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Interview – Typ 7

Einen aktuellen Beitrag in Zeiten von Corona kann man hier lesen.

Dieser Typ gehört zu dem Zentrum der Kopftypen mit dem zentralen Thema Angst.
Typ 7 hat genausoviel Angst vor der Welt wie die FĂŒnf. Er versucht aber, dieser Angst zu entgehen, indem er sich mental in immer neue angenehme Situationen hineinversetzt oder bestehende Situationen mental verschönt. Auch Schmerz versuchen die Siebenen auf diese Weise zu umgehen, allerdings auf Kosten jeder tieferen menschlichen Beziehung.

Die mĂŒndliche Tradition

Eingeleitet wird ein Interview nach der mĂŒndlichen Tradition typischerweise mit einer kurzen Geschichte (aus dem Leben) dieses Typs. Die Geschichten stammen aus der Feder eines Vertreters/Vetreterin dieses Typs,  sind also „typisch“. Deshalb kann es durchaus sein, dass manche Themen / Situationen Sie als Leser (ĂŒberhaupt) nicht ansprechen  vielleicht sogar Verwunderung auslösen. Beim Lesen des Interviews „klĂ€rt“ sich das fĂŒr Sie als Leser vielleicht auf.

Die Geschichte

Denke an eine Zeit, als Du etwas Ă€ngstlich warst, ob Du eine Dir gestellte Aufgabe gut erfĂŒllen kannst. Du fĂŒhlst das GefĂŒhl der Angst in Deinem Körper.

Jetzt richte Deine Aufmerksamkeit davon weg, und mit deiner Vorstellungskraft stell Dir etwas sehr Angenehmes vor, was in der Zukunft liegt. Geh in diese Vorstellung hinein und stell Dir vor, wie wunderbar und erfĂŒllend diese Erfahrung sein wird. SchauÂŽ Dir die Farben an, riechÂŽ die GerĂŒche, hörÂŽ die angenehmen Töne. Empfinde die GefĂŒhle. Oh, es ist so angenehm.

Plötzlich bemerkst du, wie das Licht klar auf einen schönen Gegenstand fĂ€llt.Und wie wunderschön er ist. Und Du bemerkst die wunderschönen Lichtmuster auf seiner OberflĂ€che, und das erinnert Dich an etwas anderes wunderbares. Und dann bemerkst Du etwas anderes aus deinem Augenwinkel heraus, und wie fantastisch das ist. Und das lĂ€ĂŸt eine Erinnerung aufkommen an eine Situation, in der es Dir sehr gut ging, und Du genießt diese schöne Zeit.

Inzwischen hast Du völlig vergessen, was Dir Angst macht. Wenn Du dazu zurĂŒckkommst, fĂŒhlst Du Dich inkompetent.und hast Angst.

Aber dann erinnerst Du dich, dass Du alles tun kannst, wenn Du nur daran glaubst. Keine große Sache. Und wenn Angst kommt, oder Dir langweilig wird, kannst Du immer noch an morgen denken, was fĂŒr ein wundervoller Tag das sein wird. Wieviel Spaß Du haben wirst, welche tollen PlĂ€ne es anzugehen gilt. Ist das Leben nicht großartig?

 

Das Interview

Was an der Geschichte erscheint Dir typisch oder bekannt?
Gut beschrieben war die Grundstrategie der Schmerzvermeidung. Wenn ich ein unangenehmes GefĂŒhl habe oder meine, es kommt etwas Unangenehmes auf mich zu, dann gibt es diese Flucht in schöne Ereignisse, sei es eine Flucht in etwas aus der Vergangenheit, sei es in die Zukunft, in Dinge, auf die ich mich freue und mir dann in den schönsten Farben vorstellen kann, wobei die Beschreibung in der Geschichte doch etwas nach Hollywood klingt.

