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Interview – Typ 3

Typ 3 ist der zentrale Typ der Herz- oder auch Imagetypen. Mit der Basiserfahrung, dass einfach dazusein und Bedürfnisse zu haben nicht ausreicht, um geliebt zu werden, ersetzt er das Bedürfnis nach bedingungsloser Liebe durch Anerkennung, die an die Bedingungen der Leistung und des Erfolgs geknüpft sind. Dafür tut er alles, er opfert sogar die eigene Identität: Ich werde so sein, wie ihr mich wollt, damit ich in Euren Augen ein Erfolg werde.

Die mündliche Tradition

Eingeleitet wird ein Interview nach der mündlichen Tradition typischerweise mit einer kurzen Geschichte (aus dem Leben) dieses Typs. Die Geschichten stammen aus der Feder eines Vertreters/Vetreterin dieses Typs,  sind also „typisch“. Deshalb kann es durchaus sein, dass manche Themen / Situationen Sie als Leser (überhaupt) nicht ansprechen  vielleicht sogar Verwunderung auslösen. Beim Lesen des Interviews „klärt“ sich das für Sie als Leser vielleicht auf.

Die Geschichte

Du warst die letzten sechs Monate sehr beschäftigt mit einem Arbeitsprojekt, das Dir sehr wichtig ist, und jetzt mußt Du Deine Ideen oder das Projekt Menschen darstellen, deren Achtung Du Dir sehr wünschst.

Dein ganzes Wesen scheint verbunden zu sein mit diesem Projekt und seinem Ergebnis, seinem Erfolg. Der Tag ist gekommen, an dem Du das Projekt darstellen mußt. Am Morgen achtest Du auf jede Einzelheit, um sicherzustellen, dass Du richtig aussiehst und gut wirkst, und den richtigen Eindruck machen wirst.

Während Deiner Präsentation werden Fragen gestellt. Deine Antworten kommen leicht und natürlich, und es sind die, die Dein “Publikum” hören will, um zufrieden zu sein. Die Fragen werden schwieriger, und Du machst Dir Sorgen, dass sie bemerken könnten, dass Du nicht alles weißt. Bevor sie weiter in Dich dringen können, lenkst Du ihre Aufmerksamkeit auf etwas ab, von dem Du weißt, dass es sich gut verkaufen lassen wird, und dass es die Präsentation retten wird.

Alle verlassen zufrieden den Raum und jetzt bist Du allein.Einen Moment lang fragst Du Dich: “Ist das wirklich das, was ich tun möchte?” Aber dafür ist es jetzt zu spät. Arbeit wartet auf Dich.
Du unterdrückst die Gefühle, springst mit beiden Beinen in das Projekt und dabei wird alles andere unwichtig.

 

Das  Interview

 

Was war Dir an dieser Geschichte vertraut?
Wenn ich diese Geschichte höre, ist mir so ziemlich alles vertraut, von der Tatsache, dass ich immerzu mit irgendwelchen Projekten beschäftigt bin, daß mein Hauptziel oder mein Hauptbeschäftigungsmechanismus darin besteht, Projekte ins Leben zu rufen, mich Projekten anzuschließen, oder einfach irgendwas zu machen, was ich nachher zeigen kann. Zeigen ist wichtig und Machen ist wichtig.

Ich wollte Dich gerade nach dem Hintergrund dieser Projektbesessenheit fragen. Warum ist es wichtig, etwas zu tun, was man zeigen kann?
Mir ist es wichtig, etwas zu tun. Es gibt davon verschiedene Aspekte. Es gibt den Aspekt, daß ich mich dann lebendig fühle, ein Stück von mir spüre, wenn ich in einem Projekt engagiert bin, wenn ich Ideen für dieses Projekt entwickeln kann . Ich fühle mich dann sozusagen über das Projekt, und wenn ich keines habe, fühle ich mich nicht so gut.

Ein Projekt ist ein Weg, Dich zu spüren?
Das ist das eine. Der andere Aspekt zielt ganz klar darauf ab, Anerkennung zu bekommen für geleistete, verabschiedete Projekte, um mich dadurch auch wieder gut zu fühlen. Anerkennung für ein Projekt, eine Leistung, ist etwas, das ich einfach brauche, um mich gut zu fühlen.

