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Interview – Typ 3

Typ 3 ist der zentrale Typ der Herz- oder auch Imagetypen. Mit der Basiserfahrung, dass einfach dazusein und Bed├╝rfnisse zu haben nicht ausreicht, um geliebt zu werden, ersetzt er das Bed├╝rfnis nach bedingungsloser Liebe durch Anerkennung, die an die Bedingungen der Leistung und des Erfolgs gekn├╝pft sind. Daf├╝r tut er alles, er opfert sogar die eigene Identit├Ąt: Ich werde so sein, wie ihr mich wollt, damit ich in Euren Augen ein Erfolg werde.

Die m├╝ndliche Tradition

Eingeleitet wird ein Interview nach der m├╝ndlichen Tradition typischerweise mit einer kurzen Geschichte (aus dem Leben) dieses Typs. Die Geschichten stammen aus der Feder eines Vertreters/Vetreterin dieses Typs,┬á sind also ÔÇ×typischÔÇť. Deshalb kann es durchaus sein, dass manche Themen / Situationen Sie als Leser (├╝berhaupt) nicht ansprechen┬á vielleicht sogar Verwunderung ausl├Âsen. Beim Lesen des Interviews ÔÇ×kl├ĄrtÔÇť sich das f├╝r Sie als Leser vielleicht auf.

Die Geschichte

Du warst die letzten sechs Monate sehr besch├Ąftigt mit einem Arbeitsprojekt, das Dir sehr wichtig ist, und jetzt mu├čt Du Deine Ideen oder das Projekt Menschen darstellen, deren Achtung Du Dir sehr w├╝nschst.

Dein ganzes Wesen scheint verbunden zu sein mit diesem Projekt und seinem Ergebnis, seinem Erfolg. Der Tag ist gekommen, an dem Du das Projekt darstellen mu├čt. Am Morgen achtest Du auf jede Einzelheit, um sicherzustellen, dass Du richtig aussiehst und gut wirkst, und den richtigen Eindruck machen wirst.

W├Ąhrend Deiner Pr├Ąsentation werden Fragen gestellt. Deine Antworten kommen leicht und nat├╝rlich, und es sind die, die Dein ÔÇťPublikumÔÇŁ h├Âren will, um zufrieden zu sein. Die Fragen werden schwieriger, und Du machst Dir Sorgen, dass sie bemerken k├Ânnten, dass Du nicht alles wei├čt. Bevor sie weiter in Dich dringen k├Ânnen, lenkst Du ihre Aufmerksamkeit auf etwas ab, von dem Du wei├čt, dass es sich gut verkaufen lassen wird, und dass es die Pr├Ąsentation retten wird.

Alle verlassen zufrieden den Raum und jetzt bist Du allein.Einen Moment lang fragst Du Dich: ÔÇťIst das wirklich das, was ich tun m├Âchte?ÔÇŁ Aber daf├╝r ist es jetzt zu sp├Ąt. Arbeit wartet auf Dich.
Du unterdr├╝ckst die Gef├╝hle, springst mit beiden Beinen in das Projekt und dabei wird alles andere unwichtig.

 

Das  Interview

 

Was war Dir an dieser Geschichte vertraut?
Wenn ich diese Geschichte h├Âre, ist mir so ziemlich alles vertraut, von der Tatsache, dass ich immerzu mit irgendwelchen Projekten besch├Ąftigt bin, da├č mein Hauptziel oder mein Hauptbesch├Ąftigungsmechanismus darin besteht, Projekte ins Leben zu rufen, mich Projekten anzuschlie├čen, oder einfach irgendwas zu machen, was ich nachher zeigen kann. Zeigen ist wichtig und Machen ist wichtig.

Ich wollte Dich gerade nach dem Hintergrund dieser Projektbesessenheit fragen. Warum ist es wichtig, etwas zu tun, was man zeigen kann?
Mir ist es wichtig, etwas zu tun. Es gibt davon verschiedene Aspekte. Es gibt den Aspekt, da├č ich mich dann lebendig f├╝hle, ein St├╝ck von mir sp├╝re, wenn ich in einem Projekt engagiert bin, wenn ich Ideen f├╝r dieses Projekt entwickeln kann . Ich f├╝hle mich dann sozusagen ├╝ber das Projekt, und wenn ich keines habe, f├╝hle ich mich nicht so gut.