Nun, sie wurde auch von kalifornischen Siebenern geschrieben. Welcher Teil war “Hollywood” und wie ist die “deutsche” Form davon?
Diese Farben, dieses Schillern, so ein StĂŒck VerklĂ€rung oder Heiligenschein, das scheint mir als ” Hollywood “. Gut, da hat einer seine GefĂŒhle beschrieben, wie sie vielleicht so sein können
.

Aber die Grundlinie ist die, dass man sich positiven Ereignisse ausmalt oder vergegenwĂ€rtigt, sowohl zukĂŒnftige als auch vergangene?
Ja, sich Dinge aus der Vergangenheit herholen und wieder angucken, das kann sehr prÀsent sein.

Wie machst Du Dir das so prÀsent?
Über Bilder, es ist im Prinzip eine Kopfarbeit. So wie im Kino eine Projektionsleinwand, und dann ist alles wieder da.

Eine Projektion von nicht gegenwĂ€rtigen Ereignissen, die Spaß machen, angenehm sind, in die man eintauchen kann. Spielt die Gegenwart auch eine Rolle?
Da hat die Nr.7 gewisse Schwierigkeiten, im Hier und Jetzt zu sein. Wenn die Gegenwart unerfreulich ist, dann halte ich das ein stĂŒckweit aus. Aber nur dann, wenn ich weiß, dass das irgendwann zu Ende ist und wieder etwas Angenehmes kommt. Wenn es angenehm oder schön ist, dann besteht die Tendenz ” wie kann ich es noch besser gestalten “, aber das passiert auch wieder im Kopf.

Du wĂŒrdest also selbst bei einem angenehmen Ereignis in irgendeine andere Zeit gehen, um es noch angenehmer zu gestalten?
Ja, es braucht fast schon eine Anstrengung, und ich muss es mir sehr bewußt machen, mir mal zu sagen: “Jetzt ist das schön, jetzt ist das gut, jetzt laß es so !”

Und es nicht im Geiste noch schöner machen zu wollen?
Oder die Defizite der Situation wahrzunehmen: es könnte ja noch schöner sein, wenn das und jenes noch dabei wÀre.

Aber es ist nicht eine Sehnsucht dabei oder ein trauriges GefĂŒhl “Ich habe nicht, wonach ich mich sehne”, wie Typ Nr. 4 es haben wĂŒrde?
Nein, mehr die Vorwegnahme des Positiven, oder wie kann ich da noch mehr daraus machen, wie kann ich das noch steigern.

Ist es das, was was wir bei Nr. 7 mit dem Stichwort “Planung” (mentale Fixierung) bezeichnen, die Vorwegnahme von Dingen, wie man sie noch schöner machen könnte?
Ich sehe darin eher diese Maßlosigkeit (emotionale Fixierung), dieses “mehr ist besser und noch mehr ist noch besser”.

Könnest Du diese Maßlosigkeit etwas nĂ€her beschreiben? Wie zeigt sie sich Deinem Leben oder im Leben einer Nr. 7 allgemein?
Es hĂ€ngt zum einen damit zusammen, keine Limitierungen, Begrenzungen zu haben oder zu akzeptieren. Außerdem hĂ€ngt es zusammen mit dem Glauben, dass es noch weiter gehen kann, dass es noch mehr davon gibt. Warum sich mit Wenigem begnĂŒgen, wenn es noch mehr gibt. Das kann sich auf alle Bereiche beziehen, sei es in der Partnerschaft, sei es in der Arbeit. Siebener können auch workoholics (ArbeitssĂŒchtige) sein, solange es Spaß macht, solange es interessiert, solange es irgendwo so eine Komponente von Faszination hat. FĂŒr mich ist das so ein StĂŒck Faszination, Dingen nachzugehen und weiter und weiter zu schauen, und nicht an einen Endpunkt zu kommen, an dem man sagt ” Es mag noch mehr geben, aber es interessiert mich jetzt nicht “. Es ist wie eine Unruhe, ein Antrieb, es noch weiter zu treiben.