Ich höre zweierlei : “Ich brauche das Projekt und die Aktivität, die da drin liegt, um mich zu spüren, um mich gut im Sinne von aktiv zu fühlen” und “Ich fühle mich gut wegen der Anerkennung, die ich bekomme für ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt”. Wie wäre es, wenn Du Dich einfach spüren würdest und gut fühlen würdest ohne Projekt?
Einfach mich fühlen, spüren, ohne dass es über ein Medium oder ein Projekt geht, ist etwas ganz Schwieriges, weil ich einfach das Gefühl habe nicht wert zu sein, mich nicht geschätzt fühle ohne das. Ich erwerbe einfach meine Daseinsberechtigung darüber, wenn ich etwas tue, wenn ich es nichts tue, dann ist nichts. Wenn andere Leute sagen, einfach nur Sein ist wichtig, dann frage ich gleich “Was denn sein ?”. Die Definition ist wichtig und damit auch wieder das Aktive und das Tun. Sein im Sinne von Dasein ist ungenügend, es ist nicht gesättigt genug, es langt nicht, es reicht nicht aus.

Ein Projekt zu verfolgen ist wichtig, etwas tun ist wichtig, Erfolg zu haben mit dem, was Du tust, ist wichtig. Was tust Du alles, um Erfolg zu haben?
So ziemlich alles. Erfolg zu haben ist so eine Quelle, die mich speist, die meine Aktivität immer wieder speist. Zunächst einmal , glaube ich, habe ich ein Gespür, eine Intuition, ein Gefühl, dafür, was erfolgreich werden kann. Ich glaube, daß ich zwar viele Dinge ausprobiere, aber doch unter dem Strich immer dementsprechend auswähle, was vermutlich ankommen wird. Erfolg hat ja immer auch damit zu tun, etwas zu vollbringen, was da draußen auch gewünscht ist, und ich denke, daß ich ein Stück Gespür dafür habe, was gewünscht ist und hauptsächlich nur diese Projekte angehe. Dinge, die von Mißerfolg begleitet sind oder von der Welt nicht so beachtet werden, die lasse ich dann unter den Tisch fallen, es gibt ja noch anderes.

Wenn Du etwas tust, dann nicht so sehr deshalb, weil es richtig ist oder sich gut anfühlt oder Du in der Tätigkeit selbst eine Befriedigung findest, sondern weil Du ein Gespür dafür hast, daß Dich das in den Augen der anderen Leute erfolgreich macht?
In der Tätigkeit selbst muß schon auch Befriedigung liegen, ich würde etwas nicht nur deshalb machen, weil es gerade “in” ist. Es gibt mir aber auch dadurch Zufriedenheit und Bestätigung, weil es gerade ankommt. Dennoch muß es eine Sache sein, die mir auch entspricht.

Und was entspricht Dir, welche Kriterien hast Du da?
Mir entspricht, mit Menschen zu tun zu haben (Flügel Typ Nr. 2), weil da ein Austausch stattfindet, der mir wieder Energie vermittelt, der mir auch Anerkennung vermittelt, also wenn Patienten kommen, die sagen, es geht mir nach der Therapie jetzt die ganze Zeit gut, oder ich habe mich nach der Stunde mit Ihnen ganz toll gefühlt, oder ich finde das, was wir hier zusammen erarbeiten, ganz erfolgreich, dann blühe ich selber auf und es geht mir sehr gut dabei. Das ist ein Kriterium, mit Menschen zu tun zu haben. Ein weiteres Kriterium ist, wenn die Tätigkeit mir erlaubt Strukturen zu setzen und Dinge zu organisieren. Das habe ich gern. Auch (lacht) Dinge, die gut entlohnt sind, mache ich gerne.

Entlohnung schadet nichts dabei?
(lacht) Nein, ich sehe schon zu, daß ich dabei auch gut verdiene.

