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Interview – Typ 8

Mit der Basiserfahrungen, dass die Welt ungerecht, gef├Ąhrlich und hart ist, geht Typ 8 anders um als Typ 6 , der im Kopfzentrum angesiedelt ist. Typ 8 geh├Ârt zu den Bauchtypen,┬á vergr├Â├čert sich, seine Energie und sein Wut, bis er glauben kann: ich bin gr├Â├čer als die Gefahren und kann mich nun f├╝r eine gerechte Welt einsetzen. Er ├╝bersieht dabei, dass sie sich oftmals nur f├╝r ein vergangenes Unrecht r├Ącht.

Die m├╝ndliche Tradition

Eingeleitet wird ein Interview nach der m├╝ndlichen Tradition typischerweise mit einer kurzen Geschichte (aus dem Leben) dieses Typs. Die Geschichten stammen aus der Feder eines Vertreters/Vetreterin dieses Typs,┬á sind also ÔÇ×typischÔÇť. Deshalb kann es durchaus sein, dass manche Themen / Situationen Sie als Leser (├╝berhaupt) nicht ansprechen┬á vielleicht sogar Verwunderung ausl├Âsen. Beim Lesen des Interviews ÔÇ×kl├ĄrtÔÇť sich das f├╝r Sie als Leser vielleicht auf.

Die Geschichte

Erinnere Dich an eine Zeit, wo Du klein warst, ein kleines, verletzliches Kind. Bemerke, wie klein sich Dein K├Ârper anf├╝hlt, Deine H├Ąnde, Deine F├╝├če, wie klein Du bist.

Stelle Dir eine Situation vor, ├╝ber die Du keine Kontrolle hast ÔÇô wo Du ohne Einflu├č, ohne M├Âglichkeiten bist ÔÇô hilflos. Die Menschen um Dich herum erscheinen ├╝berw├Ąltigend machtvoll, verurteilend, unfair. Sp├╝re ihre Anwesenheit, die Ger├Ąusche, die T├Âne, die von Ihnen ausgehen, auch ihren Geruch, ihre Energie.

Die Situation ruft Gef├╝hle von Schmerz, Hilflosigkeit, Verletzlichkeit und ├ärger hervor. Du bist total alleine, v├Âllig auf Dich selbst gestellt. Du musst Dich um Dich selber k├╝mmern. Es gibt keinen, der Dich gegen Verletzung und ├ťbergrifflichkeiten sch├╝tzen w├╝rde.

H├Âre, wie Du zu Dir selbst sagst: ÔÇťIch werde nie wieder zulassen, dass das passiert. Nie wieder werde ich mich in diese Lage bringen lassen. Ich muss die Kontrolle haben.ÔÇŁ Und Du dehnst Dich aus, wirst gr├Â├čer als das Leben. Niemand darf bemerken, dass Du verletzlich bist oder Angst hast, und Deine Einstellung wird: ÔÇťIch brauche niemanden.ÔÇŁ

Das Interview

Was an dieser Geschichte erscheint Dir vertraut oder typisch?
Vertraut ist erstens eine traurige Grundstimmung und das vom Vater nicht gesehen werden. Ich meine damit das echte Sehen, nat├╝rlich bin ich wahrgenommen worden und er hat mir Aufgaben gegeben oder ich hatte zu funktionieren oder musste tun, was er sagt. Und ich kann mich erinnern, dass ich mich relativ fr├╝h widersetzt habe. Ich wollte nicht nur ausf├╝hren, sondern ich wollte einen echten Kontakt haben.

Wo eine Nr. 9 mit einer ├Ąhnlichen Geschichte des ├ťbersehenwerdens sich fortan unwichtig gef├╝hlt h├Ątte, hast Du Dich widersetzt, auch mit der Absicht ÔÇťIch m├Âchte einen echten Kontakt habenÔÇŁ. Welche Form des Widersetzens hast Du gefunden?
In der Pubert├Ąt zum Beispiel war ich aufs├Ąssig, verbal unversch├Ąmt, vor allem auch vor Publikum.

