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Interview – Typ 6

Typ 6 ist der zentrale Typ im Kopfzentrum. Die Basiserfahrung der Sechs ist, dass die Welt ein gefährlicher Platz ist, und dass Menschen nicht vertrauenswürdig sind. Daher ist Angst die einzig sinnvolle Emotion, und man kann sich im Grunde nur auf die eigenen Strategien zur Gefahrenabwehr verlassen, aber auch das ist zweifelhaft. Sechsen können ihre Angst lange vor sich verbergen, wenn sie sich völlig mit ihren Angstabwehrstrategien identifiziert haben.

Die mündliche Tradition

Eingeleitet wird ein Interview nach der mündlichen Tradition typischerweise mit einer kurzen Geschichte (aus dem Leben) dieses Typs. Die Geschichten stammen aus der Feder eines Vertreters/Vetreterin dieses Typs,  sind also „typisch“. Deshalb kann es durchaus sein, dass manche Themen / Situationen Sie als Leser (überhaupt) nicht ansprechen  vielleicht sogar Verwunderung auslösen. Beim Lesen des Interviews „klärt“ sich das für Sie als Leser vielleicht auf.

Die Geschichte

Ich habe vor, einen Freund an einem neuen Einkaufszentrum zu treffen. Ich komme fünf Minuten zu früh. Wir hatten vereinbart, uns am Haupteingang zu treffen, aber ich finde heraus, daß es zwei Eingänge gibt, die wie Haupteingänge aussehen. Ich befürchte, dass ich am falschen Eingang warte, und dass der Freund böse auf mich sein wird. Aber ich will auch nicht zu dem anderen Eingang gehen, weil mein Freund, so befürchte ich, dann vielleicht zu diesem Eingang hier kommen wird und wir uns verpassen, weil ich den Standort gewechselt habe.

Jetzt sollte der Freund hier sein , aber er ist noch nicht da. Ich beginne, mich zu fragen, ob es der richtige Tag ist, oder die richtige Zeit, oder das richtige Einkaufszentrum und nicht das andere neue am anderen Ende der Stadt. Panik kommt auf. Ich habe nicht genug Zeit, um zu dem anderen Einkaufszentrum zu fahren und außerdem bin ich unsicher, ob ich die Verabredung überhaupt richtig verstanden habe. Je länger ich warte, desto mehr bekomme ich Angst, dass ich am falschen Platz bin und er böse auf mich ist.

 

Das Interview

Was an dieser Geschichte erscheint Dir persönlich vertraut oder typisch?
Was stark geklingelt hat ist, dass ich irgendetwas vorhabe, eine Verabredung, ein Treffen, und ich bin da angekommen und habe Zeit nachzudenken und dann gehen alle Alarmglocken an und ich denke :” Bin ich hier am richtigen Ort, ist es der richtige Zeitpunkt “, und es kann sehr gut sein, dass ich mich dann nochmal aufmache und um das ganze Gebäude herumgehe, um zu schauen, ob ich nicht irgendetwas übersehen habe. Ob es eventuell ein anderer Platz ist oder der falsche Eingang. Ich schaue in meinem Kalender noch mal nach und überlege, was ich tun könnte, wenn es sich heraussstellen sollte, dass ich am falschen Platz bin. Es befällt mich dabei ein sehr sehr unangenehmes Gefühl, eine innere Beklemmung, dass es jetzt schief geht und etwas ganz Furchtbares geschieht, ohne dass ich das Furchtbare benennen könnte. Einfach das Gefühl, es passiert etwas Schlimmes jetzt, weil ich irgendetwas falsch gemacht habe, etwas übersehen habe, nicht aufmerksam war, die Kontrolle oder den Überblick nicht über alles gehabt habe.