Ein Projekt ist ein Weg, Dich zu sp├╝ren?
Das ist das eine. Der andere Aspekt zielt ganz klar darauf ab, Anerkennung zu bekommen f├╝r geleistete, verabschiedete Projekte, um mich dadurch auch wieder gut zu f├╝hlen. Anerkennung f├╝r ein Projekt, eine Leistung, ist etwas, das ich einfach brauche, um mich gut zu f├╝hlen.

Ich h├Âre zweierlei : ÔÇťIch brauche das Projekt und die Aktivit├Ąt, die da drin liegt, um mich zu sp├╝ren, um mich gut im Sinne von aktiv zu f├╝hlenÔÇŁ und ÔÇťIch f├╝hle mich gut wegen der Anerkennung, die ich bekomme f├╝r ein erfolgreich abgeschlossenes ProjektÔÇŁ. Wie w├Ąre es, wenn Du Dich einfach sp├╝ren w├╝rdest und gut f├╝hlen w├╝rdest ohne Projekt?
Einfach mich f├╝hlen, sp├╝ren, ohne dass es ├╝ber ein Medium oder ein Projekt geht, ist etwas ganz Schwieriges, weil ich einfach das Gef├╝hl habe nicht wert zu sein, mich nicht gesch├Ątzt f├╝hle ohne das. Ich erwerbe einfach meine Daseinsberechtigung dar├╝ber, wenn ich etwas tue, wenn ich es nichts tue, dann ist nichts. Wenn andere Leute sagen, einfach nur Sein ist wichtig, dann frage ich gleich ÔÇťWas denn sein ?ÔÇŁ. Die Definition ist wichtig und damit auch wieder das Aktive und das Tun. Sein im Sinne von Dasein ist ungen├╝gend, es ist nicht ges├Ąttigt genug, es langt nicht, es reicht nicht aus.

Ein Projekt zu verfolgen ist wichtig, etwas tun ist wichtig, Erfolg zu haben mit dem, was Du tust, ist wichtig. Was tust Du alles, um Erfolg zu haben?
So ziemlich alles. Erfolg zu haben ist so eine Quelle, die mich speist, die meine Aktivit├Ąt immer wieder speist. Zun├Ąchst einmal , glaube ich, habe ich ein Gesp├╝r, eine Intuition, ein Gef├╝hl, daf├╝r, was erfolgreich werden kann. Ich glaube, da├č ich zwar viele Dinge ausprobiere, aber doch unter dem Strich immer dementsprechend ausw├Ąhle, was vermutlich ankommen wird. Erfolg hat ja immer auch damit zu tun, etwas zu vollbringen, was da drau├čen auch gew├╝nscht ist, und ich denke, da├č ich ein St├╝ck Gesp├╝r daf├╝r habe, was gew├╝nscht ist und haupts├Ąchlich nur diese Projekte angehe. Dinge, die von Mi├čerfolg begleitet sind oder von der Welt nicht so beachtet werden, die lasse ich dann unter den Tisch fallen, es gibt ja noch anderes.

Wenn Du etwas tust, dann nicht so sehr deshalb, weil es richtig ist oder sich gut anf├╝hlt oder Du in der T├Ątigkeit selbst eine Befriedigung findest, sondern weil Du ein Gesp├╝r daf├╝r hast, da├č Dich das in den Augen der anderen Leute erfolgreich macht?
In der T├Ątigkeit selbst mu├č schon auch Befriedigung liegen, ich w├╝rde etwas nicht nur deshalb machen, weil es gerade ÔÇťinÔÇŁ ist. Es gibt mir aber auch dadurch Zufriedenheit und Best├Ątigung, weil es gerade ankommt. Dennoch mu├č es eine Sache sein, die mir auch entspricht.

Und was entspricht Dir, welche Kriterien hast Du da?
Mir entspricht, mit Menschen zu tun zu haben (Fl├╝gel Typ Nr. 2), weil da ein Austausch stattfindet, der mir wieder Energie vermittelt, der mir auch Anerkennung vermittelt, also wenn Patienten kommen, die sagen, es geht mir nach der Therapie jetzt die ganze Zeit gut, oder ich habe mich nach der Stunde mit Ihnen ganz toll gef├╝hlt, oder ich finde das, was wir hier zusammen erarbeiten, ganz erfolgreich, dann bl├╝he ich selber auf und es geht mir sehr gut dabei. Das ist ein Kriterium, mit Menschen zu tun zu haben. Ein weiteres Kriterium ist, wenn die T├Ątigkeit mir erlaubt Strukturen zu setzen und Dinge zu organisieren. Das habe ich gern. Auch (lacht) Dinge, die gut entlohnt sind, mache ich gerne.