Hei├čt das, dass Du ihn blo├čgestellt hast?
Ja. Er ist selbst eine Nr. 8 gewesen, war also sehr autorit├Ąr, das hat mich nat├╝rlich noch mehr herausgefordert. Meine Rolle in der Familie ist die des schwarzen Schafes. Meine Schwester ist zwar auch in ihrer Form ausgeflippt, aber ich habe so die Grundwerte in Frage gestellt, auch die gesellschaftlichen Grundwerte, und war da aufm├╝pfig. Als ich mich zum Beispiel anfing, selbst zu kleiden, da war das gar nicht so bieder, das war recht bunt und f├╝r eine Kleinstadt sowieso schwierig. Bei mir hat man einfach das Widersetzen relativ stark gemerkt. In meiner Lehre hatte ich da zum Beispiel die Strategie, meinen K├Ârper einfach abzustellen, wenn ich etwas anderes wollte als mein Vorgesetzter. Ich habe das sehr genial hingekriegt. Ich bin sozusagen aus meinem K├Ârper ausgezogen und habe den einfach nur hingestellt. Mein Chef hat dann irgendwie bemerkt, dass er mich nicht mehr erreicht, hat dann nachfragen m├╝ssen, was los ist , und ich sagte ihm dann, was ich wollte (lacht). Er hat dann meistens nachgeben m├╝ssen, weil er wu├čte, ich stelle meinen K├Ârper einfach ab, und er kann mit mir nichts anfangen.

Wie ist das aus Deiner Sicht repr├Ąsentativ f├╝r Typ Nr. 8?
Das mit dem Aussteigen aus meinem K├Ârper, das kann ich gar nicht sagen. Ich wei├č, dass ich das zwei Jahre lang einfach praktiziert habe. Wenn f├╝r mich ein w├╝nschenswertes Ziel da war, dann habe ich das verbal oder nonverbal, aber sehr ├╝berzeugend zum Ausdruck gebracht.

Mit anderen Worten: es war leicht f├╝r Dich, Deine eigenen W├╝nsche und Bed├╝rfnisse zu sp├╝ren, und sie in einer drastischen, wirkungsvollen Form auszudr├╝cken. W├╝rdest Du das von allen Achten sagen: leichter Kontakt zu Bed├╝rfnissen und wirkungsvolle Form, sie auszudr├╝cken?
Ich denke schon. Ich glaube, eine Acht kann sich da nicht zur├╝ckhalten. Ob sie das jetzt in einer eher passiven Form, die aber doch sehr ausdrucksstark ist, wie eben geschildert, oder dass sie es verbal macht und den anderen schlichtweg niederb├╝gelt, um das hei├čersehnte Ziel zu errreichen, da gibt es sicher unterschiedliche Formen.

ÔÇŽ und allen gemeinsam ist, dass sie sehr durchsetzungsf├Ąhig sind?
Ja. Der Punkt ist, dass ein Impuls kommt und Du folgst dem Impuls, ohne dass Du ├╝berpr├╝fst, ob es wirklich notwendig ist. Und dabei benutzt Du dein ganzes Umfeld. Es kann zum Beispiel sein, dass Du in der Gegend herumtelefonierst und versuchst, alle niederzureden, dass das jetzt sein muss, also das ist so wie ein unabwendbares Schicksal von solcher Wichtigkeit, dass Du oft von den anderen die Unterst├╝tzung auch kriegst. Das halte ich f├╝r eine gro├če St├Ąrke der Nr. 8, dass sie die anderen begeistern kann f├╝r ihre Ziele.

Woran noch w├╝rde jemand erkennen k├Ânnen, dass er oder sie eine Nr. 8 ist?
Wenn eine Nr.8 in einen Raum kommt, dann hat sie sicher eine sehr hohe Pr├Ąsenz und Energie. Man kann Achten und sich selbst als Nr. 8 an der Energie, am K├Ârperausdruck erkennen. Sie ist sehr pr├Ąsent und gespannt, je nachdem, wie die Situation ist. So wie die Katze auf dem Sprung, selbst wenn sie nur herumzustehen scheint und schaut, was in dem Laden so l├Ąuft.

Daran w├╝rden andere erkennen k├Ânnen, dass jemand eine Nr. 8 ist, aber wie merkt man das selber?
Ich kann dieses Gef├╝hl, Energie nach au├čen hin zu verspr├╝hen, auch innerlich selbst wahrnehmen und herstellen. Au├čerdem k├Ânnen wir unsere Energie gr├Â├čer und kleiner machen, je nachdem, was unser Anliegen im Raum ist. Wenn die Nr.8 ein direktes, wichtiges Anliegen hat, dann checkt sie die Energie der Leute, mit denen sie in Kontakt kommt, ungef├Ąhr ab.Wenn sie dabei bemerkt, dass da Menschen darunter sind, die nicht so viel Energie haben, dann kann sie die Energie etwas erh├Âhen, sie kann sich dann quasi ausdehnen.

