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Interview – Typ 7

Dieser Typ gehört zu dem Zentrum der Kopftypen mit dem zentralen Thema Angst.
Typ 7 hat genausoviel Angst vor der Welt wie die Fünf. Er versucht aber, dieser Angst zu entgehen, indem er sich mental in immer neue angenehme Situationen hineinversetzt oder bestehende Situationen mental verschönt. Auch Schmerz versuchen die Siebenen auf diese Weise zu umgehen, allerdings auf Kosten jeder tieferen menschlichen Beziehung.

Die mündliche Tradition

Eingeleitet wird ein Interview nach der mündlichen Tradition typischerweise mit einer kurzen Geschichte (aus dem Leben) dieses Typs. Die Geschichten stammen aus der Feder eines Vertreters/Vetreterin dieses Typs,  sind also „typisch“. Deshalb kann es durchaus sein, dass manche Themen / Situationen Sie als Leser (überhaupt) nicht ansprechen  vielleicht sogar Verwunderung auslösen. Beim Lesen des Interviews „klärt“ sich das für Sie als Leser vielleicht auf.

Die Geschichte

Denke an eine Zeit, als Du etwas ängstlich warst, ob Du eine Dir gestellte Aufgabe gut erfüllen kannst. Du fühlst das Gefühl der Angst in Deinem Körper.

Jetzt richte Deine Aufmerksamkeit davon weg, und mit deiner Vorstellungskraft stell Dir etwas sehr Angenehmes vor, was in der Zukunft liegt. Geh in diese Vorstellung hinein und stell Dir vor, wie wunderbar und erfüllend diese Erfahrung sein wird. Schau´ Dir die Farben an, riech´ die Gerüche, hör´ die angenehmen Töne. Empfinde die Gefühle. Oh, es ist so angenehm.

Plötzlich bemerkst du, wie das Licht klar auf einen schönen Gegenstand fällt.Und wie wunderschön er ist. Und Du bemerkst die wunderschönen Lichtmuster auf seiner Oberfläche, und das erinnert Dich an etwas anderes wunderbares. Und dann bemerkst Du etwas anderes aus deinem Augenwinkel heraus, und wie fantastisch das ist. Und das läßt eine Erinnerung aufkommen an eine Situation, in der es Dir sehr gut ging, und Du genießt diese schöne Zeit.

Inzwischen hast Du völlig vergessen, was Dir Angst macht. Wenn Du dazu zurückkommst, fühlst Du Dich inkompetent.und hast Angst.

Aber dann erinnerst Du dich, dass Du alles tun kannst, wenn Du nur daran glaubst. Keine große Sache. Und wenn Angst kommt, oder Dir langweilig wird, kannst Du immer noch an morgen denken, was für ein wundervoller Tag das sein wird. Wieviel Spaß Du haben wirst, welche tollen Pläne es anzugehen gilt. Ist das Leben nicht großartig?

 

Das Interview

Was an der Geschichte erscheint Dir typisch oder bekannt?
Gut beschrieben war die Grundstrategie der Schmerzvermeidung. Wenn ich ein unangenehmes Gefühl habe oder meine, es kommt etwas Unangenehmes auf mich zu, dann gibt es diese Flucht in schöne Ereignisse, sei es eine Flucht in etwas aus der Vergangenheit, sei es in die Zukunft, in Dinge, auf die ich mich freue und mir dann in den schönsten Farben vorstellen kann, wobei die Beschreibung in der Geschichte doch etwas nach Hollywood klingt.

Nun, sie wurde auch von kalifornischen Siebenern geschrieben. Welcher Teil war “Hollywood” und wie ist die “deutsche” Form davon?
Diese Farben, dieses Schillern, so ein Stück Verklärung oder Heiligenschein, das scheint mir als ” Hollywood “. Gut, da hat einer seine Gefühle beschrieben, wie sie vielleicht so sein können….

Aber die Grundlinie ist die, dass man sich positiven Ereignisse ausmalt oder vergegenwärtigt, sowohl zukünftige als auch vergangene?
Ja, sich Dinge aus der Vergangenheit herholen und wieder angucken, das kann sehr präsent sein.