Entlohnung schadet nichts dabei?
(lacht) Nein, ich sehe schon zu, da├č ich dabei auch gut verdiene.

Wie strukturierst Du einen Tag und wie gehst Du an eine Aufgabe heran?
Ich strukturiere in der Regel grunds├Ątzlich eine Woche. Ich wei├č immer genau, was ich in dieser Woche an Aufgaben zu erledigen habe. Daher brauche ich auch ein Terminbuch, um mir den ├ťberblick zu bewahren und um das klar hinzukriegen, was ich wann mache. Termine ├╝berschneiden sich in der Regel nicht, sind aber oft sehr knapp gelegt, und ich wei├č morgens, wenn ich aufwache, was dieser Tag f├╝r einen Inhalt hat, wann ich wo sein mu├č, mit wem ich es zu tun habe werde, und es st├Ârt mich ziemlich, wenn mir irgendwer da einen Krumpler reinmacht, z.B. sagt, er kann nicht oder er meldet sich nicht, oder ich mu├č auf irgendwas warten, das st├Ârt mich empfindlich,weil es meinen pers├Ânlichen Plan durchkreuzt. Ich f├╝hle mich dann gest├Ârt, ich bin gereizt und denke die Stunde h├Ątte ich jetzt gut f├╝r etwas anderes verwenden k├Ânnen (├ärger, wenn Zielerreichen blockiert wird). Fr├╝her war es dann auch so, da├č ich mit einer ausgefallenen Stunde sehr gro├če Schwierigkeiten hatte, weil ich dann nicht so genau wu├čte, was ich eigentlich machen sollte.

Es ergibt sich ja dadurch ein unstrukturierter Raum, wo nicht viel geleistet wird.
Ja, ich denke nicht, da├č ich ein unspontaner Mensch bin, aber wenn mir Arbeit ausgefallen ist, bin ich doch recht unspontan, damit umzugehen.

Wie wichtig ist Dir Effektivit├Ąt?
Das zeigt sich zum Beispiel daran, wie ich mir die Tage oder Wochen strukturiere. Ich mache das, damit ich nach M├Âglichkeit alle diese vielf├Ąltigen Aktivit├Ąten, die ich mir anlache, qualitativ gut ├╝ber die B├╝hne bringe. Ich kann manchen Menschen schlecht zugucken , wenn ich sehe, wie wenig effektiv die ihr Leben gestalten und wie wenig sie aus meiner Sicht auf die Reihe kriegen. Die m├Âgen ja zufrieden sein damit, aber f├╝r mich sind Leute, die eher langsam sind mit der Haltung ÔÇŁ Naja, es wird sich schon ergeben ÔÇŁ oder ÔÇŁ ja, mal sehen ÔÇť, die sind f├╝r mich eher schwierig, ich kann das nicht nicht, ich mu├č dann einfach etwas tun.

Ein h├Ąufig genanntes Stichwort f├╝r Typ Nr. 3 ist Konkurrenz. K├Ânntest Du dazu etwas sagen?
Wettbewerb/ Konkurrenz hat ja h├Ąufig einen negativen Beigeschmack. F├╝r mich ist das aber nicht nur schlecht. Es hat einen sehr inspirierenden und aktivierenden Aspekt. Wenn ich mit Leuten zusammenkomme, die in irgendeiner Form ein berufliches Terrain beschreiten, in dem ich bereits bin, dann gibt es einen Mordsschub, es mindestens so gut zu machen wie sie und ich glaube auch, da├č ich so manchem beweisen m├Âchte, da├č er es gar nicht so gut kann wie ich. Ich bin dann ein bi├čchen arrogant dar├╝ber. Wenn ich ehrlich bin, wei├č ich bei manchen Leuten, da├č sie es viel besser k├Ânnen als ich, aber das kann ich schlecht aushalten. Ich mu├č ganz viel daf├╝r tun, da├č es sich umkehrt. Negativ f├╝hlt sich Konkurrenz f├╝r mich dann an, wenn ich ganz deutlich sp├╝re, da├č ich jemandem in bestimmten Bereichen unterlegen bin, da geht es mir dann nicht gut damit. In der Vergangenheit war das noch schwieriger gewesen. Heute kann ich das besser verkraften. Ich gleiche das dann damit aus, da├č ich mir sage ÔÇŁ daf├╝r kann ich etwas anderes besserÔÇŁ und vergegenw├Ąrtige mir diesen angenehmen Aspekt immer wieder, um das zu verkraften, aber Konkurrenz ist immer ein Thema.