Wie wĂŒrdest Du dann das Stichwort der “Planung” beschreiben?
Das ist etwas, was mir praktisch stĂ€ndig prĂ€sent ist. Es gibt kaum Momente am Tag, wo das Gehirn nicht irgendetwas plant oder versucht, ZusammenhĂ€nge herzustellen oder an Problemen zu arbeiten. Ich arbeite ungefĂ€hr so an Problemen (Arbeitsstil): ich nehme eines auf, arbeite das durch, lege das ab, dann kommt das nĂ€chste und nach zwei Stunden nehme ich den ersten Ordner wieder auf und plane weiter. Besonders gut funktioniert dieser Stil, wenn ich auf Reisen bin, wenn ich auch Zeit habe dafĂŒr, oder beim Autofahren.

Der Geist geht stĂ€ndig hin und her auf verschiedene Bereiche, wo man ein StĂŒck weiterplanen kann, und dann lĂ€ĂŸt man das wieder liegen und macht mit etwas anderem weiter?
Ja, und es gibt dann stÀndig Dinge im Leben, die noch unerledigt sind, die ich noch machen möchte und ich plane und plane. Ich kann dann sozusagen eine Problemsituation abwarten, ich warte dann nur auf gewisse Gelegenheiten, und wenn diese dann eintreten, dann habe ich im Prinzip alles schon parat.

Alles ist bereits geplant, sodass Du vorbereitet bist, wenn die RealitÀt dann eintritt. Wie bist Du, wenn die Dinge langweilig werden, oder besser gesagt, wenn sie stetig werden?
Ich reagiere unterschiedlich, ich kann sehr unleidlich werden, unzufrieden, mĂŒrrisch. Routine verdirbt den Spaß am Leben.

Aha, einige Leute wĂŒrden sagen, Routine ist die Essenz des Lebens, schön, wenn man Dinge wiederholen kann?
(lacht) Bis zu einem gewissen Grad ja, aber irgendwann wird es langweilig. Es ist ist natĂŒrlich so ein Lernprozess der Nr. 7 zu akzeptieren, dass Routine zum Leben auch dazugehört.

Aber das muss gelernt werden, das ist im Ansatz nicht drin.
Ich muss mir das bewußt machen, dass auch gewisse Pflichten einfach dazugehören, die sich wiederholen, das ist so. Und das ist dann meistens so eine Art von Durchleiden dieser Zeit, natĂŒrlich kommt dann auch wieder etwas anderes.

Können wir ein bisschen ĂŒber Leid und Angst sprechen? Weil auch in der Geschichte das Thema Angst angesprochen war. Auch im VorgesprĂ€ch sagtest Du , Angst und Leid seien Dir frĂŒher nicht so bewußt gewesen, kannst Du das ein bißchen kommentieren?
FrĂŒher habe ich das Leben sehr positiv betrachtet, und auch Dinge, die mir widerfahren sind, RĂŒckschlĂ€ge oder auch leidvolle Erfahrungen, habe ich relativ schnell abgeschĂŒttelt, weil dann wieder etwas Neues kam. Mir war das also gar nicht bewußt, dass ich Angst habe. Mein Vater war eine Nr.6 und ich hab mich ĂŒber ihn aufgeregt, weil er stĂ€ndig darĂŒber nachdachte, was alles Schlimmes passieren könnte. Ich dachte, mir passiert nichts, das war meine Einstellung, naiv, mir passiert nichts, es wird alles gut. Erst im Bewusstwerden der eigenen Struktur wurde mir klar, dass ich Leid aus dem Wege gehe. Erst in dieser Bewusstmachung habe ich auch verstanden, wieviele Anstrengungen ich unternehme, um dem Leid aus dem Wege zu gehen. Nochmal zurĂŒck zur Angst. Wenn gewisse Ereignisse im Leben eintreten, bei denen ich zugeben muss: “da ist jetzt meine Grenze und ich stehe praktisch nackt da”, dann ist das eine Chance fĂŒr mich als Nr.7 zu fragen, wie sieht die RealitĂ€t wirklich aus, nicht nur in meinem Kopf, sondern wieviel lebe ich ĂŒberhaupt in der RealitĂ€t ? Und dann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich sehr große ExistenzĂ€ngste habe, aber ich habe mich ab dann auch dementsprechend verhalten können, indem ich vorgesorgt habe, indem ich meinen Kopf einmal nicht fĂŒr die Planung schöner Optionen, sondern fĂŒr die Frage genutzt habe, was wĂŒrde passieren, wenn
 Ich habe dann wirklich geplant, mich vorbereitet, es war so ein halbes Sechser-Szenario. Erst wenn die Nr. 7 auf die Nase fĂ€llt oder richtig eine drauf bekommt, zur Besinnung kommt, dann wacht sie auf oder hat die Chance aufzuwachen.