Wie machst Du Dir das so präsent?
Über Bilder, es ist im Prinzip eine Kopfarbeit. So wie im Kino eine Projektionsleinwand, und dann ist alles wieder da.

Eine Projektion von nicht gegenwärtigen Ereignissen, die Spaß machen, angenehm sind, in die man eintauchen kann. Spielt die Gegenwart auch eine Rolle?
Da hat die Nr.7 gewisse Schwierigkeiten, im Hier und Jetzt zu sein. Wenn die Gegenwart unerfreulich ist, dann halte ich das ein stückweit aus. Aber nur dann, wenn ich weiß, dass das irgendwann zu Ende ist und wieder etwas Angenehmes kommt. Wenn es angenehm oder schön ist, dann besteht die Tendenz ” wie kann ich es noch besser gestalten “, aber das passiert auch wieder im Kopf.

Du würdest also selbst bei einem angenehmen Ereignis in irgendeine andere Zeit gehen, um es noch angenehmer zu gestalten?
Ja, es braucht fast schon eine Anstrengung, und ich muss es mir sehr bewußt machen, mir mal zu sagen: “Jetzt ist das schön, jetzt ist das gut, jetzt laß es so !”

Und es nicht im Geiste noch schöner machen zu wollen?
Oder die Defizite der Situation wahrzunehmen: es könnte ja noch schöner sein, wenn das und jenes noch dabei wäre.

Aber es ist nicht eine Sehnsucht dabei oder ein trauriges Gefühl “Ich habe nicht, wonach ich mich sehne”, wie Typ Nr. 4 es haben würde?
Nein, mehr die Vorwegnahme des Positiven, oder wie kann ich da noch mehr daraus machen, wie kann ich das noch steigern.

Ist es das, was was wir bei Nr. 7 mit dem Stichwort “Planung” (mentale Fixierung) bezeichnen, die Vorwegnahme von Dingen, wie man sie noch schöner machen könnte?
Ich sehe darin eher diese Maßlosigkeit (emotionale Fixierung), dieses “mehr ist besser und noch mehr ist noch besser”.

Könnest Du diese Maßlosigkeit etwas näher beschreiben? Wie zeigt sie sich Deinem Leben oder im Leben einer Nr. 7 allgemein?
Es hängt zum einen damit zusammen, keine Limitierungen, Begrenzungen zu haben oder zu akzeptieren. Außerdem hängt es zusammen mit dem Glauben, dass es noch weiter gehen kann, dass es noch mehr davon gibt. Warum sich mit Wenigem begnügen, wenn es noch mehr gibt. Das kann sich auf alle Bereiche beziehen, sei es in der Partnerschaft, sei es in der Arbeit. Siebener können auch workoholics (Arbeitssüchtige) sein, solange es Spaß macht, solange es interessiert, solange es irgendwo so eine Komponente von Faszination hat. Für mich ist das so ein Stück Faszination, Dingen nachzugehen und weiter und weiter zu schauen, und nicht an einen Endpunkt zu kommen, an dem man sagt ” Es mag noch mehr geben, aber es interessiert mich jetzt nicht “. Es ist wie eine Unruhe, ein Antrieb, es noch weiter zu treiben.

Wie würdest Du dann das Stichwort der “Planung” beschreiben?
Das ist etwas, was mir praktisch ständig präsent ist. Es gibt kaum Momente am Tag, wo das Gehirn nicht irgendetwas plant oder versucht, Zusammenhänge herzustellen oder an Problemen zu arbeiten. Ich arbeite ungefähr so an Problemen (Arbeitsstil): ich nehme eines auf, arbeite das durch, lege das ab, dann kommt das nächste und nach zwei Stunden nehme ich den ersten Ordner wieder auf und plane weiter. Besonders gut funktioniert dieser Stil, wenn ich auf Reisen bin, wenn ich auch Zeit habe dafür, oder beim Autofahren.