Du gibst uns in ein paar Sätzen bereits eine ganze Palette von Sechserthemen. Es beginnt mit dem Thema des Zweifelns, ” Bin ich hier am richtigen Platz, ist es der richtige Termin, habe ich einen Fehler gemacht.” Es geht weiter mit dem Versuch etwas zu kontrollieren: “Wenn ich vielleicht im ganzen Supermarkt herumrenne, könnte ich es vielleicht noch richtig hinkriegen.” Und schließlich gibt es ein Gefühl der Beklemmung, das ist nicht gerade richtige Angst, oder ist das Angst?
Das Gefühl der Angst ist für mich sehr breit gefächert. Das Primäre ist für mich der Zweifel. Er bezieht sich auf den Impuls, etwas zu tun, also zum Beispiel den Impuls, irgendwo hinzugehen, und in dem Moment, in dem ich losgehe, stoppe ich mich und bleibe stehen und verharre und überlege: ” War das jetzt richtig, was ich eben gemacht habe”, das heißt ” führt dieser Impuls, den ich da gehabt habe, zu keinem Schaden. Und dann hänge ich mit diesem Impuls in mir dann irgendwie fest (Handlungshemmung wegen Zweifel).

Ich muss meinen spontanen Impuls also überdenken oder bezweifeln, damit ich nicht in gefährliche Situationen hineinstolpere?
Die Befürchtung ist, dass ich etwas unbedacht tue und es passiert etwas Schlimmes dabei. Ich war nicht aufmerksam genug. Ich denke dann zum Beispiel: ” Jetzt gehe ich Situation noch einmal durch beginnend mit dem Punkt, wo ich die Verabredung ausgemacht habe. Ich habe den Termin vielleicht nur im Kopf gehabt. Warum habe ich ihn mir nicht aufgeschrieben, warum haben wir den Treffpunkt nicht genauer bezeichnet. Daß ich es vielleicht vergessen habe. Ich zweifle auch meine eigene Erinnerung an, und wenn sich das Karussell oft genug um diese Erinnerung gedreht hat, dann ist sie meistens auch schon irgendwie genug in Frage gestellt, dass ich es wirklich nicht mehr weiß und damit ist dann das Gefühl bestätigt, dass ich nicht genug aufgepasst habe. Oder ich habe es vielleicht dem anderen nicht richtig gesagt oder ich habe nicht richtig zugehört, der hat vielleicht etwas ganz anderes gemeint, als er gesagt hat und wie ich es verstanden habe. Die Palette dessen, was da schief gehen könnte, ist für mich unheimlich groß.

Du lebst dann ja in einer bröckeligen Welt, in der alles jederzeit zusammenbrechen könnte?
Ja, (lacht), die Welt ist bröckelig. Das ist meine Vorstellung.

Ich höre von Dir, dass Du Dich selbst stark bezweifelst, spielen auch Zweifel an anderen eine Rolle?
Ja, das ist fast das Wichtigere. Wenn ich sehr früh zurückgehe, wo ich mir dieses Mechanismus´ noch nicht sehr bewusst war, da waren es eigentlich die anderen, die ich bezweifelt habe, die mir nicht vertrauenswürdig und als unzuverlässig erschienen. Es war mir “klar”, dass die anderen hinten nicht so sind wie sie vorneherum tun. Manchmal nicht unbedingt aus Heimtücke oder aus Absicht, sondern weil sie vielleicht nicht genug über sich wissen, das war meine Fantasie.

Also nicht aus Bosheit, sondern aus Dummheit (beide lachen). Aber Deine Haltung war nicht : “Ich bezweifle Deine schöne Vorderfront” , sondern eher “Es ist klar, dass Du hinter der schönen Fassade etwas anderes, Finsteres hast, was Du vielleicht selbst nicht kennst”?
Wie das Gegenüber jetzt ist, ist ja schön und gut, aber laß uns abwarten, wie es wird, wenn er Stress bekommt und die Situation unangenehm wird. Ich hatte da immer den sehnlichsten Wunsch einen Freund zu haben, mit dem man wirklich schlimme Sachen durchgestanden hat und gesehen hat, der hat standgehalten, es ist nichts passiert, er ist nicht weggebröckelt, denn dann kann Vertrauen da sein.