Ich finde es sehr interessant, wie Du die FÀhigkeit oder den Zwang, Dinge im Geiste positiv vorwegzunehmen, an so einem Wachstumspunkt in Richtung auf die Nr. 6 verÀndert hast: den möglichen negativen Verlauf der Dinge vorwegzunehmen und dann ein Sicherheitsprogramm zu planen, was im Falle X zu tun ist.
Da kommt mit die Einstellung zu Hilfe: “Wie gehe ich dem Leid aus dem Weg”. Ich kann mir ganz gut vorstellen, was auf mich an unangenehmen Dingen zukommen könnte, eine schmerzvolle Erfahrung, eine Trennung. Aber ich plane allerhand, um vorzusorgen, damit der Schmerz nicht so groß wird. Angenommen zum Beispiel, ich wĂŒrde mich jetzt vom Partner trennen wollen, dann wĂŒrde ich im Vorfeld schon verschiedene andere Beziehungen beginnen, um Alternativen zu haben, damit der Schmerz der Trennung nicht so groß ist.

Es sieht also an der OberflĂ€che nur so aus wie die Suche nach Spaß, aber in der Tiefe ist es die Vermeidung von Schmerz?
Ja.

Auf die Gefahr der möglichen Wiederholung, aber wie wĂŒrde eine Nr. 7 , die ihr Selbststudium beginnt, herausfinden können, dass sie eine Nr. 7 ist?
Dadurch, dass sie von anderen Leuten gewisse Eigenarten gespiegelt bekommt, vorausgesetzt, dass sie das auch annehmen kann. Es ist die große Gefahr bei der Nr. 7 , dass sie sagt :”Das hat alles nichts mit mir zu tun, das betrifft mich alles nicht”. Wenn ich dagegen annehmen kann, was andere Menschen ĂŒber mich sagen, und damit ein StĂŒck nĂŒchterner (höherer emotionaler Zustand) werde, dann ist die Chance da, mich zu verĂ€ndern. Nur, was treibt mich als Nr. 7 dazu, warum soll ich mich ĂŒberhaupt Ă€ndern, es lĂ€uft doch alles gut, das Leben lĂ€uft wunderbar aus der Sicht der Nr. 7, also wieso soll ich mich Ă€ndern?

Es wĂ€re also fĂŒr die Nr. 7 vielleicht besonders schwierig, einen Prozeß des Selbststudium zu beginnen, weil die Motivation dafĂŒr fehlt. Es ist ja alles wunderbar und nur dann, wenn es zum einen Spiegelungen oder RĂŒckmeldungen aus der Umgebung gibt und diese andererseits auch angenommen werden können, fĂ€ngt so ein Prozeß ĂŒberhaupt erst an. Wie wĂŒrde eine Nr. 7 sich verteidigen, um RĂŒckmeldungen aus der Umgebung nicht anzunehmen?
Ich sagÂŽs mal ĂŒbertrieben, indem man den anderen fĂŒr verrĂŒckt erklĂ€rt. Es stimmt doch alles nicht, was Du sagst, es trifft auf mich nicht zu.