Der Geist geht ständig hin und her auf verschiedene Bereiche, wo man ein Stück weiterplanen kann, und dann läßt man das wieder liegen und macht mit etwas anderem weiter?
Ja, und es gibt dann ständig Dinge im Leben, die noch unerledigt sind, die ich noch machen möchte und ich plane und plane. Ich kann dann sozusagen eine Problemsituation abwarten, ich warte dann nur auf gewisse Gelegenheiten, und wenn diese dann eintreten, dann habe ich im Prinzip alles schon parat.

Alles ist bereits geplant, sodass Du vorbereitet bist, wenn die Realität dann eintritt. Wie bist Du, wenn die Dinge langweilig werden, oder besser gesagt, wenn sie stetig werden?
Ich reagiere unterschiedlich, ich kann sehr unleidlich werden, unzufrieden, mürrisch. Routine verdirbt den Spaß am Leben.

Aha, einige Leute würden sagen, Routine ist die Essenz des Lebens, schön, wenn man Dinge wiederholen kann?
(lacht) Bis zu einem gewissen Grad ja, aber irgendwann wird es langweilig. Es ist ist natürlich so ein Lernprozess der Nr. 7 zu akzeptieren, dass Routine zum Leben auch dazugehört.

Aber das muss gelernt werden, das ist im Ansatz nicht drin.
Ich muss mir das bewußt machen, dass auch gewisse Pflichten einfach dazugehören, die sich wiederholen, das ist so. Und das ist dann meistens so eine Art von Durchleiden dieser Zeit, natürlich kommt dann auch wieder etwas anderes.

Können wir ein bisschen über Leid und Angst sprechen? Weil auch in der Geschichte das Thema Angst angesprochen war. Auch im Vorgespräch sagtest Du , Angst und Leid seien Dir früher nicht so bewußt gewesen, kannst Du das ein bißchen kommentieren?
Früher habe ich das Leben sehr positiv betrachtet, und auch Dinge, die mir widerfahren sind, Rückschläge oder auch leidvolle Erfahrungen, habe ich relativ schnell abgeschüttelt, weil dann wieder etwas Neues kam. Mir war das also gar nicht bewußt, dass ich Angst habe. Mein Vater war eine Nr.6 und ich hab mich über ihn aufgeregt, weil er ständig darüber nachdachte, was alles Schlimmes passieren könnte. Ich dachte, mir passiert nichts, das war meine Einstellung, naiv, mir passiert nichts, es wird alles gut. Erst im Bewusstwerden der eigenen Struktur wurde mir klar, dass ich Leid aus dem Wege gehe. Erst in dieser Bewusstmachung habe ich auch verstanden, wieviele Anstrengungen ich unternehme, um dem Leid aus dem Wege zu gehen. Nochmal zurück zur Angst. Wenn gewisse Ereignisse im Leben eintreten, bei denen ich zugeben muss: “da ist jetzt meine Grenze und ich stehe praktisch nackt da”, dann ist das eine Chance für mich als Nr.7 zu fragen, wie sieht die Realität wirklich aus, nicht nur in meinem Kopf, sondern wieviel lebe ich überhaupt in der Realität ? Und dann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich sehr große Existenzängste habe, aber ich habe mich ab dann auch dementsprechend verhalten können, indem ich vorgesorgt habe, indem ich meinen Kopf einmal nicht für die Planung schöner Optionen, sondern für die Frage genutzt habe, was würde passieren, wenn… Ich habe dann wirklich geplant, mich vorbereitet, es war so ein halbes Sechser-Szenario. Erst wenn die Nr. 7 auf die Nase fällt oder richtig eine drauf bekommt, zur Besinnung kommt, dann wacht sie auf oder hat die Chance aufzuwachen.

Ich finde es sehr interessant, wie Du die Fähigkeit oder den Zwang, Dinge im Geiste positiv vorwegzunehmen, an so einem Wachstumspunkt in Richtung auf die Nr. 6 verändert hast: den möglichen negativen Verlauf der Dinge vorwegzunehmen und dann ein Sicherheitsprogramm zu planen, was im Falle X zu tun ist.
Da kommt mit die Einstellung zu Hilfe: “Wie gehe ich dem Leid aus dem Weg”. Ich kann mir ganz gut vorstellen, was auf mich an unangenehmen Dingen zukommen könnte, eine schmerzvolle Erfahrung, eine Trennung. Aber ich plane allerhand, um vorzusorgen, damit der Schmerz nicht so groß wird. Angenommen zum Beispiel, ich würde mich jetzt vom Partner trennen wollen, dann würde ich im Vorfeld schon verschiedene andere Beziehungen beginnen, um Alternativen zu haben, damit der Schmerz der Trennung nicht so groß ist.