Wie strukturierst Du einen Tag und wie gehst Du an eine Aufgabe heran?
Ich strukturiere in der Regel grundsätzlich eine Woche. Ich weiß immer genau, was ich in dieser Woche an Aufgaben zu erledigen habe. Daher brauche ich auch ein Terminbuch, um mir den Überblick zu bewahren und um das klar hinzukriegen, was ich wann mache. Termine überschneiden sich in der Regel nicht, sind aber oft sehr knapp gelegt, und ich weiß morgens, wenn ich aufwache, was dieser Tag für einen Inhalt hat, wann ich wo sein muß, mit wem ich es zu tun habe werde, und es stört mich ziemlich, wenn mir irgendwer da einen Krumpler reinmacht, z.B. sagt, er kann nicht oder er meldet sich nicht, oder ich muß auf irgendwas warten, das stört mich empfindlich,weil es meinen persönlichen Plan durchkreuzt. Ich fühle mich dann gestört, ich bin gereizt und denke die Stunde hätte ich jetzt gut für etwas anderes verwenden können (Ärger, wenn Zielerreichen blockiert wird). Früher war es dann auch so, daß ich mit einer ausgefallenen Stunde sehr große Schwierigkeiten hatte, weil ich dann nicht so genau wußte, was ich eigentlich machen sollte.

Es ergibt sich ja dadurch ein unstrukturierter Raum, wo nicht viel geleistet wird.
Ja, ich denke nicht, daß ich ein unspontaner Mensch bin, aber wenn mir Arbeit ausgefallen ist, bin ich doch recht unspontan, damit umzugehen.

Wie wichtig ist Dir Effektivität?
Das zeigt sich zum Beispiel daran, wie ich mir die Tage oder Wochen strukturiere. Ich mache das, damit ich nach Möglichkeit alle diese vielfältigen Aktivitäten, die ich mir anlache, qualitativ gut über die Bühne bringe. Ich kann manchen Menschen schlecht zugucken , wenn ich sehe, wie wenig effektiv die ihr Leben gestalten und wie wenig sie aus meiner Sicht auf die Reihe kriegen. Die mögen ja zufrieden sein damit, aber für mich sind Leute, die eher langsam sind mit der Haltung ” Naja, es wird sich schon ergeben ” oder ” ja, mal sehen “, die sind für mich eher schwierig, ich kann das nicht nicht, ich muß dann einfach etwas tun.

Ein häufig genanntes Stichwort für Typ Nr. 3 ist Konkurrenz. Könntest Du dazu etwas sagen?
Wettbewerb/ Konkurrenz hat ja häufig einen negativen Beigeschmack. Für mich ist das aber nicht nur schlecht. Es hat einen sehr inspirierenden und aktivierenden Aspekt. Wenn ich mit Leuten zusammenkomme, die in irgendeiner Form ein berufliches Terrain beschreiten, in dem ich bereits bin, dann gibt es einen Mordsschub, es mindestens so gut zu machen wie sie und ich glaube auch, daß ich so manchem beweisen möchte, daß er es gar nicht so gut kann wie ich. Ich bin dann ein bißchen arrogant darüber. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich bei manchen Leuten, daß sie es viel besser können als ich, aber das kann ich schlecht aushalten. Ich muß ganz viel dafür tun, daß es sich umkehrt. Negativ fühlt sich Konkurrenz für mich dann an, wenn ich ganz deutlich spüre, daß ich jemandem in bestimmten Bereichen unterlegen bin, da geht es mir dann nicht gut damit. In der Vergangenheit war das noch schwieriger gewesen. Heute kann ich das besser verkraften. Ich gleiche das dann damit aus, daß ich mir sage ” dafür kann ich etwas anderes besser” und vergegenwärtige mir diesen angenehmen Aspekt immer wieder, um das zu verkraften, aber Konkurrenz ist immer ein Thema.

Zu wissen, Du kannst etwas besser als andere Menschen, gibt Dir ein gutes Gefühl. Ist es das, was wir bei Typ Nr. 3 Eitelkeit (die sogenannte mentale Fixierung der Nr. 3) nennen?
Ja, ich denke, das ist so ein Stück Eitelkeit, andere auszustechen und vor sich selbst zu glänzen.

Brauchst Du dann andere zum Glänzen oder reicht es, für Dich selbst zu glänzen?
Früher habe ich vorwiegend andere gebraucht. Ich habe immer das Gefühl gehabt, daß ich einen neuen Titel oder eine neue Urkunde oder ein Zertifikat irgendjemandem unter die Nase halten könnte und der sollte sagen ” Toll, Super “. Da habe ich sehr andere Menschen gebraucht, um zu glänzen. Heute bemerke ich bei mir schon auch Gedanken, die ähnlich ” glänzig ” sind. Ich denke zum Beispiel ” Bei mir würde ich gerne in Therapie gehen “. Das gibt es schon auch, daß ich mit mir zufrieden bin, aber auf so einem ” glänzigen ” Niveau, nicht so ganz echt.

