elend an Krebs zugrunde gegangen, und die hat mir eigentlich eine ziemlich klare Botschaft hinterlassen: ordne Dein Leben, schaffe klare Strukturen, weil in meinen Beziehungen auch vieles verwirrt war. Das war dann auf einmal sehr klar und dann ging ich in kleinen Schritten diesen Weg.

Welche notwendigen Entwicklungsprozesse siehst Du für Achten? Welchen Rat würdest Du jüngeren Achten geben?
Nicht die Energie raus schießen, verschießen, die anderen damit nieder bügeln Früher habe ich meine Energien im Übermaß verschossen (Exzess als Fixierung der Nr. 8). Und dann war immer noch was übrig und die anderen haben das dann abgekriegt. Außerdem bin ich allen inneren Impulsen einfach gefolgt.

Es ist für mich heute wichtig, einen Impuls, wenn er kommt, zu spüren, aber dann zu sagen :” In Ordnung, jetzt ist dieser Impuls da, aber die eigentliche Herausforderung ist, was hinter dem Impuls kommt.” Das ist zwar ziemlich hart für die Nr.8, aber das ist ein ganz wichtiger Punkt. muss ich jedem Impuls nachgehen oder kann ich den Impuls wahrnehmen, ohne dass ich ihn der Umwelt überstülpe.

Ich habe gehört, dass Achten die Konsequenzen ihres Verhaltens ignorieren würden und es hilfreich für sie ist zu lernen, die Folgen ihrer Impulse und ihres Verhaltens bewusst wahrzunehmen. Ist das so?
Ja, die unreflektierte Nr. 8 folgt ihren Impulsen und die Auswirkungen kommen gar nicht in ihren Blick, auf die Idee würde sie gar nicht kommen. Ich glaube, eine Nr. 8 wäre sehr schockiert, wenn sie ihr verwüstetes Feld oder die Leichen gelegentlich sehen würde, oder wenn ihr das Bild vorgehalten würde, welche Wüste sie hinterlassen hat. Ich erinnere mich, ich habe schon einige Leichen hinterlassen. Man kann dann als Nr. 8 nur mit einer Menge Humor auf diese Verwüstungen zurückblicken, weil es schon ziemlich schockierend ist. Wir geben ja immer vor, für eine gerechte Sache unterwegs zu sein, und dann sind wir ebensolche Wüstlinge wie die anderen, denen wir das ankreiden.

Was ist noch wichtig im Umgang mit Impulsen?
Sich zu fragen, was kommt denn nach einem Impuls, der da ist. Was ist denn darin echt vorhanden, was ist denn in Wahrheit unter dem Impuls, das ist eigentlich das viel wichtigere.

Was hat Dir dazu verholfen?
Was mir geholfen hat und mir sehr geholfen hätte, wenn ich es in jungen Jahren gehabt hätte, das ist rhythmische Arbeit, wie ich sie bei R.Flatischlers TA-KE-TI-NA kennengelernt habe. Ich habe gelernt, Energie in einen Rhythmus zu bringen, sie nicht raus zuschießen. Für die Nr. 8 ist wichtig, mit dem Körper was zu machen, wie z.B. das Stampfen, was die Afrikaner machen, den Rhythmus in die Erde reingeben, da kann die Nr. 8 einen Teil ihrer Energie in die Erde reinschicken und hat nicht soviel übrig, um ihr Gegenüber niederzumachen. Ich konnte mit dieser rhythmischen Arbeit auch lernen zu schauen, ob ich in einem Rhythmus bin, in welchem Rhythmus mein Gegenüber ist, ob ich mit meinem Gegenüber einen gemeinsamen Rhythmus machen kann, damit es nicht ein Kampf ich gegen ihn, er gegen mich ist, sondern etwas Gemeinsames. Und wie verändert sich die Qualität der Kommunikation, wenn ich im Rhythmus, im echten Kontakt bin. Bei diesen Fragen war die rhythmische Arbeit für mich sehr erzieherisch, weil ich mich immer wieder zurückholen kann, wenn ich aus dem Rhythmus falle. Ich habe da ein Instrument, an dem ich merke, wenn ich darüber hinaus schieße.

Diese Arbeit hilft Dir, das Überschießen von Energie zu begrenzen auf das Maß, das im Moment angesagt ist, ist das richtig so?
Ja, und dann war es noch eine große Herausforderung, einen Rhythmus über einen längeren Zeitraum zu machen. Diese Aufgabe, eine halbe Stunde immer wieder dasselbe zu machen und dann sollst Du auch noch einen Gefallen daran finden. Das bedeutet, ich muss mich auf etwas echt einlassen. Von dem oberflächlichen Reiz, der mir als Nr. 8 so wichtig ist, muss ich weggehen und muss in die Tiefe gehen. Ich gehe in die Tiefe, statt oben an der Reizoberfläche entlangzuschwimmen. In der Zwischenzeit finde ich es wunderbar, und es ist da, in der Tiefe, wo ich auch berührt werde, weil Reize sind ja nur oben, da wirst Du ja nicht berührt. Die überschüssige Energie in rhythmischer Weise zur Erde hin abreagieren. Auf die Folgen des eigenen Impulses achten. Darauf achten, was unter dem ersten Impuls in Wahrheit ist. Etwas Rhythmisches über längere Zeit tun, um zu sehen, was hinter dem ersten Impuls ist. Sich auf einen gemeinsamen Rhythmus mit dem gegenüber einlassen. Das sind einige gute Ratschläge für die Achten.

Bei den Fragen: “Was ist darunter, bevor ich aggressiv und über energetisch geworden bin, was ist die Wahrheit darunter”, haben wir bereits die höheren Aspekte der Nr. 8, Unschuld und Wahrheit gestreift.
Die Unschuld der Nr. 8 ist irgendwie von diesen Impulsen zugedeckt. Dabei denkt die Nr. 8, sie sei unschuldig, weil sie aus ihrer Natürlichkeit heraus agiert, ohne nachzudenken, was in meiner Umwelt passiert, wenn ich einfach meinen Impulsen nachgehe. Die wirkliche Unschuld der Nr. 8 wird spürbar, wenn sie in ihrer Mitte bleiben kann, ohne dass sie die Energie rauswirft. Dann kommt sie auch zu einer gewissen Weichheit und auch Zartheit.

Die Nr. 8 würde also ohnehin von sich als einer unschuldigen Person denken. Sie würde es aber verwechseln mit dem unreflektierten Rausschleudern von Energie und Ausagieren der Impulse.Es gibt aber, wenn ich Dich richtig verstehe, eine Ebene der Unschuld darunter, die viel mit Weichheit zu tun hat?
Ja, ich denke, es ist oft eine Verwechslung, der die Nr. 8 aufsitzt. Die wichtige Frage bleibt immer: “Reagiere ich unkontrolliert aus Naivität heraus, oder reagiere ich aus meiner wahren Mitte heraus”. Das ist Unschuld.