Und Du wĂŒrdest sehr viel Energie und Intelligenz in die BegrĂŒndungen hineinlegen können, warum die Position des anderen nicht stimmt?
Ja, und ich denke, da sind die Siebener argumentativ recht gut drauf, aufgrund des schnellen Denkens, das sie haben, und aufgrund der FĂ€higkeit, sich aus Unangenehmem herauszureden ( Rationalisierung als Abwehrstrategie ).

Das Denken ist schnell, und im Grunde seid Ihr immer schneller in der BegrĂŒndung, warum die Position des anderen nicht stimmt und von daher die RĂŒckmeldung nicht angenommen werden muss. Was wĂŒrde eine Nr. 7 dann dazu bringen, RĂŒckmeldung anzunehmen, oder Begrenzung, Limitierung zu sehen?
Wenn mir die Person sehr nahe steht, wenn ich merke, da ist ein vertrauter Raum da und der andere möchte mich nicht verbessern oder belehren oder an mir herumdrehen, sondern ich spĂŒre, dass er es wirklich gut mit mir meint, und ich wegen der RĂŒckmeldung oder wegen meiner möglichen Angst oder wegen des Schmerzes auch nicht aus der Partnerschaft oder der Beziehung rausfalle, dann kann ich mir anhören, was der andere sagt. Es ist eine Grundstruktur der Nr.7, sich aufgrund des Positiven, der Fröhlichkeit usw. die Streicheleinheiten und Anerkennung des anderen zu holen. Ich habe dementsprechend oft die Erfahrung gemacht, wenn ich plötzlich anders bin als die Welt mich kennt, dann wird gesagt ” Was ist mit Dir los, bist Du krank” , es kommen dann also unterschwellige Botschaften wie: ” So wollen wir Dich nicht haben “. Aber diese nicht fröhliche Seite ist ja auch in mir da, aber ich lebe sie nicht oder ich darf sie nicht leben. Vielleicht meine ich auch nur, ich darf sie nicht leben. Wenn aber so ein Raum der Vertrautheit da ist, wo ich auch diese Seite leben kann und merke, dass ich deswegen nicht abgelehnt werde, dann getrauÂŽ ich mir das, StĂŒck fĂŒr StĂŒck, sehr vorsichtig. Da habe ich von frĂŒher her so eine Vorsicht, wieweit ich mich da raustrauen kann.

Ein Partner könnte Dir also in Deiner Entwicklung helfen, indem er diese Seite auch sieht und deutlich macht, dass er in der Partnerschaft bleibt und dass er Dich auch mag und Dir Zuwendung geben kann, wenn Du in dem “negativen” Teil bist?
Ja.

Wir haben ĂŒber die UnmĂ€ĂŸigkeit und das Planen der Nr. 7 gesprochen. Wie macht sich das in der Partnerschaft bemerkbar?
Am Beginn einer Partnerschaft oder in dieser Phase des Verliebtseins, da gibt es noch “die eine” Partnerin und die Maßlosigkeit kommt dann darin zu Ausdruck, dass ich sie voll und ganz fĂŒr mich haben möchte. Ich kann mich auch erinnern, dass am Anfang sehr viel Eifersucht im Spiel war, ich dachte empört: “Ich genĂŒge doch” und es gab so ein StĂŒck “Du gehörst mir allein”, “wir machen alles miteinander” , so wie im MĂ€rchen , “und wenn sie nicht gestorben sind
.”.

Es wird außerdem viel geplant und es werden auch ZukunftstrĂ€ume geschmiedet, “Dies und jenes könnt man noch tun, sich z.B. beruflich verĂ€ndern”, und wenn man diese Gedanken nachher auf den RealitĂ€tsgehalt prĂŒft, bleibt oftmals nicht viel ĂŒbrig.