Laß uns mal diesen Aspekt “glänzig, nicht so ganz echt”, also den Aspekt der Täuschung (emotionale Fixierung) ein bißchen ausbauen.
Ich denke immer noch, daß Täuschung für mich so eine Art Überlebensstrategie ist, wenn ich das nicht gehabt hätte und es auch heute manchmal nicht hätte, dann müßte ich mich tatsächlich einer ganz großen Angst hingeben, nämlich der Angst, in Wirklichkeit nicht zu genügen.Täuschung hilft mir selbst. Es gibt Täuschung als Selbsttäuschung bei mir und es gibt so eine Form der Täuschung, Aussenstehenden zu zeigen, was ich für ein toller Kerl bin, indem ich ihnen irgendetwas vortäusche.Ich denke, daß diese Täuschungsstrategien deshalb für mich so wichtig sind, weil mich sonst die Angst einholen würde, mich wirklich auf mich besinnen zu müssen, und daß damit die ganzen Minderwertigkeiten offenbar und spürbar würden.Täuschung ist so eine Abwehrposition, die Angst und das Gefühl der Minderwertigkeit wird draußengehalten.

Du sagst ” Es würde spürbar werden “. Ist es normalerweise nicht spürbar?
Im Normalfall nicht. Mittlerweile kann ich es etwas besser zulassen, diese Angst zu spüren, aber auch nur bis zu einem gewissen Grad und mit einer zeitlichen Begrenzung, ich kann das einfach nicht aushalten.

Die Gefühle der Angst und der Minderwertigkeit überhaupt spüren zu können, ist das eher eine Entwicklung für Dich? (siehe auch den Sicherheitspunkt der Drei, Nr. 6.)
Ja, früher habe ich die Angst überhaupt nicht wahrgenommen. Wenn da irgendetwas Bedrohliches, mich Angreifendes im Raum stand, dann habe ich einfach über irgendetwas anderes geredet oder die Aufmerksamkeit auf einen anderen Schauplatz gelenkt.

Das Umlenken der Aufmerksamkeit ist eine Täuschungsstrategie?
Ja, dadurch habe ich mich getäuscht, aber auch die anderen. Die Selbsttäuschung hat ein bißchen nachgelassen. Ich kann aber immer noch, wenn mir etwas existentiell bedrohlich erscheint, die Situation oder mich beliebig uminterpretieren sodaß es aus meinem Blickwinkel so aussieht, als wäre es eben nicht so. Ich kann mir so ein gutes Gefühl heranziehen, das sich auf einmal ganz echt anfühlt, obwohl sich die Situation selbst nicht verändert hat. Das rettet mich.

Du kannst Dinge ins Positive uminterpretieren, sodaß die Situation nicht mehr angsterweckend erscheint?
Ich mache das nicht nur bei Angst, sondern insgesamt, damit ich mich nicht unangenehm fühlen muß. Ich kenne das auch in Situationen, wo ich einen Anflug von Unsicherheit verspüre, sofort bin ich dabei, ein anderes Bild von mir durch Sprache, Mimik, oder Gestik zu erschaffen, sodaß ich überhaupt nicht mehr unsicher aussehe, und schon fühle ich mich auch nicht mehr unsicher.

Du bist also erfolgreich und kannst eine bedrohliche oder unangenehme Situation auch gut uminterpretieren kann in etwas Angenehmes, Positives. Ihr Dreien scheint ja gute Modelle für andere Menschen zu sein, wie man aus Gefühlen von Angst oder Minderwertigkeit herauskommen kann, ein Modell für aktive Lebensbewältigung und Handlungsorientierung, für Erfolgreichwerden. Aber für Euch selbst geht wohl die Entwicklung in eine andere Richtung : Angst spüren zu können und negative Gefühle aushalten zu können. Kannst Du nochmal beschreiben, was Entwicklung für Dich bedeutet und was Dir geholfen hat auf Deinem Weg?
Das muß ich jetzt sehr persönlich beschreiben. Ich sehe meine Entwicklung darin, mich ein Stück anhalten zu können, was ich früher so gut wie gar nicht gemacht habe. Anhalten bedeutet, mich Dingen wirklich widmen zu können, mich auf Situationen und Menschen wirklich einstellen zu können. Früher war ich eher flatterhaft und von einem Ding zum anderen hüpfend. Ich bin ein bißchen oberflächlich über Dinge und Menschen hinweggegangen. Ich konnte mich nicht wirklich einfühlen und habe auch keinen Wert darauf gelegt. Andere Menschen, zum Beispiel mein Mann und mein Kind haben mir da sehr geholfen, da mußte ich einfach anhalten, ich war gezwungen anzuhalten. Das war für mich ein sehr schmerzlicher Prozeß, anzuhalten. Mir ging es damit nicht besonders gut. Das meine ich heute mit “Entwicklung”, daß es für mich sehr notwendig war, daß zum Beispiel ein Kind da ist, das mich zum Anhalten bringt.