Zu wissen, Du kannst etwas besser als andere Menschen, gibt Dir ein gutes Gef├╝hl. Ist es das, was wir bei Typ Nr. 3 Eitelkeit (die sogenannte mentale Fixierung der Nr. 3) nennen?
Ja, ich denke, das ist so ein St├╝ck Eitelkeit, andere auszustechen und vor sich selbst zu gl├Ąnzen.

Brauchst Du dann andere zum Gl├Ąnzen oder reicht es, f├╝r Dich selbst zu gl├Ąnzen?
Fr├╝her habe ich vorwiegend andere gebraucht. Ich habe immer das Gef├╝hl gehabt, da├č ich einen neuen Titel oder eine neue Urkunde oder ein Zertifikat irgendjemandem unter die Nase halten k├Ânnte und der sollte sagen ÔÇŁ Toll, Super ÔÇť. Da habe ich sehr andere Menschen gebraucht, um zu gl├Ąnzen. Heute bemerke ich bei mir schon auch Gedanken, die ├Ąhnlich ÔÇŁ gl├Ąnzig ÔÇŁ sind. Ich denke zum Beispiel ÔÇŁ Bei mir w├╝rde ich gerne in Therapie gehen ÔÇť. Das gibt es schon auch, da├č ich mit mir zufrieden bin, aber auf so einem ÔÇŁ gl├Ąnzigen ÔÇŁ Niveau, nicht so ganz echt.

La├č uns mal diesen Aspekt ÔÇťgl├Ąnzig, nicht so ganz echtÔÇŁ, also den Aspekt der T├Ąuschung (emotionale Fixierung) ein bi├čchen ausbauen.
Ich denke immer noch, da├č T├Ąuschung f├╝r mich so eine Art ├ťberlebensstrategie ist, wenn ich das nicht gehabt h├Ątte und es auch heute manchmal nicht h├Ątte, dann m├╝├čte ich mich tats├Ąchlich einer ganz gro├čen Angst hingeben, n├Ąmlich der Angst, in Wirklichkeit nicht zu gen├╝gen.T├Ąuschung hilft mir selbst. Es gibt T├Ąuschung als Selbstt├Ąuschung bei mir und es gibt so eine Form der T├Ąuschung, Aussenstehenden zu zeigen, was ich f├╝r ein toller Kerl bin, indem ich ihnen irgendetwas vort├Ąusche.Ich denke, da├č diese T├Ąuschungsstrategien deshalb f├╝r mich so wichtig sind, weil mich sonst die Angst einholen w├╝rde, mich wirklich auf mich besinnen zu m├╝ssen, und da├č damit die ganzen Minderwertigkeiten offenbar und sp├╝rbar w├╝rden.T├Ąuschung ist so eine Abwehrposition, die Angst und das Gef├╝hl der Minderwertigkeit wird drau├čengehalten.

Du sagst ÔÇŁ Es w├╝rde sp├╝rbar werden ÔÇť. Ist es normalerweise nicht sp├╝rbar?
Im Normalfall nicht. Mittlerweile kann ich es etwas besser zulassen, diese Angst zu sp├╝ren, aber auch nur bis zu einem gewissen Grad und mit einer zeitlichen Begrenzung, ich kann das einfach nicht aushalten.

Die Gef├╝hle der Angst und der Minderwertigkeit ├╝berhaupt sp├╝ren zu k├Ânnen, ist das eher eine Entwicklung f├╝r Dich? (siehe auch den Sicherheitspunkt der Drei, Nr. 6.)
Ja, fr├╝her habe ich die Angst ├╝berhaupt nicht wahrgenommen. Wenn da irgendetwas Bedrohliches, mich Angreifendes im Raum stand, dann habe ich einfach ├╝ber irgendetwas anderes geredet oder die Aufmerksamkeit auf einen anderen Schauplatz gelenkt.