Solange man mit jemandem noch nicht schreckliche Situationen durchgestanden hat, weiß man nicht, was hinter der Fassade ist, und die Beziehung ist im Grunde nicht vertrauenswürdig, weil man immer noch bezweifeln kann, was sonst noch passieren könnte?
Zeit ist ein wichtiger Faktor, um zu sehen, wie ist der Mensch in allen Facetten. Was man zuerst und an der Oberfläche präsentiert bekommt, ist eigentlich das Unwichtigste. Es interessiert einen als Nr. 6 nicht besonders.

In einer bröckeligen Welt, mit Menschen, die sich unter Stress in unvorhersagbare Gefahren verwandeln können, da ist es sicherlich wichtig, ständig wach und aufmerksam zu sein?
Die Wachheit bezieht sich auf das nach außen Schauen :” Was ist da los, welche Gefahren sind da ? “. Ich habe mittlerweile gemerkt, dass sich diese Wachheit mit Projektionen vermischt. Was ich früher für Aufmerksamkeit und Wachheit und Ausblick nach Gefahren gehalten habe, entpuppt sich so langsam als die eigene Projektionsmaschine. Ich sehe irgendwo am Boden etwas Rutschiges liegen und in dem Moment geht der Film ab, wie ich da drauf trete und ausrutsche und hinfalle und mir etwas breche. Das läuft sehr automatisch ab.

Du siehst eher Deinen eigenen gefährlichen Film als wach wahrzunehmen, was tatsächlich da draußen passiert?
Ich sehe etwas, nehme es wahr und dann stell ich mir vor, es könnte etwas passieren. Dass da etwas am Boden liegt, ist real, und die Vorstellung, was könnte passieren, wer könnte morgen kommen und hier drüber stolpern, an dem Punkt hört es dann auf, real zu sein.

Du hast von den vielfältigen Versionen von Angst gesprochen, die Du kennst. Angst ist fast so ein Tagesgeschäft bei Dir. Wie unterscheidest Du die phobische von der kontraphobischen Form des Umgangs mit Angst?
Ich selbst bin eine kontraphobische Nr. 6. Früher war es so, dass ich all das, was mir Angst gemacht hat, genau das mußte ich machen. Ich habe sehr intensiv eine sehr harte Form von Kampfsport betrieben. Ich hatte immer wahnsinnig Angst davor, kämpfen zu müssen. Ich musste es aber immer wieder machen, weil ich die Gewissheit haben musste, dass ich das überstehe, dass ich da bestehen kann. Und wenn ich es dann getan habe, dann ist eine gewisse Zeit lang Ruhe, bis die Angstvorstellung wieder zu arg wird, dann muss es dann wieder sein.

Heute erlebe ich mehr die phobische Form. Das bedeutet, dass ich viele Dinge, die mir Angst machen, einfach nicht mehr tun kann, auch wenn sie vielleicht ungefährlich sind. Da mache ich einen Riesenbogen drum, und ich vermeide es, wo es geht.

Könntest Du etwas zum Umgang der Nr. 6 mit Erfolg und Mißerfolg sagen?
Erfolg ist etwas ganz ganz Schwieriges. Ich habe so ein schwarzes Loch für Erfolg. Da tu´ ich alle Erfolge hinein. Die werden unmittelbar weggemacht, die verschwinden, erscheinen nicht als Erfolge. Schwierig am Erfolg ist, dass hinter jedem Erfolg so viele Dinge stehen, die nicht 100% sicher sind, jedenfalls nicht so sicher wie sie sein sollten. So viele Unwägbarkeiten, die noch schiefgehen könnten, und wenn ich Erfolg habe, richtet sich der größte Teil meiner Aufmerksamkeit auf das, was jetzt doch noch schiefgehen könnte. Also, wenn ich an einem Punkt bin, den andere vielleicht als Erfolg bezeichnen würden, dann sage ich: “Bis hierhin ist es gutgegangen, und es funktioniert auch recht fein, aber was kommt danach?”