Angehalten zu werden und sich mehr auf Beziehung einzulassen war wichtig. Was kann eine Nr. 3 dann erwarten, was passiert an diesem Punkt?
Es passiert eher etwas Unangenehmes, in dem Sinne, daß Du als Nr.3 glaubst, jetzt wird Dir existentiell etwas abgeschnitten, jetzt bist Du fast am Sterben, weil Du nicht mehr Deinen normalen Rhythmus verfolgen kannst, weil Du Dich nicht mehr darstellen kannst, weil alle Funktionen, die andere an Dir immer positiv fanden, nicht mehr da sind. Also, was kriegst Du dann, wovon willst Du existieren, wo ist das Futter ? Es ist wirklich etwas Existentielles, was als erste Reaktion auf “anhalten und einlassen ” passiert. Danach,denke ich, passiert etwas Gutes.

Die Frage ist natürlich, wieso sollte jemand durch ein solches Jammertal gehen, warum sollte man sich so etwas antun, was ist die Belohnung auf der anderen Seite?
Die Belohnung auf der anderen Seite ist die Fähigkeit, tatsächlich etwas zu fühlen, wirklich echt zu fühlen. Nicht nur die Spitzen von Dingen und Gefühlen und Situationen mitzubekommen, sondern auch ein Stück Tiefe. Ich denke, daß ich da nicht sehr entwickelt bin, daß ich da nicht sehr tief bin, z.B. im Vergleich zu einer Nr. 4. Aber das es ist auch ein Stück Entwicklung für mich, mit Leuten zusammenzukommen, die sehr bedacht und achtsam mit Gefühlen umgehen können und mich auf ihre Sichtweise einzulassen. Dadurch bekomme ich ganz andere Perspektiven, sehr tiefe und sehr sinnhafte Perspektiven. Das ist die eigentliche Auszahlung der Entwicklung für eine Nr. 3.
Aktivität, Effektivität, Konkurrenz, Täuschung, wie wirken sich diese grundlegenden Themen in Partnerschaft aus?
In meiner persönlichen Partnerschaft haben sie sich vorteilhaft gezeigt. Ich denke, ich habe mir auch nicht umsonst eine Nr. 8 als Partner genommen, weil das ja auch jemand ist, der eher dynamisch und energetisch ist und mich auch puscht, wenn ich mal gepuscht gehöre, obwohl das sicherlich nicht sehr oft vorkommt. Außerdem hat meine Partnerschaft in den äußeren, materiellen, sichtbaren Dingen auch den Anschein von Erfolg, Sicherheit. Leute sehen uns als erfolgreiches Team. Die Schwierigkeit bewerte ich mittlerweile viel höher: daß nämlich das Fühlen auf der Strecke bleibt. Wir haben mittlerweile beide erkannt, daß wir uns in der Hinsicht weiterentwickeln müssen oder überhaupt erst einmal entwickeln müssen, wirklich dem anderen solche Gefühle mitzuteilen, die so ganz innendrin vielleicht endlich mal sichtbar werden für einen selber.

Der nachteilige Aspekt wäre, daß Gefühle auf der Strecke bleiben, der vorteilige wäre eine Dynamisierung, Aktivitätsorientierung, und wenn man sich einen Partner aus dem aktiven Spektrum sucht, dann könnte das ganz gut gehen.
Ja, aber mit diesen Nachteilen, die Du erstmal überhaupt wahrnehmen mußt, die mir früher auch nicht aufgefallen sind.