Es sieht also an der Oberfläche nur so aus wie die Suche nach Spaß, aber in der Tiefe ist es die Vermeidung von Schmerz?
Ja.

Auf die Gefahr der möglichen Wiederholung, aber wie würde eine Nr. 7 , die ihr Selbststudium beginnt, herausfinden können, dass sie eine Nr. 7 ist?
Dadurch, dass sie von anderen Leuten gewisse Eigenarten gespiegelt bekommt, vorausgesetzt, dass sie das auch annehmen kann. Es ist die große Gefahr bei der Nr. 7 , dass sie sagt :”Das hat alles nichts mit mir zu tun, das betrifft mich alles nicht”. Wenn ich dagegen annehmen kann, was andere Menschen über mich sagen, und damit ein Stück nüchterner (höherer emotionaler Zustand) werde, dann ist die Chance da, mich zu verändern. Nur, was treibt mich als Nr. 7 dazu, warum soll ich mich überhaupt ändern, es läuft doch alles gut, das Leben läuft wunderbar aus der Sicht der Nr. 7, also wieso soll ich mich ändern?

Es wäre also für die Nr. 7 vielleicht besonders schwierig, einen Prozeß des Selbststudium zu beginnen, weil die Motivation dafür fehlt. Es ist ja alles wunderbar und nur dann, wenn es zum einen Spiegelungen oder Rückmeldungen aus der Umgebung gibt und diese andererseits auch angenommen werden können, fängt so ein Prozeß überhaupt erst an. Wie würde eine Nr. 7 sich verteidigen, um Rückmeldungen aus der Umgebung nicht anzunehmen?
Ich sag´s mal übertrieben, indem man den anderen für verrückt erklärt. Es stimmt doch alles nicht, was Du sagst, es trifft auf mich nicht zu.

Und Du würdest sehr viel Energie und Intelligenz in die Begründungen hineinlegen können, warum die Position des anderen nicht stimmt?
Ja, und ich denke, da sind die Siebener argumentativ recht gut drauf, aufgrund des schnellen Denkens, das sie haben, und aufgrund der Fähigkeit, sich aus Unangenehmem herauszureden ( Rationalisierung als Abwehrstrategie ).

Das Denken ist schnell, und im Grunde seid Ihr immer schneller in der Begründung, warum die Position des anderen nicht stimmt und von daher die Rückmeldung nicht angenommen werden muss. Was würde eine Nr. 7 dann dazu bringen, Rückmeldung anzunehmen, oder Begrenzung, Limitierung zu sehen?
Wenn mir die Person sehr nahe steht, wenn ich merke, da ist ein vertrauter Raum da und der andere möchte mich nicht verbessern oder belehren oder an mir herumdrehen, sondern ich spüre, dass er es wirklich gut mit mir meint, und ich wegen der Rückmeldung oder wegen meiner möglichen Angst oder wegen des Schmerzes auch nicht aus der Partnerschaft oder der Beziehung rausfalle, dann kann ich mir anhören, was der andere sagt. Es ist eine Grundstruktur der Nr.7, sich aufgrund des Positiven, der Fröhlichkeit usw. die Streicheleinheiten und Anerkennung des anderen zu holen. Ich habe dementsprechend oft die Erfahrung gemacht, wenn ich plötzlich anders bin als die Welt mich kennt, dann wird gesagt ” Was ist mit Dir los, bist Du krank” , es kommen dann also unterschwellige Botschaften wie: ” So wollen wir Dich nicht haben “. Aber diese nicht fröhliche Seite ist ja auch in mir da, aber ich lebe sie nicht oder ich darf sie nicht leben. Vielleicht meine ich auch nur, ich darf sie nicht leben. Wenn aber so ein Raum der Vertrautheit da ist, wo ich auch diese Seite leben kann und merke, dass ich deswegen nicht abgelehnt werde, dann getrau´ ich mir das, Stück für Stück, sehr vorsichtig. Da habe ich von früher her so eine Vorsicht, wieweit ich mich da raustrauen kann.