Mißerfolg dagegen ist das Normalste von der Welt. Er entspricht meinen negativen Vorahnungen. Dass die Dinge schiefgehen, ist im Plan vorhanden. Von daher ist für diesen Fall immer ein Plan b, c, und d vorhanden. Ich hab´s erwartet, dann kann ich damit umgehen. Kritik zum Beispiel trifft mich dann nicht so hart, weil: “ich hab´s ja gewusst”.

Zusammengefaßt: woran würde erkennen, dass er eine Nr. 6 ist?
Wenn es schwerfällt, vom Planen zum Handeln zu kommen, in der Weise, dass der Plan immer wieder überdacht wird und der Schritt zum “Jetzt tu ich es” immer wieder vom wiederholten überdenken des Plans auf mögliche Fehler hin verhindert wird, das ist ein gutes Zeichen dafür, daß man eine Nr. 6 sein könnte. Es ist ein bisschen ähnlich wie bei der Nr. 1, aber während die Nr.1 fragen würde: “Ist es meinen eigenen Standards gegenüber richtig und könnte es auch besser sein?” ist meine Motivation eher: “Ist das etwas, das schief laufen könnte, das hinterher zu einem üblen Schaden führen könnte, für mich selbst, für ein Projekt oder für denjenigen, für den ich es tue.

Der Umgang mit spontanen Impulsen ist schwierig. Man läuft zum Beispiel los und stoppt nach zwei Schritten und läuft zurück, um etwas anderes zu machen, was jetzt im Moment wichtiger, d.h. ungefährlicher erscheint, das ist ein wichtiger Punkt, den ich auch immer noch bei mir beobachte.

Außerdem könnte man bemerken, dass man eine Nr.6 ist, wenn man die Umgebung nach Gefahren “abscannt”, d.h. beobachtet, was ist in der Umgebung an Gefährlichem oder Unsicherem. Oder die Themen von Angst und Zweifel mit sich herumträgt, obwohl ich das am Beginn meines Weges gar nicht als Punkte hätte benennen können.

Woran könnte man bemerken, dass der Partner eine Nr. 6 ist?
Daran, dass er die Dinge, die er macht, sehr sicher machen will. Daran, dass er sehr lange plant, wenn er etwas machen will und dann ungern von dem Geplanten abweicht. Vielleicht sogar Stress bekommt, wenn dann plötzlich etwas anders läuft als geplant.

Wie machen sich diese Themen, von denen wir gehört haben, in Beziehungen bemerkbar?
Zunächst möchte ich etwas über Arbeitsbeziehungen sagen. Wichtig ist hier der Umgang mit Autoritäten und Chefs. Der Umgang mit meinem Chef hat für mich sehr lange zu den schwierigsten Dingen gehört. Auf der einen Seite habe ich bemerkt, dass ich einen sehr vertrauenswürdigen Vorgesetzten suche. Je näher andererseits diese Beziehung wurde, desto mehr habe ich Zweifel bekommen. Ich habe begonnen, seine möglichen Schwächen und Ungereimtheiten zu bemerken. Ich habe sie dann mit meiner Fantasie vergrößert und angefangen, ihn zu bezweiflen. Ich habe dann auch versucht, ihn abzusägen oder bloßzustellen. Das ist so ein hin und her: auf der einen Seite ist da so eine Sehnsucht, jemanden vertrauenswürdigen als Chef zu haben, auch eine vertrauenswürdige Hierarchie, auf der anderen Seite der heftige Zweifel daran. Ich arbeite in einer sehr konservativen Firma mit sehr ausgeprägter Hierarchie. Das gibt auf der einen Seite Sicherheit, auf der anderen Seite ist es ein sehr starker Unsicherheitsfaktor, weil ich nicht alle Regelkreise durchblicke.