Man hat erstmal keine Idee oder kein Konzept, daß da etwas fehlt?
Erstmal nicht. Aber trotzdem habe ich schon früher überzufällig häufig mit Neunen zusammengearbeitet und das hat eine ganz andere Dynamik. Da bin ich diejenige, der sie immer in den Hintern getreten hat und die sich auch gerne in den Hintern treten ließen, aber deshalb noch lange nichts tun (lacht). Die Auszahlung dieser Beziehungen war, Fühlen und Sein zu lernen und einfach dazusein, auch mal nichts zu tun, auch mal so ein bißchen was zu genießen. Den Aspekt des Genießens kenne ich allerdings auch mit der Nr.8 in der Partnerschaft, das ist etwas, das gut geht. Genuß im Sinne von gutem Essen, Musik hören, schnelles Auto fahren, all diese Geschichten, die auch Achten genießen können, da kann ich mich gut drauf einlassen.

Was würdest Du Partnern von Dreien raten ?
In der Anfangsphase oder in der Entwicklung?

Vielleicht erstmal die “Hamsterpflege “. Wie ist es gut, mit Euch umzugehen, wenn ihr nicht gerade dabei seid, Euch zu entwickeln?
Lob ist immer gut, um mit einer Nr.3 erst einmal in Beziehung zu treten. Lob ist gut, Anerkennung für Äußerlichkeiten auch. Hier kommt es darauf an, wie weit entwickelt die Nr. 3 ist. Ich bin heute nicht mehr so bereit, mich für irgendwelche Äußerlichkeiten anerkennen zu lassen, das war früher so mein Ding. Heute muß es schon ein bißchen was Wichtigeres sein. Förderlich für die Beziehung zu einer Nr. 3 ist es auch, spontan und lustig und witzig zu sein und gern in der Welt sein, das ist schön mit solchen Leuten, da springe ich drauf an.

Wie wäre es mit Partnern, die auf anhalten, Beziehung haben oder auf tiefen, vielleicht traurigen Gefühlen bestehen und Du nicht wüßtest, daß das eigentlich zu Deinem Entwicklungsprogramm gehört?
Dann gäbe es wahrscheinlich sehr viele Schwierigkeiten. Vor 10 oder 15 Jahren, da kann ich mir nicht vorstellen, daß ich es mit so jemandem ausgehalten hätte. Ich glaube, ich wäre gegangen, es wäre zu schwierig gewesen, zu wenig effizient, wo wäre das Voranschreiten geblieben ?

Es liegt ein solcher Wert für Euch auf Power und Dynamik, daß es schwer ist, mit einem Partner auszukommen, der auf einem niedrigeren Energielevel fährt?
Wenn Du als 3 noch nicht die Perspektive entwickelt hast, daß es noch etwas anderes gibt außer Power und Dynamik und Organisation und Management und ein Macher sein, dann kann ich mir wirklich nicht vorstellen, daß Du mit jemandem, der eher in sich versunken, meditativ mit “Sein” beschäftigt ist, klarkommst. Ich kann mir das nicht vorstellen. Heute dagegen weiß ich: da zeigen mir Menschen, es gibt noch was anderes, und ich finde das toll und sehe es als Inspiration, als Vorteil, als Entwicklungskriterium.

Wie können Dir Partner helfen, Dich dahin zu entwickeln?
Indem sie selbst nicht ihren Fokus auf Dynamik legen. Positiv formuliert, indem sie sich eher mit Sein beschäftigen, sich mit Dingen beschäftigen, die das Leben außerhalb von materiellen Bereichen ausmachen. Menschen, die sich mit sich selbst auseinandersetzen, auch mit philosophischen Aspekten auseinandersetzen, das ist das, was mich heute berührt, das sind heute wichtige Themen für mich. Jemand, der das tut, kann mich als Modell oder Vorbild sehr unterstützen. Das tut mir gut, heute.

Kannst Du uns noch etwas zum Stichwort Wahrhaftigkeit (höherer emotionaler Aspekt) sagen?
Für mich bleibt Wahrhaftigkeit immer noch ein Aspekt meiner Entwicklung. Ich bin da noch nicht, jedenfalls nicht vollkommen. Nicht effizient genug ( lacht ). Aber über die Beschäftigung mit diesem Aspekt, und über den Mangel , den ich gespührt habe, daß so herumzuhektiken ja nicht alles sein kann, bin ich mit Wahrhaftigkeit in Berührung gekommen. Ich habe begonnen zu spüren, daß ich so, wie ich bin, richtig bin für das Universum, mit allen Macken aber auch mit allen guten Eigenschaften. Ich habe so ein Bild für mich entwickelt: das Universum als ein Puzzle, und ich, so wie ich bin, passe da rein, mit allen schrägen, komischen, aber auch mit guten Aspekten, ich passe da rein, genau da rein.