Das ist auch eine der Beschwerden, die ein Freund oder Beziehungspartner dann anmeldet?
Ja, “Du redest viel aber Du setzt es nicht um”. Und auf der einen Seite ist die Beziehung mit einer Sieben fĂŒr den Partner sehr anregend, aber wenn da nichts realisiert wird oder nur im Kopf oder in der Planung bleibt, dann ist es fĂŒr den Partner nicht sehr erfreulich. Mir ist es außerdem so gegangen, dass gewisse TrĂ€ume einfach zerplatzen und ich mich dann in einer Situation wiederfinde, wo es dann so offensichtlich ist, dass ich zugeben muss: ” Es ist nicht so, oder es ist weit entfernt von dem, was ich mir ertrĂ€umt hatte”. Ich kann dann aber wieder sehr viel Energie da hinein stecken, mir etwas Neues aufzubauen. In der FĂ€higkeit, Energie auf bestimmte Ziele hin zu fokussieren, bin ich nicht weit von der Nr.3 entfernt, es muss nur stĂ€ndig anregend bleiben, sonst ist meine Motivation dahin.

Wie machen sich die Grundeigenschaften von Nr. 7 in Arbeitsbeziehungen bemerkbar?
Die Nr. 7 möchte dem GesprĂ€chspartner gegenĂŒber immer kompetent erscheinen und als solches geachtet werden, wobei die Kompetenz manchmal sehr dĂŒnn ist. Ich erinnere mich an einen Fall, wo ich in ein neues Arbeitsfeld gekommen bin und nach 4 Wochen musste ich Fabrikanlagen anschauen. Ich hatte keine Ahnung, Null Ahnung, von Werkstoffen. Aber ich habe alles inspiziert und geschaut und meine Kommentare abgegeben. Keiner hat gemerkt, dass ich keine Ahnung hatte. Manchmal bezeichnet man die Nr. 7 ja auch als Scharlatan: wir haben so eine FĂ€higkeit, aus ein paar Fakten etwas Gutes darzustellen, mit einem entsprechenden Fachvokabular. Vor 2 Jahren allerdings, als ich wieder einen neuen Arbeitsbereich angefangen habe, kam dann eher die EinserqualitĂ€t zum Tragen, mein Stresspunkt, da wollte ich alles perfekt lernen, mich total kundig machen. Vielleicht hĂ€ngt das aber auch damit zusammen, dass ich zulange auf zu dĂŒnnem Eis gegangen bin und auch eingebrochen bin. Auch Siebener können durchaus einbrechen, und die meistens lernen nur dadurch etwas ĂŒber ihren Charakter.

Ein Standardsatz, den wir ĂŒber Typ Nr. 7 sagen, ist, dass es ihnen leicht fĂ€llt, Dinge anzufangen, aber schwer, sie durchzuhalten und abzuschließen?
Das kommt daher, dass es ja so viele tolle Möglichkeiten gibt. Und die Begeisterung, die ist am Anfang wirklich da, die ist auch echt. Nur wenn die Dinge lange dauern, oder sich anders entwickeln, als ich mir das vorgestellt habe, oder wenn sie mĂŒhsam werden oder der Weg sich in einen steinigen verwandelt, dann kann die Nr. 7 schnell die Lust verlieren an solchen Dingen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sie verschiedene Dinge parallel laufen lĂ€ĂŸt, und von einem Pferd aufÂŽs andere springt, je nachdem, welches grad vorne ist.