Erh├Âht die Nr. 8 dann ihre eigene Energie oder die Energie der Leute, die so reduziert sind, oder beides?
Nein, sie erh├Âht ihre Energie, sie kann sich quasi ausbreiten, ohne dass Du das merkst. Die Anderen stehen dann mit dem R├╝cken schon zur Wand, aber Du kannst es nicht nachweisen, das geht alles unsichtbar. Die Achten selbst k├Ânnten wissen, dass sie das tun, andere durch das Ausdehnen ihrer Pr├Ąsenz und Energie zu steuern, aber sie sind sich nicht direkt bewu├čt, wenn sie es nicht reflektiert haben, dass es auch mit Manipulation zu tun hat, mit der Frage: ÔÇŁ Wie manipuliere ich eine Situation?ÔÇŁ

Wie w├╝rde also eine naive Nr. 8 das beschreiben, die nicht wei├č, dass sie mit energetischer Expansion manipuliert?
Sie sieht schlichtweg nur sich und ihr Anliegen und ist von ihrem Anliegen ├╝berzeugt und kann sich gar nicht vorstellen, dass es au├čer ihrem Weltbild noch viele andere Weltbilder gibt. Sie verwechselt ihre Welt mit dem Rest der Welt.

Meine Wahrheit ist die Wahrheit schlechthin?
Ja, die des gesamten Planeten (lacht).

Woran noch k├Ânnte jemand merken, dass sie eine Nr. 8 ist?
Daran, dass sie in einer Auseinandersetzung auf ihrer Sicht beharrt und dann relativ eng wird. Au├čerdem an der Beharrlichkeit, dass sie oft nicht locker l├Ą├čt und auch nicht soviele andere Eindr├╝cke oder neue Perspektiven in sich rein l├Ą├čt. Eigentlich ist sie ein bi├čchen vernagelt, weil nur ihre Welt gelten darf.

Ist die Energierichtung der Nr. 8 dann mehr eine Bewegung von innen nach au├čen als von au├čen nach innen?
Mehr von innen nach au├čen, das Au├čen wird nur beobachtet zum Abchecken und Abschotten, damit ich es im Griff habe, unter Kontrolle.

Wie ist Kontrolle und Macht wichtig?
Es geht darum, die Oberhand zu behalten, deswegen kann von au├čen auch nichts herein. Du kontrollierst die Situation und guckst, was Dein Gegner nun wieder einwirft, dann versuchst Du nat├╝rlich schneller zu sein als er. Du versuchst nat├╝rlich auch, seine Weichstellen herauszukriegen und zwischendurch draufzuklopfen, wie ein Tier, das auf Jagd ist und sein Revier verteidigt.

Und warum ist es aus der Perspektive der Nr. 8 wichtig, die Oberhand zu behalten?
Ich kann mir heute vorstellen, dass das mit der Machtlosigkeit als Kind zu tun hat. Mit dem Ausgeliefertsein, und der totalen Schw├Ąche. Wir haben die Schw├Ąche umgedreht und St├Ąrke vorgegeben. Wie Du gesehen hast, rege ich mich gerne auf ├╝ber meinen Vater, was er mit mir gemacht hat. Es gab aber eine Situation, in der es bei mir Klick gemacht hat dar├╝ber, was ich eigentlich mit Menschen mache. Zu meiner hitzigen Zeit hatte ich einmal eine Auseinandersetzung mit Kollegen gehabt. Die habe ich mir immer gerne vorgekn├Âpft, und ich merke, wie ich gerade einen fertigmache. Da f├Ąllt es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich das, was ich als Kind so geha├čt habe, nun selber mache mit einem anderen.

Ihn in eine hilflose Position zu bringen?
F├╝r mich war es ganz schockierend, dass ich wie ein Wiederholungst├Ąter bin, dass ich also nicht besser bin.