Das Umlenken der Aufmerksamkeit ist eine T├Ąuschungsstrategie?
Ja, dadurch habe ich mich get├Ąuscht, aber auch die anderen. Die Selbstt├Ąuschung hat ein bi├čchen nachgelassen. Ich kann aber immer noch, wenn mir etwas existentiell bedrohlich erscheint, die Situation oder mich beliebig uminterpretieren soda├č es aus meinem Blickwinkel so aussieht, als w├Ąre es eben nicht so. Ich kann mir so ein gutes Gef├╝hl heranziehen, das sich auf einmal ganz echt anf├╝hlt, obwohl sich die Situation selbst nicht ver├Ąndert hat. Das rettet mich.

Du kannst Dinge ins Positive uminterpretieren, soda├č die Situation nicht mehr angsterweckend erscheint?
Ich mache das nicht nur bei Angst, sondern insgesamt, damit ich mich nicht unangenehm f├╝hlen mu├č. Ich kenne das auch in Situationen, wo ich einen Anflug von Unsicherheit versp├╝re, sofort bin ich dabei, ein anderes Bild von mir durch Sprache, Mimik, oder Gestik zu erschaffen, soda├č ich ├╝berhaupt nicht mehr unsicher aussehe, und schon f├╝hle ich mich auch nicht mehr unsicher.

Du bist also erfolgreich und kannst eine bedrohliche oder unangenehme Situation auch gut uminterpretieren kann in etwas Angenehmes, Positives. Ihr Dreien scheint ja gute Modelle f├╝r andere Menschen zu sein, wie man aus Gef├╝hlen von Angst oder Minderwertigkeit herauskommen kann, ein Modell f├╝r aktive Lebensbew├Ąltigung und Handlungsorientierung, f├╝r Erfolgreichwerden. Aber f├╝r Euch selbst geht wohl die Entwicklung in eine andere Richtung : Angst sp├╝ren zu k├Ânnen und negative Gef├╝hle aushalten zu k├Ânnen. Kannst Du nochmal beschreiben, was Entwicklung f├╝r Dich bedeutet und was Dir geholfen hat auf Deinem Weg?
Das mu├č ich jetzt sehr pers├Ânlich beschreiben. Ich sehe meine Entwicklung darin, mich ein St├╝ck anhalten zu k├Ânnen, was ich fr├╝her so gut wie gar nicht gemacht habe. Anhalten bedeutet, mich Dingen wirklich widmen zu k├Ânnen, mich auf Situationen und Menschen wirklich einstellen zu k├Ânnen. Fr├╝her war ich eher flatterhaft und von einem Ding zum anderen h├╝pfend. Ich bin ein bi├čchen oberfl├Ąchlich ├╝ber Dinge und Menschen hinweggegangen. Ich konnte mich nicht wirklich einf├╝hlen und habe auch keinen Wert darauf gelegt. Andere Menschen, zum Beispiel mein Mann und mein Kind haben mir da sehr geholfen, da mu├čte ich einfach anhalten, ich war gezwungen anzuhalten. Das war f├╝r mich ein sehr schmerzlicher Proze├č, anzuhalten. Mir ging es damit nicht besonders gut. Das meine ich heute mit ÔÇťEntwicklungÔÇŁ, da├č es f├╝r mich sehr notwendig war, da├č zum Beispiel ein Kind da ist, das mich zum Anhalten bringt.

Angehalten zu werden und sich mehr auf Beziehung einzulassen war wichtig. Was kann eine Nr. 3 dann erwarten, was passiert an diesem Punkt?
Es passiert eher etwas Unangenehmes, in dem Sinne, da├č Du als Nr.3 glaubst, jetzt wird Dir existentiell etwas abgeschnitten, jetzt bist Du fast am Sterben, weil Du nicht mehr Deinen normalen Rhythmus verfolgen kannst, weil Du Dich nicht mehr darstellen kannst, weil alle Funktionen, die andere an Dir immer positiv fanden, nicht mehr da sind. Also, was kriegst Du dann, wovon willst Du existieren, wo ist das Futter ? Es ist wirklich etwas Existentielles, was als erste Reaktion auf ÔÇťanhalten und einlassen ÔÇŁ passiert. Danach,denke ich, passiert etwas Gutes.