Damit wir, wenn das Sitzen auf einem Pferd langweilig wird, wenigstens im schnellen wechseln eine gewisse Spannung haben? Das wĂ€re ja auch ein guter Ratschlag fĂŒr Sieben , die innerhalb ihrer Dynamik effektiv sein wollen, die Pferde schnell zu wechseln, wenn die Dinge langweilig werden.
Ich kenne Siebener, die sehr stolz darauf sind, so vielseitig zu sein, von jedem ein bißchen zu können aber nichts richtig, das sind so die Generalisten. Auf der einen Seite ist das ein Vorteil, weil ich von vielen Gebieten eine gewisse Ahnung habe und auch VerknĂŒpfungen herstellen kann. Auf der anderen Seite ist das aber auf die Dauer sehr unbefriedigend, weil die Substanz und die Tiefe irgendwo fehlt, und wenn ich dann einem Experten gegenĂŒber sitze, der nimmt mich dann in drei SĂ€tzen auseinander und das ist dann beschĂ€mend.

Welchen Ratschlag wĂŒrdest Du einem Partner einer Nr. 7 geben wollen? Wie pflegen wir unseren Siebener-Hamster?
Zum einen: die Sieben wenig begrenzen. Was eine Sieben nervt, ist, ĂŒber alle möglichen Schritte Rechenschaft ablegen zu mĂŒssen oder dem Partner alles transparent machen zu mĂŒssen. Mit Begrenzung, EinschrĂ€nkung durch den Partner, tut die Sieben sich schwer. Eine gute Möglichkeit ist folgende: wenn bei einer TĂ€tigkeit viel Begeisterung und Enthusiasmus da ist und der Partner das unterstĂŒtzt, kann und sollte der Partner dann aber auch gewisse Dinge einklagen, zum Beispiel darauf bestehen: “Das haben wir aber vereinbart”, wenn die Nr. 7 anfĂ€ngt mit ” jetzt wirdÂŽs langweilig, komm machen wir lieber etwas anderes”. Ich denke, die Nr. 7 braucht es, dass ihr ab und zu der Kopf gewaschen wird in der Richtung: “Komm jetzt mal wieder auf den Boden”.

Welche Reaktion hat der Partner von “seiner” Nr. 7 dann zu erwarten?
Ein großes Repertoire, angefangen von heftigem Widerstand, ĂŒber Selbstverteidigung bis hin zum Eingestehen und der Übereinkunft, ” In Ordnung, wir machen das “. Im Grunde ist es einer Nr. 7 eine große Hilfe, wenn er jemanden hat, der ihm sagt ” Ich liebÂŽ Dich trotzdem, aber jetzt kommÂŽmal wieder runter auf den Boden.

Was hilft einer Nr. 7, sich zu entwickeln? Wie kann ein Partner bei der VerÀnderung assistieren?
Bei der Frage strĂ€ubt sich etwas bei mir, weil ich es gerne fĂŒr mich selbst machen möchte und wenn ich Hilfe brauch, dann sage ich das dann, oder wenn ich einen gewissen Rahmen brauche, wenn ich z.B. gerne ein Zimmer fĂŒr mich alleine hĂ€tte, dann sage ich das auch und erwarte dann vom Partner eine gewisse Toleranz.

Du sagst, Du möchtest es am liebsten selbst tun. Was hilft einer Nr. 7, in einen SelbstverÀnderungsprozess einzutreten?
Ein ganz praktischer Schritt wĂ€re, mehr Ruhe ins Leben zu bringen. Ich hatte frĂŒher panische Angst, wenn ich Zeit fĂŒr mich alleine hatte. Da war nichts los, was soll ich da tun, da lĂ€uft ja nichts, langweilig. Und ich glaube, eine Nr. 7 muss lernen, die Schrittgeschwindigkeit runterzunehmen und weniger Projekte anzunehmen, um Zeit fĂŒr sich selber zu haben und zwar fĂŒr sich selbst alleine ( Sicherheitspunkt Nr.5 ). Das kann spazierengehen sein, ein Buch lesen, meditieren. Wobei beim Meditieren eine FĂŒlle von Gedanken kommen, die zu reduzieren fĂŒr die Nr. 7 am Anfang besonders schwierig ist.