Das scheint mir eine ganz wichtige Wahrnehmung in Deiner Entwicklung zu sein. Wie hast Du das so lange vor Dir geheimhalten k├Ânnen? Mit welcher Idealisierung Deiner selbst hast Du das vor Dir verborgen?
Im Beruf zum Beispiel war ich nat├╝rlich immer unterwegs mit der Fahne ÔÇťsich einsetzen f├╝r die Schwachen ÔÇť, die sich nicht zu Wort gemeldet haben, oder die ich unterst├╝tzen wollte. Ich hatte auch eine Phase, in der ich die seelische Notstelle f├╝r andere war. Es konnte sein, dass ich abends mit den M├Ąnnern saufen ging, und irgendwann nachts, wenn das Telefon ging, war irgendein menschliches Chaos, was Unterst├╝tzung brauchte, und ich war die Anlaufstelle daf├╝r. Auch f├╝r wildfremde Leute, mit denen ich gar nichts zu tun hatte. Zum Beispiel kam auf einmal eine Kollegin mitten in der Nacht, die ├ärger hatte daheim und verpr├╝gelt wurde. Es war v├Âllig klar, dass ich das zweite Bett mache, und sie hat dann auf meinen 28 Quadratmetern mit Hund vier Wochen mitgelebt, das ging dann auch.

In Bezug auf das Thema Gerechtigkeit habe ich sp├Ąter festgestellt, dass ich mich damit, dass ich vorgebe, mich f├╝r Schwache einzusetzen, eigentlich nur an meinem Vater r├Ąchen will. Unter der Gerechtigkeit liegt eigentlich etwas ganz anderes, n├Ąmlich die Rache (mentale Fixierung).

Aber es ist irgendwie immer die Rache an den urspr├╝nglichen T├Ątern. Du maskierst Dich selbst als eine gerechte Person, aber die eigentliche Motivation ist Rache.
Ja, dabei gibst Du etwas ganz Soziales vor.

Kannst Du etwas ├╝ber die Konfrontationsbereitschaft der Nr. 8 sagen?
Ja. Ich habe nie gedacht, dass Streiten unanst├Ąndig ist. Auch Lautwerden, auf Konfrontation gehen, das war f├╝r mich immer in Ordnung. Dazu kam, dass ich in j├╝ngeren Jahren bei den M├Ąnnern sehr angekommen bin, und ich habe auch mein ├äu├čeres als Waffe benutzt, das war so eine erotische Aggressivit├Ąt. Die M├Ąnner, zum Beispiel Vorgesetzte, f├╝hlten sich davon sehr angezogen, einerseits, das war dann auch widerspr├╝chlich. Ich habe jedenfalls mein Aussehen bewu├čt genutzt, musste mich aber auch mit meiner Aggressivit├Ąt nicht einschr├Ąnken, weil das dem Gegen├╝ber irgendwie Angst und Lust verschafft hat.

Wir haben nun einige der zentralen Themen angesprochen. Wie wirken sich diese, zum Beispiel die Leidenschaften Rache und Exzess, in der Partnerschaft aus?
Das ist schwierig zu beantworten, weil ich nie mit jemandem zusammengelebt habe. Ich war lange mit jemandem befreundet, einem verheiratetem Mann. Am Anfang hatte ich es darauf angelegt, dass er sich trennen sollte, dann habe ich gemerkt, dass ich das eigentlich gar nicht will. Wenn er sich trennen w├╝rde, dann w├╝rde er beginnen, mich zu kontrollieren. Er h├Ątte dann nichts besseres gewu├čt als mich sofort zu beschneiden, was ich alles nicht mehr tun darf und was sich nicht geh├Ârt.

Und das Treibende scheint mir wiederum, dass Du Dir Deine Impulse nicht beschr├Ąnken lassen wolltest. Und in Freundschaften oder in Arbeitsbeziehungen, wie w├╝rden sich die Achterthemen da auswirken?
Am Anfang meines Arbeitslebens hatte ich ein paar Kollegen, die haben mit mir gerne gearbeitet, aber es war ein unbewu├čter Handel : ÔÇŁ Ich la├č┬┤ mich von Dir dominieren, daf├╝r machst Du mir einen gutes Projekt. Ein anderer hat mal ge├Ąu├čert : ÔÇŁ Mit Ihnen w├╝rde ich nicht vier Wochen arbeiten, weil ich mich nicht vier Wochen unterdr├╝cken lassen will ÔÇť. Er war, glaube ich, eine Nr. 5. In Arbeitsbeziehungen war ich fr├╝her sicher immer sehr dominant. Interessanterweise ist an meinem Arbeitsplatz der Chef hierachisch ├╝ber mir, ist aber komplett von meinem Wohlwollen und meinem Einsatz abh├Ąngig.