Wenn ich dagegen der Vorgesetzte bin, habe ich festgestellt, dass ich hin und her schwanke. Einerseits bin ich sehr streng, hart korrigierend, streng auf Regeln achtend und setze Dinge durch. Auf der anderen Seite bin ich schwankend, sehr locker, und lasse Leute machen, was sie wollen. Es fällt mir sehr schwer, einen Mitttelweg zu finden. Die Strenge kommt aus der Angst heraus, dass ich als Vorgesetzter nicht akzeptiert werde. Das Lockere aus der Angst heraus, nicht so arg zu dominieren, damit ich keine Schwierigkeiten mit denen kriege.

Wie könnte Deine Tendenz, Vorgesetzte zu bezweifeln, Dich in Schwierigkeiten bringen?
Ich habe oft das Bedürfnis gehabt, mich beim nächsthöheren Vorgesetzten zu vergewissern, ob eine Sache noch in Ordnung ist. Es kann sein, dass das zu einer schlechten Resonanz beim direkten Vorgesetzten führt (“Was redet der da beim übernächsten Vorgesetzten über mich?”). Eine weitere Schwierigkeit ist, dass ich soviel Angst habe, wenn zum Beispiel der Vorgesetzte weg ist und die Dinge dann plötzlich anders laufen, als sie geplant waren, oder die Dinge unklar hinterlassen wurden von dem Vorgesetzten. Das hat mir selbst sehr viele Schwierigkeiten bereitet.

Welchen Rat würdest Du jemandem geben, der mit einer Nr. 6 als Boß oder Untergebener zu tun hat?
Der Rat ist, die Zweifel, die der Nr.6 Boß oder Angestellte hat, ernstzunehmen, als etwas, das passieren kann. Die Zweifel oder Bedenken runterzumachen,das macht einen in den Augen der Nr.6 unglaubwürdig, es würde auch Ärger hervorrufen: ” Also, verdammt nochmal, für mich ist das aber so, dass etwas Schlimmes passieren kann.”

Das ist meine Weltsicht und für mich sind diese Gefahren real?
Ja, und ich will von Dir wissen, wo Du stehst,wenn das und das passiert. Trägst Du es mit oder trägst Du es nicht mit. Ich will, daß Du zur Kenntnis nimmst, dass ich denke, es könnte etwas passieren, und wenn Du es zur Kenntnis nimmst, ist es gut. Dann kann ich es auch lassen und wir können zur Tat schreiten.

Angst, Zweifel, Mißtrauen, wie geht das in privaten Beziehungen?
Ich selbst habe eine Beziehung zu einer Nr. 6, verheiratet seit ein paar Jahren. Das Schwierigste für mich zu lernen war, nicht ständig zu schauen, was mit dem Anderen ist, was hat er für schlechte Intentionen, hat er was auszusetzen an dem, was ich mache, ist er mißtrauisch,  ärgerlich, meint er das, was er sagt. Stattdessen die Aufmerksamkeit bei mir selbst zu halten, und einfach zu sehen, was ist mit mir. Das ernstzunehmen, was meine Partnerin gesagt hat und nicht dann doch was anderes zu tun aus Zweifel heraus, dass sie es doch nicht so gemeint hat.