Welche weiteren Entwicklungshinweise hĂ€ttest Du fĂŒr die Nr. 7?
Es scheint mir sehr wichtig, von der FĂŒlle der Gedanken, die in meinem Kopf sind, auch etwas meiner Umwelt mitzuteilen. Ich teile nicht viele meiner Gedanken meiner Umwelt mit, obwohl das sehr wichtig wĂ€re. Wobei es dann aber auch erlaubt sein mĂŒsste, wirklich alle Gedanken auszubreiten, ohne dass das gleich gerichtet oder beurteilt wird oder gleich in eine sinnvolle Handlung ĂŒberfĂŒhrt werden muss.

Ich höre das FĂŒnferthema des RĂŒckzugs als Entwicklungsmöglichkeit, das vermutlich erst einmal zum Erleben von Angst fĂŒhrt, ein Engpaß, durch den ihr Siebenen durchmĂŒĂŸt. Außerdem höre ich die Notwendigkeit, der Welt mitzuteilen, was da isoliert im eigenen Kopf vor sich geht.
Ja, ich bezeichne es so: die Gedanken inÂŽs Unreine sprechen zu können, und dann ein StĂŒck weiterzugehen, auch die Empfindungen auszudrĂŒcken, die ich habe, da tut sich die Nr. 7 auch schwer. Ich kann zwar schön mit Worten jonglieren, aber das reprĂ€sentiert nicht unbedingt die eigene GefĂŒhlslage.

Du deutest auf Dein Herz. Was hat Dir geholfen, GefĂŒhle auszudrĂŒcken?
Den Raum zu haben, auch solche GefĂŒhle auszusprechen, die vielleicht unmöglich wĂ€ren oder Gedanken, denen ich mich schĂ€men wĂŒrde, die ich normalerweise nur fĂŒr mich behalte. Durch das Aussprechen dieser Gedanken und GefĂŒhle löste sich manches.

Die höheren Aspekte von Nr. 7 sind ” NĂŒchternheit” und “Arbeit “. Könntest Du diese aus Deiner Sicht kommentieren, und vielleicht ĂŒber Erfahrungen sprechen, die Du damit gemacht hast?
Ja. NĂŒchternheit geht in die Richtung, sich selbst zu limitieren, BeschrĂ€nkungen aufzuerlegen und auch in Situationen zu drinzubleiben, die unangenehm sind, nicht abzuhauen, wirklich dazubleiben, nicht nur auszuhalten sondern zu schauen, wie bewĂ€ltige ich diese Situation. Der Impuls meines Musters ist Flucht, fort, je schneller ich mich bewege, um so weniger kriegt man mich. Dazubleiben, standzuhalten, kostet sehr viel Überwindung (Arbeit), vor allem fĂŒr die darin ungeĂŒbte Sieben. Ich habe dann aber die Erfahrung gemacht, dass oftmals das, was nach meiner Meinung an Unangenehmem auf mich zu kommt, gar nicht so unangenehm ist. Und wenn ich da durch bin, dann bin ich auch in gewisser Weise stolz, dass ich das geschafft habe.

Durch das Drinbleiben in scheinbar unangenehmen Situationen (Arbeit) kannst Du die Situation sehen, wie sie wirklich ist ( NĂŒchternheit). Haben wir irgendein wichtiges Thema vergessen?
Ein großes Thema von Nr. 7 ist auch die Trauer, die eben aufgrund der Struktur nicht ausgelebt wird. Auf einem der Helen Palmer Professional Trainings konnte ich mich diesem Thema plötzlich nicht mehr entziehen, und da bin ich in ein ziemliches Loch hineingefallen. Ich habe gemerkt, dass ich einen ziemlichen Trauerberg, der nicht bearbeitet ist, da sitzen habe. An gewissen Punkten, z.B. wenn ein Elternteil stirbt, dann wird das nochmal viel deutlicher und viel massiver und da ist es dann wichtig, das zu bearbeiten.