Wenn die anderen sich dann beschweren, unterdr├╝ckt und dominiert zu werden, dann hei├čt das ja auch, dass sich die Hierarchie umgekehrt hat?
Ja, die habe ich immer umgedreht, das habe ich schon recht fr├╝h gemacht.

Kann man das vielleicht generell als Anzeichen von Nr. 8 sehen, dass ihr Hierarchien umdreht, nicht umsonst nennen wir Euch den ÔÇťBo├čÔÇŁ?
Ja, ich hatte viele Auseinandersetzungen mit meinem Chef, weil ich ihn immer zu meinem Angestellten machen wollte, das konnte nat├╝rlich nicht gut gehen. Ich habe mich auch nie geniert, Vorgesetzte zu belehren. Ich habe oft von unten nach oben regiert, mich gleichwertig gef├╝hlt, eher ein bi├čchen gr├Â├čenwahnsinnig. Wenn ich mich sehr ge├Ąrgert habe, habe ich das sogar schriftlich gemacht, und sie so gezwungen zu handeln, wo sie sich doch lieber aufregen wollten als handeln.

Was w├Ąre ein guter Rat f├╝r Kollegen oder Chefs einer Nr. 8?
Zun├Ąchst einmal ist wichtig, die Nr.8 ein bisschen ausagieren zu lassen, damit sie ihre Energie, die sie nicht zur├╝ckhalten kann, ein bisschen losbekommt. Erst dann ansetzen, wenn sie ihre Energie ein bisschen verspr├╝ht hat.

Und dann wie ansetzen?
Auf jeden Fall nicht belehrend, weil sie das selbst schon macht. F├╝r die Nr. 8 ist Ehrlichkeit wichtig. Unter der Voraussetzung der Ehrlichkeit kann die Art, wie Du mit ihr umgehst, ganz unterschiedlich sein. Die Nr. 8 klopft den anderen ab, ob er es ehrlich meint, das kann dann auch unzul├Ąnglich sein. Aber wenn die Nr. 8 merkt, dass der andere sich Hintert├╝rchen freil├Ąsst, dann schl├Ągt die sie rein.

Und warum ist es so wichtig, dass wir ehrlich sind?
Wenn der andere ehrlich ist, kann ich einen Teil meiner Kontrolle ein bisschen abgeben. Sonst bin ich ja immer mit Kontrolle besch├Ąftigt und muss auskl├╝geln, dass ich einen Schritt vor dem anderen bin. Ich kann meine Abwehrmechanismen dann ein bisschen entspannen. Und dann kann auch eine wirklich ehrliche Begegnung stattfinden, wo eine Nr. 8 auch den anderen anh├Ârt.

Ein guter Hinweis f├╝r Arbeitsbeziehungen, aber ich glaube auch f├╝r Freundschaftsbeziehungen?
Die Nr. 8 macht da, glaube ich, eh keinen Unterschied privat/ Arbeit, weder bei der Arbeit, noch wenn sie Spa├č hat. Wenn ich als Acht im Beruf nicht auf meine Kosten komme mit meinem Lustgef├╝hl, dann war das fr├╝her f├╝r mich eine Katastrophe. Wenn ich nicht auf meinen Lustgewinn, auf meine Befriedigung, auf die Reize komme, das war eine totale Katastrophe f├╝r mich. Ich f├╝hle mich dann wie tot, ein Alptraum, jeden Tag stumpfsinnig ins Gesch├Ąft zu gehen.

Und was hast Du dann gemacht, wenn es stumpfsinnig geworden ist?
Ich habe dann immer wieder Streit angefangen. Das bietet sich ja immer an, wenn man das Umfeld kontrolliert, kann man immer mit irgendeinem Streit anfangen, oder im Vorbeigehen kann man ein bisschen verbal auf jemanden einhauen.

W├Ąre das auch ein Hinweis f├╝r die anderen, dass, wenn Du zu streiten anf├Ąngst, Du nicht genug Stimulation hast und mehr Reize, Aufregung, Befriedigung brauchst?
Ja, Streiten passiert immer an einem Punkt, wo die Nr. 8 nicht so recht befriedigt ist.