Die Frage ist nat├╝rlich, wieso sollte jemand durch ein solches Jammertal gehen, warum sollte man sich so etwas antun, was ist die Belohnung auf der anderen Seite?
Die Belohnung auf der anderen Seite ist die F├Ąhigkeit, tats├Ąchlich etwas zu f├╝hlen, wirklich echt zu f├╝hlen. Nicht nur die Spitzen von Dingen und Gef├╝hlen und Situationen mitzubekommen, sondern auch ein St├╝ck Tiefe. Ich denke, da├č ich da nicht sehr entwickelt bin, da├č ich da nicht sehr tief bin, z.B. im Vergleich zu einer Nr. 4. Aber das es ist auch ein St├╝ck Entwicklung f├╝r mich, mit Leuten zusammenzukommen, die sehr bedacht und achtsam mit Gef├╝hlen umgehen k├Ânnen und mich auf ihre Sichtweise einzulassen. Dadurch bekomme ich ganz andere Perspektiven, sehr tiefe und sehr sinnhafte Perspektiven. Das ist die eigentliche Auszahlung der Entwicklung f├╝r eine Nr. 3.
Aktivit├Ąt, Effektivit├Ąt, Konkurrenz, T├Ąuschung, wie wirken sich diese grundlegenden Themen in Partnerschaft aus?
In meiner pers├Ânlichen Partnerschaft haben sie sich vorteilhaft gezeigt. Ich denke, ich habe mir auch nicht umsonst eine Nr. 8 als Partner genommen, weil das ja auch jemand ist, der eher dynamisch und energetisch ist und mich auch puscht, wenn ich mal gepuscht geh├Âre, obwohl das sicherlich nicht sehr oft vorkommt. Au├čerdem hat meine Partnerschaft in den ├Ąu├čeren, materiellen, sichtbaren Dingen auch den Anschein von Erfolg, Sicherheit. Leute sehen uns als erfolgreiches Team. Die Schwierigkeit bewerte ich mittlerweile viel h├Âher: da├č n├Ąmlich das F├╝hlen auf der Strecke bleibt. Wir haben mittlerweile beide erkannt, da├č wir uns in der Hinsicht weiterentwickeln m├╝ssen oder ├╝berhaupt erst einmal entwickeln m├╝ssen, wirklich dem anderen solche Gef├╝hle mitzuteilen, die so ganz innendrin vielleicht endlich mal sichtbar werden f├╝r einen selber.

Der nachteilige Aspekt w├Ąre, da├č Gef├╝hle auf der Strecke bleiben, der vorteilige w├Ąre eine Dynamisierung, Aktivit├Ątsorientierung, und wenn man sich einen Partner aus dem aktiven Spektrum sucht, dann k├Ânnte das ganz gut gehen.
Ja, aber mit diesen Nachteilen, die Du erstmal ├╝berhaupt wahrnehmen mu├čt, die mir fr├╝her auch nicht aufgefallen sind.

Man hat erstmal keine Idee oder kein Konzept, da├č da etwas fehlt?
Erstmal nicht. Aber trotzdem habe ich schon fr├╝her ├╝berzuf├Ąllig h├Ąufig mit Neunen zusammengearbeitet und das hat eine ganz andere Dynamik. Da bin ich diejenige, der sie immer in den Hintern getreten hat und die sich auch gerne in den Hintern treten lie├čen, aber deshalb noch lange nichts tun (lacht). Die Auszahlung dieser Beziehungen war, F├╝hlen und Sein zu lernen und einfach dazusein, auch mal nichts zu tun, auch mal so ein bi├čchen was zu genie├čen. Den Aspekt des Genie├čens kenne ich allerdings auch mit der Nr.8 in der Partnerschaft, das ist etwas, das gut geht. Genu├č im Sinne von gutem Essen, Musik h├Âren, schnelles Auto fahren, all diese Geschichten, die auch Achten genie├čen k├Ânnen, da kann ich mich gut drauf einlassen.

Was w├╝rdest Du Partnern von Dreien raten ?
In der Anfangsphase oder in der Entwicklung?