Der Hinweis für die Nr. 6 wäre dann, beim Partner einmal auch die Oberfläche dessen, was er/sie sagt ,zu akzeptieren und das nicht zu hinterfragen und nicht auf Grund des Hinterfragten zu handeln. Welche “Pflegehinweise” gäbe es für die Partner der Nr. 6 , damit die Beziehung gut läuft?
Wichtig ist, die Nr. 6 mit allen Zweifeln ernst zu nehmen. Der Partner sollte sagen: ” OK, jetzt geht es Dir eben so” und es der Sechs nicht ausreden wollen. Ich weiß, dass er für den Partner oft sehr lästig ist: ” Jetzt kommt meine Sechs wieder mit ihren Zweifeln “, aber es ist sehr erleichternd, wenn die Zweifel ausgehalten werden. Ein weitere, extrem wichtiger Punkt ist Offenheit: dass der Partner zur Nr. 6 sagt “so geht es mir jetzt mit Dir”, sodass ich nicht ständig damit befaßt sein muß, hinter die nette Vorderfront zu gucken.

Sehr gut sind auch gemeinsame Routinen, die man zusammen entwickelt hat und es ist gut, diese Routinen nicht unangekündigt aus der Bahn zu werfen, selbst wenn es nett gemeint ist. Pläne klar durchzusprechen, sich dann auch an die Punkte zu halten, weil Verlässlichkeit so wichtig ist . Wichtig sind außerdem gemeinsame Vergnügungen. Diese erscheinen mir als Nr.6 zunächst als Pflichtübungen. Wenn ich es dann tue, dann macht es denn doch Spaß, aber bis ich es tue, fühlt es sich eher unangenehm an, wie eine Abschlussprüfung.

In meiner Ehe hat es sich bei Auseinandersetzungen als sehr gut erwiesen, sich frühzeitig zu trennen, die Tür zuzumachen, sich irgendwo hinzusetzen, irgendwann hört es dann auch wieder auf. Es war gut, Zeichen zu vereinbaren, wenn es wieder Entwarnung gibt. Ein Ritual zu haben, sich zurückzuziehen, wenn die Paranoia durchknallt, und dass der Partner dann sehen kann: “Na gut, das muß der Sechser- Partner jetzt für sich machen”.

Was hat Dir bei Deiner persönlichen Entwicklung geholfen, was waren Entwicklungsrichtungen, und was würde man einer Nr. 6, die sich entwickeln will, raten können?
Im Nachhinein war ein wichtiger Entwicklungspunkt für mich der Kampfsport gewesen, allerdings nicht in der erhofften Weise, dass ich ein ” unbesiegbarer Kung-Fu-Kämpfer” geworden wäre, sondern in der Weise, dass ich dadurch Kontakt mit meinem Körper bekommen habe. Deswegen würde ich auch keiner Nr.6, die das zur Persönlichkeitsentwicklung machen möchte, zu einem harten Kampfsport raten. Der bestätigt eher das Gefühl, sich in gefährlicher Welt verteidigen zu müssen. Eher eine weichere Form, vielleicht Tai Chi oder Aikido, irgendetwas, das hilft, Kontakt mit dem Körper zu bekommen. Der Kontakt mit dem Körper löst den Zweifel.

Der Zweifel und die ganze Angstwelt scheint ja vom Kopf her, vom Mentalen her produziert zu werden. Das “in den Körper Gehen” ist dann ein Ausweg , das bringt einen davon weg?
Ja. Ein sehr wichtiger Punkt war für mich, diese mentale Bezweiflungsmaschine als solche wahrzunehmen als etwas, das von mir selbst kommt. Nicht der andere Mensch ist unzuverlässig, sondern ich male ihn oder fertige ihn in meiner Vorstellung als unzuverlässig.

Darüber hinaus ist ein wichtiger Punkt freundlich mit mir selbst zu sein, wenn ich wieder mein “Ding” gemacht habe. Mich nicht noch selbst damit runterzumachen. Auch wenn man wieder einmal sein Ding gemacht hat, die emotionale Fixierung hochgekocht ist, ich zum Beispiel meine Partnerin angezweifelt habe (” mit Dir ist doch irgendetwas, Du bist doch wütend auf mich “). Wenn das dann so real wird, weil man sich reinsteigert, man dann wütend wird,es aber nicht merkt, dann dem anderen Wut vorwirft usw. Das dann zu bemerken und sich dann bis zu einem gewissen Grad nebendranstellen zu können und es zu beobachten,wäre wünschenswert. Es gelingt aber in den seltensten Fällen. Aber wenigstens kann man zu sich verzeihend sagen, ” hast´es halt wieder gemacht, OK.”