Ein Partner könnte Dir also in Deiner Entwicklung helfen, indem er diese Seite auch sieht und deutlich macht, dass er in der Partnerschaft bleibt und dass er Dich auch mag und Dir Zuwendung geben kann, wenn Du in dem “negativen” Teil bist?
Ja.

Wir haben über die Unmäßigkeit und das Planen der Nr. 7 gesprochen. Wie macht sich das in der Partnerschaft bemerkbar?
Am Beginn einer Partnerschaft oder in dieser Phase des Verliebtseins, da gibt es noch “die eine” Partnerin und die Maßlosigkeit kommt dann darin zu Ausdruck, dass ich sie voll und ganz für mich haben möchte. Ich kann mich auch erinnern, dass am Anfang sehr viel Eifersucht im Spiel war, ich dachte empört: “Ich genüge doch” und es gab so ein Stück “Du gehörst mir allein”, “wir machen alles miteinander” , so wie im Märchen , “und wenn sie nicht gestorben sind….”.

Es wird außerdem viel geplant und es werden auch Zukunftsträume geschmiedet, “Dies und jenes könnt man noch tun, sich z.B. beruflich verändern”, und wenn man diese Gedanken nachher auf den Realitätsgehalt prüft, bleibt oftmals nicht viel übrig.

Das ist auch eine der Beschwerden, die ein Freund oder Beziehungspartner dann anmeldet?
Ja, “Du redest viel aber Du setzt es nicht um”. Und auf der einen Seite ist die Beziehung mit einer Sieben für den Partner sehr anregend, aber wenn da nichts realisiert wird oder nur im Kopf oder in der Planung bleibt, dann ist es für den Partner nicht sehr erfreulich. Mir ist es außerdem so gegangen, dass gewisse Träume einfach zerplatzen und ich mich dann in einer Situation wiederfinde, wo es dann so offensichtlich ist, dass ich zugeben muss: ” Es ist nicht so, oder es ist weit entfernt von dem, was ich mir erträumt hatte”. Ich kann dann aber wieder sehr viel Energie da hinein stecken, mir etwas Neues aufzubauen. In der Fähigkeit, Energie auf bestimmte Ziele hin zu fokussieren, bin ich nicht weit von der Nr.3 entfernt, es muss nur ständig anregend bleiben, sonst ist meine Motivation dahin.

Wie machen sich die Grundeigenschaften von Nr. 7 in Arbeitsbeziehungen bemerkbar?
Die Nr. 7 möchte dem Gesprächspartner gegenüber immer kompetent erscheinen und als solches geachtet werden, wobei die Kompetenz manchmal sehr dünn ist. Ich erinnere mich an einen Fall, wo ich in ein neues Arbeitsfeld gekommen bin und nach 4 Wochen musste ich Fabrikanlagen anschauen. Ich hatte keine Ahnung, Null Ahnung, von Werkstoffen. Aber ich habe alles inspiziert und geschaut und meine Kommentare abgegeben. Keiner hat gemerkt, dass ich keine Ahnung hatte. Manchmal bezeichnet man die Nr. 7 ja auch als Scharlatan: wir haben so eine Fähigkeit, aus ein paar Fakten etwas Gutes darzustellen, mit einem entsprechenden Fachvokabular. Vor 2 Jahren allerdings, als ich wieder einen neuen Arbeitsbereich angefangen habe, kam dann eher die Einserqualität zum Tragen, mein Stresspunkt, da wollte ich alles perfekt lernen, mich total kundig machen. Vielleicht hängt das aber auch damit zusammen, dass ich zulange auf zu dünnem Eis gegangen bin und auch eingebrochen bin. Auch Siebener können durchaus einbrechen, und die meistens lernen nur dadurch etwas über ihren Charakter.