Vielleicht erstmal die ÔÇťHamsterpflege ÔÇť. Wie ist es gut, mit Euch umzugehen, wenn ihr nicht gerade dabei seid, Euch zu entwickeln?
Lob ist immer gut, um mit einer Nr.3 erst einmal in Beziehung zu treten. Lob ist gut, Anerkennung f├╝r ├äu├čerlichkeiten auch. Hier kommt es darauf an, wie weit entwickelt die Nr. 3 ist. Ich bin heute nicht mehr so bereit, mich f├╝r irgendwelche ├äu├čerlichkeiten anerkennen zu lassen, das war fr├╝her so mein Ding. Heute mu├č es schon ein bi├čchen was Wichtigeres sein. F├Ârderlich f├╝r die Beziehung zu einer Nr. 3 ist es auch, spontan und lustig und witzig zu sein und gern in der Welt sein, das ist sch├Ân mit solchen Leuten, da springe ich drauf an.

Wie w├Ąre es mit Partnern, die auf anhalten, Beziehung haben oder auf tiefen, vielleicht traurigen Gef├╝hlen bestehen und Du nicht w├╝├čtest, da├č das eigentlich zu Deinem Entwicklungsprogramm geh├Ârt?
Dann g├Ąbe es wahrscheinlich sehr viele Schwierigkeiten. Vor 10 oder 15 Jahren, da kann ich mir nicht vorstellen, da├č ich es mit so jemandem ausgehalten h├Ątte. Ich glaube, ich w├Ąre gegangen, es w├Ąre zu schwierig gewesen, zu wenig effizient, wo w├Ąre das Voranschreiten geblieben ?

Es liegt ein solcher Wert f├╝r Euch auf Power und Dynamik, da├č es schwer ist, mit einem Partner auszukommen, der auf einem niedrigeren Energielevel f├Ąhrt?
Wenn Du als 3 noch nicht die Perspektive entwickelt hast, da├č es noch etwas anderes gibt au├čer Power und Dynamik und Organisation und Management und ein Macher sein, dann kann ich mir wirklich nicht vorstellen, da├č Du mit jemandem, der eher in sich versunken, meditativ mit ÔÇťSeinÔÇŁ besch├Ąftigt ist, klarkommst. Ich kann mir das nicht vorstellen. Heute dagegen wei├č ich: da zeigen mir Menschen, es gibt noch was anderes, und ich finde das toll und sehe es als Inspiration, als Vorteil, als Entwicklungskriterium.

Wie k├Ânnen Dir Partner helfen, Dich dahin zu entwickeln?
Indem sie selbst nicht ihren Fokus auf Dynamik legen. Positiv formuliert, indem sie sich eher mit Sein besch├Ąftigen, sich mit Dingen besch├Ąftigen, die das Leben au├čerhalb von materiellen Bereichen ausmachen. Menschen, die sich mit sich selbst auseinandersetzen, auch mit philosophischen Aspekten auseinandersetzen, das ist das, was mich heute ber├╝hrt, das sind heute wichtige Themen f├╝r mich. Jemand, der das tut, kann mich als Modell oder Vorbild sehr unterst├╝tzen. Das tut mir gut, heute.

Kannst Du uns noch etwas zum Stichwort Wahrhaftigkeit (h├Âherer emotionaler Aspekt) sagen?
F├╝r mich bleibt Wahrhaftigkeit immer noch ein Aspekt meiner Entwicklung. Ich bin da noch nicht, jedenfalls nicht vollkommen. Nicht effizient genug ( lacht ). Aber ├╝ber die Besch├Ąftigung mit diesem Aspekt, und ├╝ber den Mangel , den ich gesp├╝hrt habe, da├č so herumzuhektiken ja nicht alles sein kann, bin ich mit Wahrhaftigkeit in Ber├╝hrung gekommen. Ich habe begonnen zu sp├╝ren, da├č ich so, wie ich bin, richtig bin f├╝r das Universum, mit allen Macken aber auch mit allen guten Eigenschaften. Ich habe so ein Bild f├╝r mich entwickelt: das Universum als ein Puzzle, und ich, so wie ich bin, passe da rein, mit allen schr├Ągen, komischen, aber auch mit guten Aspekten, ich passe da rein, genau da rein.