Was hat Dir geholfen, in einen Entwicklungsprozess einzutreten?
Einschneidend f├╝r mich war das Alter und eine Krankheit, zweimal dieselbe Krankheit. Zweimal dieselbe Krankheit, das bedeutet f├╝r mich, ich habe das erste Mal nicht alles gelernt. Das war ein harter Schlag, dieselbe Schei├če nochmal zu durchlaufen. Du kannst Dir dann ausrechnen, dass das mindestens 6 Monate braucht, in denen Du kleine Br├Âtchen b├Ąckst. Und dann war es auch in einem Alter (ich war 40), da kam soviel zusammen, dass ich zu der ├ťberlegung kam, so nicht mehr leben zu wollen.

Schw├Ąche durch Krankheit scheint f├╝r viele Achten ein Ausl├Âser f├╝r Entwicklung zu sein?
Ja. Au├čerdem war da noch die Sterbebegleitung bei einem Kind von Freunden, das Krebs hatte. Dann ist noch eine Freundin elend an Krebs zugrunde gegangen, und die hat mir eigentlich eine ziemlich klare Botschaft hinterlassen: ordne Dein Leben, schaffe klare Strukturen, weil in meinen Beziehungen auch vieles verwirrt war. Das war dann auf einmal sehr klar und dann ging ich in kleinen Schritten diesen Weg.

Welche notwendigen Entwicklungsprozesse siehst Du f├╝r Achten? Welchen Rat w├╝rdest Du j├╝ngeren Achten geben?
Nicht die Energie raus schie├čen, verschie├čen, die anderen damit nieder b├╝geln Fr├╝her habe ich meine Energien im ├ťberma├č verschossen (Exzess als Fixierung der Nr. 8). Und dann war immer noch was ├╝brig und die anderen haben das dann abgekriegt. Au├čerdem bin ich allen inneren Impulsen einfach gefolgt.

Es ist f├╝r mich heute wichtig, einen Impuls, wenn er kommt, zu sp├╝ren, aber dann zu sagen :ÔÇŁ In Ordnung, jetzt ist dieser Impuls da, aber die eigentliche Herausforderung ist, was hinter dem Impuls kommt.ÔÇŁ Das ist zwar ziemlich hart f├╝r die Nr.8, aber das ist ein ganz wichtiger Punkt. muss ich jedem Impuls nachgehen oder kann ich den Impuls wahrnehmen, ohne dass ich ihn der Umwelt ├╝berst├╝lpe.

Ich habe geh├Ârt, dass Achten die Konsequenzen ihres Verhaltens ignorieren w├╝rden und es hilfreich f├╝r sie ist zu lernen, die Folgen ihrer Impulse und ihres Verhaltens bewusst wahrzunehmen. Ist das so?
Ja, die unreflektierte Nr. 8 folgt ihren Impulsen und die Auswirkungen kommen gar nicht in ihren Blick, auf die Idee w├╝rde sie gar nicht kommen. Ich glaube, eine Nr. 8 w├Ąre sehr schockiert, wenn sie ihr verw├╝stetes Feld oder die Leichen gelegentlich sehen w├╝rde, oder wenn ihr das Bild vorgehalten w├╝rde, welche W├╝ste sie hinterlassen hat. Ich erinnere mich, ich habe schon einige Leichen hinterlassen. Man kann dann als Nr. 8 nur mit einer Menge Humor auf diese Verw├╝stungen zur├╝ckblicken, weil es schon ziemlich schockierend ist. Wir geben ja immer vor, f├╝r eine gerechte Sache unterwegs zu sein, und dann sind wir ebensolche W├╝stlinge wie die anderen, denen wir das ankreiden.

Was ist noch wichtig im Umgang mit Impulsen?
Sich zu fragen, was kommt denn nach einem Impuls, der da ist. Was ist denn darin echt vorhanden, was ist denn in Wahrheit unter dem Impuls, das ist eigentlich das viel wichtigere.