Ein Standardsatz, den wir über Typ Nr. 7 sagen, ist, dass es ihnen leicht fällt, Dinge anzufangen, aber schwer, sie durchzuhalten und abzuschließen?
Das kommt daher, dass es ja so viele tolle Möglichkeiten gibt. Und die Begeisterung, die ist am Anfang wirklich da, die ist auch echt. Nur wenn die Dinge lange dauern, oder sich anders entwickeln, als ich mir das vorgestellt habe, oder wenn sie mühsam werden oder der Weg sich in einen steinigen verwandelt, dann kann die Nr. 7 schnell die Lust verlieren an solchen Dingen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sie verschiedene Dinge parallel laufen läßt, und von einem Pferd auf´s andere springt, je nachdem, welches grad vorne ist.

Damit wir, wenn das Sitzen auf einem Pferd langweilig wird, wenigstens im schnellen wechseln eine gewisse Spannung haben? Das wäre ja auch ein guter Ratschlag für Sieben , die innerhalb ihrer Dynamik effektiv sein wollen, die Pferde schnell zu wechseln, wenn die Dinge langweilig werden.
Ich kenne Siebener, die sehr stolz darauf sind, so vielseitig zu sein, von jedem ein bißchen zu können aber nichts richtig, das sind so die Generalisten. Auf der einen Seite ist das ein Vorteil, weil ich von vielen Gebieten eine gewisse Ahnung habe und auch Verknüpfungen herstellen kann. Auf der anderen Seite ist das aber auf die Dauer sehr unbefriedigend, weil die Substanz und die Tiefe irgendwo fehlt, und wenn ich dann einem Experten gegenüber sitze, der nimmt mich dann in drei Sätzen auseinander und das ist dann beschämend.

Welchen Ratschlag würdest Du einem Partner einer Nr. 7 geben wollen? Wie pflegen wir unseren Siebener-Hamster?
Zum einen: die Sieben wenig begrenzen. Was eine Sieben nervt, ist, über alle möglichen Schritte Rechenschaft ablegen zu müssen oder dem Partner alles transparent machen zu müssen. Mit Begrenzung, Einschränkung durch den Partner, tut die Sieben sich schwer. Eine gute Möglichkeit ist folgende: wenn bei einer Tätigkeit viel Begeisterung und Enthusiasmus da ist und der Partner das unterstützt, kann und sollte der Partner dann aber auch gewisse Dinge einklagen, zum Beispiel darauf bestehen: “Das haben wir aber vereinbart”, wenn die Nr. 7 anfängt mit ” jetzt wird´s langweilig, komm machen wir lieber etwas anderes”. Ich denke, die Nr. 7 braucht es, dass ihr ab und zu der Kopf gewaschen wird in der Richtung: “Komm jetzt mal wieder auf den Boden”.

Welche Reaktion hat der Partner von “seiner” Nr. 7 dann zu erwarten?
Ein großes Repertoire, angefangen von heftigem Widerstand, über Selbstverteidigung bis hin zum Eingestehen und der Übereinkunft, ” In Ordnung, wir machen das “. Im Grunde ist es einer Nr. 7 eine große Hilfe, wenn er jemanden hat, der ihm sagt ” Ich lieb´ Dich trotzdem, aber jetzt komm´mal wieder runter auf den Boden.

Was hilft einer Nr. 7, sich zu entwickeln? Wie kann ein Partner bei der Veränderung assistieren?
Bei der Frage sträubt sich etwas bei mir, weil ich es gerne für mich selbst machen möchte und wenn ich Hilfe brauch, dann sage ich das dann, oder wenn ich einen gewissen Rahmen brauche, wenn ich z.B. gerne ein Zimmer für mich alleine hätte, dann sage ich das auch und erwarte dann vom Partner eine gewisse Toleranz.