Wie h├Ąngt das mit Wahrhaftigkeit zusammen?
Fr├╝her habe ich mehr Rollen gespielt. In den Momenten, in denen ich mit mir selbst wahrhaftiger war, habe ich mich mehr auf mich selbst eingelassen und festgestellt, da├č ich auch so, wie ich bin, ins Universum hineinpasse, ohne da├č ich mich passend machen mu├č. Meine Rollen und Masken fallenzulassen hat mir geholfen zu sehen, da├č ich auch so passe.

Spielt da Hoffnung (h├Âherer mentaler Aspekt) eine Rolle?
Als Nr. 3 habe ich die Weltsicht ÔÇŁ ich mu├č das Ding alleine machen ÔÇť. Andere Menschen sind nat├╝rlich da und wichtig f├╝r mich, aber auf eine sehr benutzerische Weise: wenn ich sie brauche, um irgendetwas zu machen, dann nehme ich sie und wenn ich sie daf├╝r nicht mehr brauche, dann brauche ich auch den Kontakt nicht. Ich bin in fr├╝heren Jahren oft sehr unsorgsam mit meinen Beziehungen umgegangen. Solange ich sie f├╝r irgendetwas benutzen konnte, war es gut, und danach gab es sie halt nicht mehr in meinem Leben. Das war nichts, was mich besonders ber├╝hrt hat. Da├č ich bereiter geworden bin, mich auf Beziehung langfristig und dadurch verbindlicher einzulassen, nicht nur, wenn ich sie f├╝r ein Projekt brauche, das hat f├╝r mich etwas mit dem Aspekt der Hoffnung zu tun. Die Hoffnung ist eigentlich, da├č ich in einer Gemeinschaft bin und nicht die Welt alleine machen mu├č, sondern da├č ich in irgendeiner Form getragen werde. Es gibt Erfahrungen dazu: ich lebe ja mit einem Kind und ich mu├č das ja organisieren, weil ich so viele Dingen drau├čen tue, und ich habe mich einmal einfach darauf eingelassen, es nicht zu organisieren, und die Erfahrung war, da├č es f├╝r mich organisiert worden ist, ohne da├č ich etwas gemacht habe. Solche Erfahrungen sind f├╝r andere vielleicht selbverst├Ąndlich, f├╝r mich sind sie eher seltsam und sie geben mir wirklich viel: ein Gef├╝hl, da├č ich es nicht alleine machen mu├č, da├č es da irgendwo etwas gibt, was f├╝r mich sorgt, wo ich aufgehoben bin, wo ich mal nicht immer diejenige bin, die sorgen mu├č, sondern es wird f├╝r mich gesorgt.

In dem Dreiersystem liegt die Hoffnung in dem, was Du tust, in Deiner Aktivit├Ąt, Deiner Handlung, und alleine darin liegt sie. In h├Âheren Zustand der Drei liegt die Hoffnung im Anderen, oder im Universum, ÔÇťes gibt etwas, was es f├╝r mich tut ÔÇť.
Ja, es gibt ein ÔÇŁ Es ÔÇť, das es macht oder auch ein ÔÇŁ ErÔÇŁ , aber es wird gemacht f├╝r mich, und ich mu├č mich nicht nur pausenlos darum k├╝mmern, da├č ich tue, und das entlastet mich sehr. Es schafft Sinn f├╝r mich, es ist sch├Ân, angenehm, loszulassen, auch mal zu delegieren und zu denken, es geht trotzdem.

Ist das Gef├╝hl, geliebt zu werden, leicht f├╝r Dich?
Es ist ein zentrales Thema f├╝r mich, aber so, da├č ich daf├╝r ungeheuerlich arbeiten mu├č, sonst bin ich das nicht wert. Die urspr├╝ngliche Weltsicht ist ÔÇŁ wenn ich nichts leiste, dann kann ich nicht geliebt werden, wof├╝r soll man mich denn lieben ÔÇť. Eine bedingungslose Liebe, z.B. in meiner Ehe, einfach zu glauben, da├č mein Mann mich liebt, einfach weil ich bin, wie ich bin, das kann ich erst relativ kurz so sehen und anerkennen. das ist zum Beispiel auch ein Aspekt von Hoffnung, da├č ich sp├╝re, wenn ich bin wie ich bin, werde ich geliebt, und dann kommt in meine Beziehungen viel mehr Identit├Ąt und Echtheit hinein.