Es ist ganz wichtig, dass man lernt, einen gewisse Beobachterhaltung einzunehmen. Einen gewissen Punkt aus dem eigenen Bewußtsein abzuspalten, der bemerkt, dass jetzt einer meiner 6-er Automatismen wieder läuft. Dann hat man eine gewisse Chance, abzuspringen.

Ich habe von anderen Sechsern gehört, dass gegen die Angst manchmal gar keine Technik oder Strategie hilft. Daß man an einen Punkt kommt, wo man sagen muß: “Ja, ich habe Angst”. Dass Angst eine körperliche Komponente hat und dass  es wichtig sei, in die Angst hineinzugehen, bis sie körperlich erfahren wird?
An diesem Punkt arbeite ich gerade: die Angst zu spüren, sie auszuhalten. Ich habe so viele Mechanismen, es in meiner gefährlichen Welt sicher zu machen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass es für mich wichtig ist, die Angst zu spüren, sozusagen darauf sitzen zu bleiben und zu sagen: “Das ist Angst, was da jetzt hochkommt ” und es nicht auszuagieren oder ” sicher ” zu machen.

Die höheren Zustände der Nr. 6 sind Mut und Glaube. Wie machen sie sich in Deinem Leben bemerkbar und was hilft Dir, sie zu erreichen?
Für mich ist Mut in erster Linie das Gefühl, die Angst auszuhalten und die ganzen Abwehrhandlungen wegzulassen, die die Angst kleiner machen sollen. Auch Mut, mich dem Ganzen zu überlassen, also zu sehen, dass es Dinge gibt, die ich nicht in der Hand habe, nicht sicherheitstechnisch abklopfen kann, sondern laufenlassen muß. Ich muß den Leuten, die etwas für mich tun vertrauen, daß sie es auch gut tun (Glaube). Darüberhinaus ist Glaube ist für mich ein schwieriger Punkt.Es ist ein weniger klares Thema für mich im Moment.

Vielleicht Glaube an etwas, das größer ist als ich, das an mich glaubt?
Ich kenne es von den A-Gruppen her ( Anonyme Selbsthilfegruppen, zum Beispiel die Anonymen Alkoholiker ), dass sie an eine Macht glauben, die größer ist als sie. Da fängt es aber an, problematisch zu werden. Wie vertrauenswürdig ist diese Macht ? Es ist irgendwie ein Knackpunkt, daran zu glauben, dass es eine Macht gibt, die größer ist als ich und die diesen Planeten zusammmenhält und dafür sorgt, daß ich zu essen bekomme und dass der Boden unter den Füßen da bleibt, wo er ist. Glaube ist ein schwieriges Konzept. Ich glaube an das, was ich sehe, aber ich sehe nur, was ich sehen will. So schaue ich mir Nachrichten an von Kriegsereignissen in der Welt. Die sehen sehr real aus, und es kommt mir nicht vor, als wäre die Welt sehr sicher.

Etwas, das wir ausgelassen haben?
Vielleicht die Vorzüge der Sechser. Ich habe den Eindruck, daß die Sechser im Enneagramm ein sehr schlechtes Ansehen haben. Es ist mir daher wichtig, auch Vorzüge zu präsentieren. Sechsen sind gut im Vorausahnen von Gefahren und Fehlern. Was mir zum Beispiel sehr viel Spaß macht, ist, im technischen Bereich die Fehler zu suchen und wenn die technischen Problematiken sehr schwer sind, macht es mir gerade sehr viel Spaß.