Was hat Dir dazu verholfen?
Was mir geholfen hat und mir sehr geholfen h├Ątte, wenn ich es in jungen Jahren gehabt h├Ątte, das ist rhythmische Arbeit, wie ich sie bei R.Flatischlers TA-KE-TI-NA kennengelernt habe. Ich habe gelernt, Energie in einen Rhythmus zu bringen, sie nicht raus zuschie├čen. F├╝r die Nr. 8 ist wichtig, mit dem K├Ârper was zu machen, wie z.B. das Stampfen, was die Afrikaner machen, den Rhythmus in die Erde reingeben, da kann die Nr. 8 einen Teil ihrer Energie in die Erde reinschicken und hat nicht soviel ├╝brig, um ihr Gegen├╝ber niederzumachen. Ich konnte mit dieser rhythmischen Arbeit auch lernen zu schauen, ob ich in einem Rhythmus bin, in welchem Rhythmus mein Gegen├╝ber ist, ob ich mit meinem Gegen├╝ber einen gemeinsamen Rhythmus machen kann, damit es nicht ein Kampf ich gegen ihn, er gegen mich ist, sondern etwas Gemeinsames. Und wie ver├Ąndert sich die Qualit├Ąt der Kommunikation, wenn ich im Rhythmus, im echten Kontakt bin. Bei diesen Fragen war die rhythmische Arbeit f├╝r mich sehr erzieherisch, weil ich mich immer wieder zur├╝ckholen kann, wenn ich aus dem Rhythmus falle. Ich habe da ein Instrument, an dem ich merke, wenn ich dar├╝ber hinaus schie├če.

Diese Arbeit hilft Dir, das ├ťberschie├čen von Energie zu begrenzen auf das Ma├č, das im Moment angesagt ist, ist das richtig so?
Ja, und dann war es noch eine gro├če Herausforderung, einen Rhythmus ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum zu machen. Diese Aufgabe, eine halbe Stunde immer wieder dasselbe zu machen und dann sollst Du auch noch einen Gefallen daran finden. Das bedeutet, ich muss mich auf etwas echt einlassen. Von dem oberfl├Ąchlichen Reiz, der mir als Nr. 8 so wichtig ist, muss ich weggehen und muss in die Tiefe gehen. Ich gehe in die Tiefe, statt oben an der Reizoberfl├Ąche entlangzuschwimmen. In der Zwischenzeit finde ich es wunderbar, und es ist da, in der Tiefe, wo ich auch ber├╝hrt werde, weil Reize sind ja nur oben, da wirst Du ja nicht ber├╝hrt. Die ├╝bersch├╝ssige Energie in rhythmischer Weise zur Erde hin abreagieren. Auf die Folgen des eigenen Impulses achten. Darauf achten, was unter dem ersten Impuls in Wahrheit ist. Etwas Rhythmisches ├╝ber l├Ąngere Zeit tun, um zu sehen, was hinter dem ersten Impuls ist. Sich auf einen gemeinsamen Rhythmus mit dem gegen├╝ber einlassen. Das sind einige gute Ratschl├Ąge f├╝r die Achten.

Bei den Fragen: ÔÇťWas ist darunter, bevor ich aggressiv und ├╝ber energetisch geworden bin, was ist die Wahrheit darunterÔÇŁ, haben wir bereits die h├Âheren Aspekte der Nr. 8, Unschuld und Wahrheit gestreift.
Die Unschuld der Nr. 8 ist irgendwie von diesen Impulsen zugedeckt. Dabei denkt die Nr. 8, sie sei unschuldig, weil sie aus ihrer Nat├╝rlichkeit heraus agiert, ohne nachzudenken, was in meiner Umwelt passiert, wenn ich einfach meinen Impulsen nachgehe. Die wirkliche Unschuld der Nr. 8 wird sp├╝rbar, wenn sie in ihrer Mitte bleiben kann, ohne dass sie die Energie rauswirft. Dann kommt sie auch zu einer gewissen Weichheit und auch Zartheit.

Die Nr. 8 w├╝rde also ohnehin von sich als einer unschuldigen Person denken. Sie w├╝rde es aber verwechseln mit dem unreflektierten Rausschleudern von Energie und Ausagieren der Impulse.Es gibt aber, wenn ich Dich richtig verstehe, eine Ebene der Unschuld darunter, die viel mit Weichheit zu tun hat?
Ja, ich denke, es ist oft eine Verwechslung, der die Nr. 8 aufsitzt. Die wichtige Frage bleibt immer: ÔÇťReagiere ich unkontrolliert aus Naivit├Ąt heraus, oder reagiere ich aus meiner wahren Mitte herausÔÇŁ. Das ist Unschuld.