Wie hängt das mit Wahrhaftigkeit zusammen?
Früher habe ich mehr Rollen gespielt. In den Momenten, in denen ich mit mir selbst wahrhaftiger war, habe ich mich mehr auf mich selbst eingelassen und festgestellt, daß ich auch so, wie ich bin, ins Universum hineinpasse, ohne daß ich mich passend machen muß. Meine Rollen und Masken fallenzulassen hat mir geholfen zu sehen, daß ich auch so passe.

Spielt da Hoffnung (höherer mentaler Aspekt) eine Rolle?
Als Nr. 3 habe ich die Weltsicht ” ich muß das Ding alleine machen “. Andere Menschen sind natürlich da und wichtig für mich, aber auf eine sehr benutzerische Weise: wenn ich sie brauche, um irgendetwas zu machen, dann nehme ich sie und wenn ich sie dafür nicht mehr brauche, dann brauche ich auch den Kontakt nicht. Ich bin in früheren Jahren oft sehr unsorgsam mit meinen Beziehungen umgegangen. Solange ich sie für irgendetwas benutzen konnte, war es gut, und danach gab es sie halt nicht mehr in meinem Leben. Das war nichts, was mich besonders berührt hat. Daß ich bereiter geworden bin, mich auf Beziehung langfristig und dadurch verbindlicher einzulassen, nicht nur, wenn ich sie für ein Projekt brauche, das hat für mich etwas mit dem Aspekt der Hoffnung zu tun. Die Hoffnung ist eigentlich, daß ich in einer Gemeinschaft bin und nicht die Welt alleine machen muß, sondern daß ich in irgendeiner Form getragen werde. Es gibt Erfahrungen dazu: ich lebe ja mit einem Kind und ich muß das ja organisieren, weil ich so viele Dingen draußen tue, und ich habe mich einmal einfach darauf eingelassen, es nicht zu organisieren, und die Erfahrung war, daß es für mich organisiert worden ist, ohne daß ich etwas gemacht habe. Solche Erfahrungen sind für andere vielleicht selbverständlich, für mich sind sie eher seltsam und sie geben mir wirklich viel: ein Gefühl, daß ich es nicht alleine machen muß, daß es da irgendwo etwas gibt, was für mich sorgt, wo ich aufgehoben bin, wo ich mal nicht immer diejenige bin, die sorgen muß, sondern es wird für mich gesorgt.

In dem Dreiersystem liegt die Hoffnung in dem, was Du tust, in Deiner Aktivität, Deiner Handlung, und alleine darin liegt sie. In höheren Zustand der Drei liegt die Hoffnung im Anderen, oder im Universum, “es gibt etwas, was es für mich tut “.
Ja, es gibt ein ” Es “, das es macht oder auch ein ” Er” , aber es wird gemacht für mich, und ich muß mich nicht nur pausenlos darum kümmern, daß ich tue, und das entlastet mich sehr. Es schafft Sinn für mich, es ist schön, angenehm, loszulassen, auch mal zu delegieren und zu denken, es geht trotzdem.

Ist das Gefühl, geliebt zu werden, leicht für Dich?
Es ist ein zentrales Thema für mich, aber so, daß ich dafür ungeheuerlich arbeiten muß, sonst bin ich das nicht wert. Die ursprüngliche Weltsicht ist ” wenn ich nichts leiste, dann kann ich nicht geliebt werden, wofür soll man mich denn lieben “. Eine bedingungslose Liebe, z.B. in meiner Ehe, einfach zu glauben, daß mein Mann mich liebt, einfach weil ich bin, wie ich bin, das kann ich erst relativ kurz so sehen und anerkennen. das ist zum Beispiel auch ein Aspekt von Hoffnung, daß ich spüre, wenn ich bin wie ich bin, werde ich geliebt, und dann kommt in meine Beziehungen viel mehr Identität und Echtheit hinein.