Du sagst, Du möchtest es am liebsten selbst tun. Was hilft einer Nr. 7, in einen Selbstveränderungsprozess einzutreten?
Ein ganz praktischer Schritt wäre, mehr Ruhe ins Leben zu bringen. Ich hatte früher panische Angst, wenn ich Zeit für mich alleine hatte. Da war nichts los, was soll ich da tun, da läuft ja nichts, langweilig. Und ich glaube, eine Nr. 7 muss lernen, die Schrittgeschwindigkeit runterzunehmen und weniger Projekte anzunehmen, um Zeit für sich selber zu haben und zwar für sich selbst alleine ( Sicherheitspunkt Nr.5 ). Das kann spazierengehen sein, ein Buch lesen, meditieren. Wobei beim Meditieren eine Fülle von Gedanken kommen, die zu reduzieren für die Nr. 7 am Anfang besonders schwierig ist.

Welche weiteren Entwicklungshinweise hättest Du für die Nr. 7?
Es scheint mir sehr wichtig, von der Fülle der Gedanken, die in meinem Kopf sind, auch etwas meiner Umwelt mitzuteilen. Ich teile nicht viele meiner Gedanken meiner Umwelt mit, obwohl das sehr wichtig wäre. Wobei es dann aber auch erlaubt sein müsste, wirklich alle Gedanken auszubreiten, ohne dass das gleich gerichtet oder beurteilt wird oder gleich in eine sinnvolle Handlung überführt werden muss.

Ich höre das Fünferthema des Rückzugs als Entwicklungsmöglichkeit, das vermutlich erst einmal zum Erleben von Angst führt, ein Engpaß, durch den ihr Siebenen durchmüßt. Außerdem höre ich die Notwendigkeit, der Welt mitzuteilen, was da isoliert im eigenen Kopf vor sich geht.
Ja, ich bezeichne es so: die Gedanken in´s Unreine sprechen zu können, und dann ein Stück weiterzugehen, auch die Empfindungen auszudrücken, die ich habe, da tut sich die Nr. 7 auch schwer. Ich kann zwar schön mit Worten jonglieren, aber das repräsentiert nicht unbedingt die eigene Gefühlslage.

Du deutest auf Dein Herz. Was hat Dir geholfen, Gefühle auszudrücken?
Den Raum zu haben, auch solche Gefühle auszusprechen, die vielleicht unmöglich wären oder Gedanken, denen ich mich schämen würde, die ich normalerweise nur für mich behalte. Durch das Aussprechen dieser Gedanken und Gefühle löste sich manches.

Die höheren Aspekte von Nr. 7 sind ” Nüchternheit” und “Arbeit “. Könntest Du diese aus Deiner Sicht kommentieren, und vielleicht über Erfahrungen sprechen, die Du damit gemacht hast?
Ja. Nüchternheit geht in die Richtung, sich selbst zu limitieren, Beschränkungen aufzuerlegen und auch in Situationen zu drinzubleiben, die unangenehm sind, nicht abzuhauen, wirklich dazubleiben, nicht nur auszuhalten sondern zu schauen, wie bewältige ich diese Situation. Der Impuls meines Musters ist Flucht, fort, je schneller ich mich bewege, um so weniger kriegt man mich. Dazubleiben, standzuhalten, kostet sehr viel Überwindung (Arbeit), vor allem für die darin ungeübte Sieben. Ich habe dann aber die Erfahrung gemacht, dass oftmals das, was nach meiner Meinung an Unangenehmem auf mich zu kommt, gar nicht so unangenehm ist. Und wenn ich da durch bin, dann bin ich auch in gewisser Weise stolz, dass ich das geschafft habe.

Durch das Drinbleiben in scheinbar unangenehmen Situationen (Arbeit) kannst Du die Situation sehen, wie sie wirklich ist ( Nüchternheit). Haben wir irgendein wichtiges Thema vergessen?
Ein großes Thema von Nr. 7 ist auch die Trauer, die eben aufgrund der Struktur nicht ausgelebt wird. Auf einem der Helen Palmer Professional Trainings konnte ich mich diesem Thema plötzlich nicht mehr entziehen, und da bin ich in ein ziemliches Loch hineingefallen. Ich habe gemerkt, dass ich einen ziemlichen Trauerberg, der nicht bearbeitet ist, da sitzen habe. An gewissen Punkten, z.B. wenn ein Elternteil stirbt, dann wird das nochmal viel deutlicher und viel massiver und da ist es dann wichtig, das zu bearbeiten.